Passanten mit Blutspritze bedroht Angeklagten droht Haft oder Suchtklinik

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Zwei Angeklagten, die in Lingen Passenten mit einer blutgefüllten Spritze bedroht haben, drohen lange Haftstrafen oder die Unterbringung in einer Suchtklinik. Symbolfoto: dpaZwei Angeklagten, die in Lingen Passenten mit einer blutgefüllten Spritze bedroht haben, drohen lange Haftstrafen oder die Unterbringung in einer Suchtklinik. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Zwei Angeklagten, die in Lingen Passanten mit einer blutgefüllten Spritze bedroht haben, drohen hohe Haftstrafen. Die Anklage hat für den 27-Jährigen sechs Jahre Haft gefordert, für seine Komplizin fünf Jahre. Wahrscheinlich ist, dass beide in einer Suchtklinik untergebracht werden.

Das Pärchen hatte im Sommer 2017 innerhalb kurzer Zeit im Bereich Willy-Brand-Ring/An der Wilhelmshöhe mehrere Überfälle auf Passanten verübt. Dabei war den Opfern jedes Mal mit den Worten „Hier ist Aids drin“ eine blutgefüllte Spritze vorgehalten worden, um die Herausgabe von Wertgegenständen zu erzwingen. Die Beute, ein Mobiltelefon und Bargeld, setzte das Pärchen ein, um die eigene Drogensucht zu finanzieren. (Weiterlesen: Angeklagter schlägt Vollzugsbeamten)

„Starke Angst“

Die Bedrohung mit der Spritze hatte die Opfer in starke Angst versetzt. Wie mehrere von ihnen vor dem Landgericht Osnabrück, wo der Prozess gegenwärtig stattfindet, erklärten, haben sie die Ereignisse bis heute noch nicht überwunden. Selbst wenn das Blut in der Spritze, das sich der 27-Jährige selbst aus der Leiste abzapfte, nicht, wie die Ermittlungen ergeben haben, mit dem HI-Virus infiziert war, waren die Opfer während der Taten überzeugt, bei Gegenwehr mit der lebensbedrohlichen Krankheit angesteckt zu werden. In zweien der drei Fälle hatte der 27-Jährige auch Stichbewegungen in Richtung der Überfallenen ausgeführt.

„Strafrechtlich in Erscheinung getreten“

Beide Angeklagten sind in der Vergangenheit mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten. Die 30-Jährige hat mehrere Vermögensdelikte verübt, ihr Komplize ist wegen Drogendelikten, Diebstahl und Leistungserschleichung aktenkundig geworden.

Vermindert schuldfähig

In ihrem Plädoyer beantragte die Staatsanwältin für beide Haftstrafen. Der Angeklagte soll wegen versuchter räuberischer Erpressung und versuchter schwerer Körperverletzung für sechs Jahre in Haft, die 30-Jährige für fünf Jahre. Die Anklagevertreterin stufte die Taten als gewerbsmäßig ein, womit sich das Pärchen regelmäßige Einkünfte sichern wollte. Beide sind wegen ihrer Drogensucht bei den Taten vermindert schuldfähig gewesen, weswegen sie in einer Suchtklinik zur Therapie untergebracht werden sollen.

„Kein gezieltes Zustechen“

Auch die Verteidiger wollen für ihre Mandanten diese Unterbringung. Allerdings beantragten sie geringe Haftstrafen und waren der Ansicht, es sei niemals ein gezieltes Zustechen erfolgt, ebenso hätten die Angeklagten die Opfer nicht verfolgt, als diese vor der Bedrohung geflüchtet waren.

Das Urteil wird am 14. März gesprochen.


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