Gegenkandidat für Wahl am 22. April Koop: OB Krone arbeitet in Lingen nur Projekte des Vorgängers ab

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Robert Koop bewirbt sich als einziger Gegenkandidat von Amtsinhaber Dieter Krone am 22. April 2018 bei der Wahl zum Oberbürgermeister von Lingen. Foto: Mike RöserRobert Koop bewirbt sich als einziger Gegenkandidat von Amtsinhaber Dieter Krone am 22. April 2018 bei der Wahl zum Oberbürgermeister von Lingen. Foto: Mike Röser

Lingen. Als einziger Gegenkandidat zu Dieter Krone hat sich Robert Koop für die Oberbürgermeisterwahl am 22. April 2018 aufstellen lassen. Dass der Lingener mit der Arbeit des Amtsinhabers nicht zufrieden ist, daraus macht er keinen Hehl.

66 Jahre alt ist Koop, seit 42 Jahren im Stadtrat. Als lauteste Stimme der Opposition übt er im Namen der Wählergemeinschaft „Die Bürgernahen“ (BN) immer wieder harsche Kritik an der Mehrheitsfraktion – und an Oberbürgermeister Dieter Krone. Als sich in den vergangenen Wochen abzeichnete, dass dessen Wiederwahl ohne Gegenbewerber ablaufen könnte, habe es auch Überlegungen gegeben, Krone „gewähren“ zu lassen und auf ein schlechtes Ergebnis des einzigen Bewerbers „zu hoffen“. Damit jedoch konnte sich Koop nicht anfreunden und kandidierte: „Dann lieber demokratisch und mit offenem Visier.“

„Er macht genau das Gegenteil“

Denn während sich CDU, SPD und Grüne deutlich für den parteilosen Krone aussprachen und die FDP die neutrale Rolle wählte, können Koop und die BN nicht genügend Wertschätzung für die Arbeit des Amtsinhabers aufbringen, um ihn zu unterstützen. Im Gegenteil, wie Koop im Gespräch mit der Redaktion betont. Eines seiner Hauptärgernisse: „Dieter Krone ist 2010 angetreten, um Offenheit zu schaffen – er macht aber genau das Gegenteil.“

Missstände motivieren

Als Beispiel nennt er die Vorgänge bei der Wahl zur Seniorenvertretung im März 2017, an der erhebliche Kritik geübt worden war. „Da kann man nicht sagen, dass das demokratisch gewesen ist“, meint Koop. Genau diese Aussage sei aber aus dem Rathaus gekommen. Solche Missstände hätten ihn zur Kandidatur motiviert.

Abarbeiten von Pott-Projekten

Neben der mangelnden Offenheit kritisiert Koop auch, dass Krone nicht genügend eigene „Duftmarken“ gesetzt habe. „In erster Linie war das ein Abarbeiten der Projekte seines Vorgängers Heiner Pott“, bemängelt Koop. Das Einzige, das man mit dem Namen Krone verbinden könne, sei der Lili-Bus, und „auch die ist nicht zu Ende entwickelt“. Stattdessen habe es viele PR-Sachen gegeben, zum Beispiel die Fairtrade-Stadt. „Das ist auch eine gute Sache, die man machen kann“, meint Koop. „Aber doch erst, wenn es Lösungen für dringende Probleme gibt.“

Koop sieht Enttäuschung in der Stadtverwaltung

Derer gäbe es aktuell genügend, meint der BN-Fraktionsvorsitzende. Er nennt die Pflege, „nicht nur der alten, sondern auch junger Menschen“, oder auch die von ihm erkannte Enttäuschung in großen Teilen der Stadtverwaltung. „Wenn ich dort arbeite, muss ich doch sagen: Wunderbar, ich darf Dienstleistung bieten für die Bürger dieser wunderschönen Stadt“, sagt Koop. „Stattdessen gibt es viel Enttäuschung. Das kann man in so großen Einheiten nicht immer vermeiden – aber ich höre nichts anderes.“ Das hänge auch damit zusammen, dass es dort noch Strukturen wie im 19. Jahrhundert gäbe.

Hin zum „großen Ganzen“

Dabei gäbe es viele Aufgaben, die „die Stadt“ stemmen müsse. Eine entscheidende sieht Koop in der Integration der Flüchtlinge. „Wir können Zuwanderung anders organisieren“, meint er. „Hier müssen wir die vielen integrieren, die gekommen sind, das ist städtische Aufgabe.“ Ebenso spricht er sich für eine andere Art der Wirtschaftsförderung aus: Es sei nicht der richtige Weg, Unternehmen Grundstücke quasi zu schenken. Da bedürfe es Absprachen mit anderen Kommunen in der Region und einer Verlagerung des Fokus‘: weg vom einzelnen Unternehmen und hin zum „großen Ganzen“.

„Zusammenhängend denken“

Umdenken sei auch beim Verkehr angesagt, „wir ersticken sonst an den Autos in der Innenstadt“. Das von der SPD durchgesetzte Verkehrskonzept sei deshalb genau richtig. Über den Radverkehr, einen intensiven Ausbau des Carsharings, die nicht zu Ende entwickelte Lili und auch über das abgeschaffene Anruf-Sammel-Taxi (AST) müsse man wieder reden. In diesen Kontext gehört für ihn auch, über im Bau teurere Tiefgaragen in der Innenstadt nachzudenken und die Öffnung bestimmter Straßen für den Radverkehr. „Da müssen wir zusammenhängend denken“, lautet Koops Devise.

Wohnungsbaugenossenschaft „muss loslegen“

Klare Vorstellung hat Koop zu einer neuen Kita („die gehört in die Innenstadt, da arbeiten die Leute“) und zur Wohnungsbaugenossenschaft, die auf einem guten Weg sei, aber die nun auch loslegen müsse, um ihre Ziele zu erreichen.

Juwelen pflegen

Überdies müssten jetzt auch Optionen geschaffen werden, um jene Fachkräfte zu halten, die nach dem Abschalten des Kernkraftwerkes 2022 in diesem nicht mehr benötigt werden. „Die müssen wir hier halten“, betont Koop. Dafür müsse man Juwelen der Stadt wie die Unternehmen Rosen, bald Krone, die BP, Engie oder viele andere pflegen. Es sei ein Vorteil, dass die Wirtschaftskraft auf viele Schultern in der Stadt verteilt sei. Die kulturelle Vielfalt und auch die Arena („Da sind die Kosten eingehalten worden, weil wir Gas gegeben haben“) seien Pfunde, mit denen man wuchern müsse.

Nicht nur öffentlichkeitswirksame Termine

Das könne man derzeit noch nicht mit der Digitalisierung. Neben dem Ausbau der Infrastruktur bedürfe es einer gezielten Unterstützung der Firmen und Betriebe in der Stadt in Sachen Internet – und „nicht öffentlichkeitswirksamer Termine“ wie der Eröffnung des „Mittelstand 4.0“-Kompetenzzentrums am Dienstag in Lingen.


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