An vierjährigem Kind Drei Jahre Haft für Emsländer wegen Missbrauchs

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Zu drei Jahren Haft hat das Landgericht Osnabrück einen Mann wegen des Missbrauchs eines vierjährigen Kindes verurteilt. Foto: Friso Gentsch/dpaZu drei Jahren Haft hat das Landgericht Osnabrück einen Mann wegen des Missbrauchs eines vierjährigen Kindes verurteilt. Foto: Friso Gentsch/dpa

Osnabrück. Zu drei Haft wegen Missbrauchs eines damals Vierjährigen hat das Landgericht einen jetzt 58-jährigen Angeklagten verurteilt. Der im südlichen Emsland lebende Mann hatte an dem Kind, das von dessen Eltern in seine Obhut gegeben worden war, in drei Fällen sexuelle Handlungen vorgenommen.

Ob der jetzt ergangene Richterspruch allerdings Gültigkeit erlangen wird, ist zweifelhaft. Dreimal haben sich bisher Gerichte mit dem Fall beschäftigt. Das Amtsgericht in Lingen war nach dem Geständnis des Angeklagten im Herbst 2016 zum Ergebnis eines schweren sexuellen Missbrauchs in drei Fällen gekommen. Es hatte die Übergriffe, die zum einen vom Angeklagten selbst eingeräumt und auch in einer polizeilich durchgeführten Befragung des Kindes aktenkundig geworden waren, als besonders schwere Fälle angesehen.

Revision gegen Urteil des Landgerichts

In einem vom Angeklagten angestrengten Berufungsverfahren hatte eine Kammer des Landgerichts Osnabrück das Urteil im März 2017 geändert und war von minder schweren Fällen ausgegangen. Im Ergebnis hatte das eine zweijährige Haftstrafe für den Lingener bedeutet, die zudem zur Bewährung ausgesetzt worden war. Dagegen war die Staatsanwaltschaft in die Revision gegangen, der sich der Angeklagte ebenfalls angeschlossen hatte. Das Oberlandesgericht gab den Anträgen recht und verwies das Verfahren zurück an eine andere Kammer des Landgerichts. Im Wesentlichen begründete das OLG das vorausgegangene Urteil als zu milde. Der Strafrahmen bei einem solchen Delikt liegt zwischen zwei und 15 Jahren, bei drei Fällen hätte die Strafe höher angesiedelt werden müssen als das Mindeststrafmaß.

Den Taten nicht angemessen

Im Verfahren vor der Jugendkammer kam diese nach der Beweisaufnahme und den Anträgen der Prozessbeteiligten zu dem Schluss, dass das Urteil aus der Erstinstanz angemessen gewesen sei. Die Einstufung als minder schwere Fälle durch das Landgericht sah die Kammer als den Taten nicht angemessen. Als erschwerend angesehen wurde der Versuch des Angeklagten, den damals Vierjährigen als mitverantwortlich an den Ereignissen darzustellen.

Absurde Verteidigung

Der schwerkranke 58-Jährige hatte weiterhin geltend machen wollen, die Handlungen an dem Kind unter anderem auch durchgeführt zu haben, um auf diese Weise Linderung seiner Krankheit zu erfahren. Eine solche Möglichkeit war aber von einem sachverständigen Mediziner in seinem Vortrag vor der Kammer als absurd hingestellt worden. „Wenn man so etwas mit einem Kind macht, und das gleich in mindestens drei Fällen, muss einem klar sein, dass man dafür einfährt“, machte ihm der Vorsitzende der Kammer unmissverständlich deutlich.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Der Angeklagte, der bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist, steht vor den Trümmern seiner Existenz. Er ist aus der ehelichen Wohnung ausgezogen, seine Frau hat sich von ihm getrennt, ebenso wie alle seine Verwandten sich von ihm abgekehrt haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Angeklagte wie auch die Staatsanwaltschaft können Revision einlegen.


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