Grandiose Persiflage auf Shakespeare Gestenreicher Bernd Lafrenz im Professorenhaus Lingen

Von Elisabeth Tondera

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Bernd Lafrenz präsentierte im Professorenhaus eine mitreißende Adaption von „Der Widerspenstigen Zähmung“. Foto: Elisabeth TonderaBernd Lafrenz präsentierte im Professorenhaus eine mitreißende Adaption von „Der Widerspenstigen Zähmung“. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Lauter Flaschen auf der Bühne des Professorenhauses. Sie spielen die Hauptrolle in „Der Widerspenstigen Zähmung“, die der Schauspieler Bernd Lafrenz sehr frei nach Shakespeare präsentiert hat.

Die Flaschen stehen für die Figuren der Komödie, in der es aus heutiger Sicht um psychische und physische Gewalt an Frauen geht (Zwangsheirat, Demütigung, Schlafentzug, Hunger). Etwas verlegen meinte daher der kommissarische Leiter des TPZ ,Nils Hanraets, es habe sich zufällig ergeben, dass dieses Stück ausgerechnet am Internationalen Frauentag aufgeführt wurde.

Vereinfacht und modernisiert

Um es vorwegzunehmen: Bernd Lafrenz, der mit seinen Shakespeare-Soloadaptionen schon mehrmals im Professorenhaus zu Gast gewesen ist und viele Fans in Lingen hat, ist wieder einmal eine grandiose Persiflage auf Shakespeare gelungen. Er hat gemeinsam mit Regisseur Abel Aboualiten das Stück vereinfacht und so modernisiert, dass die frauenfeindlichen Elemente stark abgeschwächt und kaum wahrzunehmen sind.

Bei Lafrenz stimmt die widerborstige Katharina der Hochzeit zu und erniedrigt sich nicht selbst wie im Original, wo sie am Ende sagt: „Drum dämpft den Trotz, beugt euch dem Mann entgegen,/ ihm unter seinen Fuß die Hand zu legen,/ wenn er’s befiehlt.“

Verwandlungskünstler

Lafrenz stellt das Burleskenhafte der Komödie heraus. Sprühende Lebendigkeit, ausdrucksstarke Körpersprache, Situationskomik und sprachlicher Witz kennzeichnen dieses Solospiel, in dem der Schauspieler das farcenhafte Geschehen um die zwei Schwestern Katharina und Bianca sowie das Spiel mit vertauschten und verstellten Identitäten den Zuschauern wirkungsvoll präsentiert.

Dessen Interpretation „Der Widerspenstigen Zähmung“ ist ein erfrischendes Beispiel dafür, was Theater bieten kann: beste Unterhaltung auf hohem Niveau, schauspielerische Leistung erster Klasse, schlichtes, aber wandlungsfähiges Bühnenbild, kurz: ein unbeschwertes Theatervergnügen, das nicht so schnell vergessen wird.

Schneller Wechsel der Identitäten

Shakespeares Stücke sind für die (Volks)Bühne geschaffen, und ihr Hauptziel ist die Publikumswirksamkeit. Die Zuschauer sollen von Anfang an in den Bann des Schauspiels gezogen werden, und Bernd Lafrenz agiert in dieser Tradition. Es sucht immer wieder den Kontakt zu den Zuschauern und lässt sie mitwirken.

Der Verwandlungskünstler schlüpft diesmal in zehn verschiedene Rollen und wechselt in Sekundenschnelle die Identitäten, ohne die Zuschauer zu verwirren – es ist immer klar, welche Figur gerade agiert.

Gestenreicher Lafrenz

Dafür benötigt Lafrenz keinen Kostümwechsel, oft reicht eine typische Geste. So streicht Hortensio immer einen imaginären Bart, Petruchio wird durch machohafte Körperhaltung und boshaftes Grinsen charakterisiert, Gremio dagegen durch greisenhaftes Auftreten mit Gehstock.

Für jede Figur steht außerdem eine Weinflasche, die der Schauspieler beim ersten Auftritt an einen Baum hängt und nach der Pause in einer Kiste auf die Bühne trägt.

Tosender Applaus

Meisterhaft gestaltet er auch die im Original sehr komplizierte Rahmenhandlung um den Kesselflicker Sly. Bei Lafrenz erzählt der Trinker die Geschichte der Barfrau Jenny, und bei diesen beiden Figuren kommt es zu einem romantischen Happy End.

Das Publikum im ausverkauften Professorenhaus bedankt sich mit tosendem Applaus für diesen fantastischen Theaterabend.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN