Auch eigene Mutter beleidigt Kieferbruch auf Speller Kirmes: Ein Jahr Jugendstrafe für Schläger

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Der Angeklagte gestand, dem Opfer mit einem Faustschlag auf der Speller Kirmes den Kiefer gebrochen zu haben. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpaDer Angeklagte gestand, dem Opfer mit einem Faustschlag auf der Speller Kirmes den Kiefer gebrochen zu haben. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Lingen Schädliche Neigungen eines 19-Jährigen bergen die Gefahr weiterer Straftaten: Aus dieser Überzeugung heraus hat das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Lingen einen jungen Mann aus dem südlichen Emsland wegen zweifacher Körperverletzung sowie Beleidigung zu einer Jugendstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verurteilt.

Nachdem der Angeklagte zunächst bestritten hatte, einem heute 21-jährigen während eines abendlichen Kirmesbesuches im vergangenen Jahr mit einem Faustschlag den Kiefer gebrochen zu haben, räumte er seine Schuld noch während der Vernehmung des Geschädigten aus freien Stücken voll umfänglich ein.

Er verwies darauf, dass es am Vorabend der Tat bereits zu Provokationen zwischen ihm und seinem späteren Opfer gekommen sei. Am Tatabend sei er betrunken gewesen, ein von der Polizei durchgeführter Atemalkoholtest hatte bei dem 19-Jährigen einen Wert von 2,01 Promille ergeben. Der Kieferbruch des 21-jährigen musste operiert werden und zog einen einwöchigen Krankenhausaufenthalt sowie eine dreiwöchige Krankschreibung nach sich. Der Geschädigte gab vor Gericht an, seinen Mund auch heute noch nicht wieder so weit öffnen zu können wie vor der erlittenen Fraktur.

Tee ins Gesicht geschüttet

Das Gericht sah es nach der Beweisaufnahme zudem als erwiesen an, dass der Angeklagte, der sich im November 2017 mit seinem Bruder um eine Speicherkarte gestritten hatte, im Zuge dieser Auseinandersetzung dessen 18-jähriger Freundin zunächst eine lauwarme Tasse Tee ins Gesicht geschüttet hatte. Als die junge Frau daraufhin vom Sofa aufsprang, hat er sie mit dem unbeschuhten Fuß getreten. Daraufhin ist die Geschädigte ins Stolpern geraten, auf den von dem Tee nassen Fliesen ausgerutscht und auf den Hinterkopf gefallen, wodurch sie sich eine schmerzhafte Beule zuzog.

Unklar blieb, ob der Angeklagte im Rahmen dieser ausufernden Streitigkeiten auch seinem Bruder mit einem Schlag ins Gesicht eine kleine, blutende Wunde zugefügt oder ob es sich dabei um eine reine Abwehrhandlung des 19-Jährigen gehandelt hatte. Der Bruder machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Eingeräumt hat der Angeklagte auch, dass er seine Mutter übel beleidigt hat. Diese hatte daraufhin Strafantrag gegen ihren Sohn gestellt.

Soziales Kompetenztraining empfohlen

Bis 2016 hat der vorbestrafte Angeklagte in anderer Sache eine Jugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten verbüßt, nachdem die Strafaussetzung zur Bewährung aufgrund nicht erfüllter Bewährungsauflagen widerrufen worden war. Zuletzt war der 19-Jährige im November 2017 wegen des Verstoßes gegen Weisungen während der Führungsaufsicht zu einem dreiwöchigen Dauerarrest verurteilt worden.

„Ich selbst habe ihn noch nie unfreundlich erlebt“, verwies seine erst seit Kurzem zuständige Bewährungshelferin darauf, dass ihr Klient in seiner eigenen Familie ungewollt die Rolle des Verlierers übernommen habe. Er habe keinen Schulabschluss, habe keine geordnete Tagesstruktur und seine berufliche Integration gestalte sich sehr schwierig. Sie empfahl ein soziales Kompetenztraining, damit der 19-Jährige seine Aggressionen anderen gegenüber in den Griff bekomme.

Der Vorsitzende Richter zeigte sich überzeugt, dass dem Angeklagten eine berufliche Qualifizierung im Rahmen des geschlossenen Vollzugs helfen werde, im Leben Fuß zu fassen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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