Monumentale Orgel-Symphonik Balthasar Baumgartner im Bonifatius-Hospital Lingen

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Lingen. Beim letzten von drei Konzerten zur Einweihung der neuen Hybrid-Orgel im Bonifatius-Hospital Lingen präsentierte Regionalkantor Balthasar Baumgartner aus Meppen am Sonntag vor etwa 60 Zuhörern eine Auswahl gewichtiger Literatur mit großem Ernst, kraftvollem Ausdruck und meisterlich ausgefeilter Spieltechnik.

Langsam hat es sich herumgesprochen: In der Krankenhauskapelle steht eine richtig gute dreimanualige Orgel. Ihre zwei Formen der Klangerzeugung, ein kleiner Prinzipalchor aus Zinnpfeifen neben den digital gesampelten 250 Orgelregistern und 30 Orchesterstimmen, bilden eine harmonische, fein aufeinander abgestimmte Einheit, die auch dadurch nicht gestört wird, dass das Audiosystem von der Berliner Firma „Teufel“ stammt. Im Gegenteil: Organisten berichten, der Gemeindegesang lasse sich viel leichter führen, und Patienten, die über den Hauskanal mit der Kapelle verbunden sind, schwärmen vom vollen Klang in ihrem Kopfhörer.

Wie ein Frühlingsbach

Der bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Interpret hatte eine vorösterliche Spurensuche vorbereitet, die ihm selbst, aber auch dem interessierten Auditorium einiges abverlangte. Praeludium und Fuge c-Moll BWV 546 sowie „An Wasserflüssen Babylon“ BWV 653 von Johann Sebastian Bach markierten den Ernst der Kirchenjahreszeit. Das delikate „Scherzo“ op. 2 von Maurice Duruflé kam wie ein Frühlingsbach daher mit Spitzflöten, Schwebung und der beeindruckenden Schwellfunktion, unter der sich der Klang verändert wie bei einer sich öffnenden und schließenden Tür.

Übermütig und befreit von jeder Schwere

Die beiden Schwergewichte französischer Spätromantik, Louis Vierne und Charles-Marie Widor, waren vertreten mit der Cantilène aus Viernes III. Symphonie und dem ersten, zweiten und fünften Satz aus Widors VI. Mal ließ Baumgartner einen Dialog entstehen zwischen Pfeifen- und Digitalregistern, mal präsentierte er verschiedene Manuale im Wechsel, auch bei rasanten Tempi blieb er stets präzise, ob auf der Vollholzklaviatur oder per pedes. Harfengleich registrierte er Widors Adagio, um dann, wie gegen den Strich gebürstet, übermütig und befreit von jeder Schwere in den Finalsatz zu springen.

Perlen der Kirchenmusik

Nach enthusiastischem Beifall legte Baumgartner sich für die Zugabe nochmal ins Zeug und spielte das Finale aus Viernes III. Symphonie, eine herausfordernde Toccata mit gewaltiger Conclusio. Archaische Strenge und charakteristische Seufzermotive bei Bach, lebhafte Refrains bei Duruflé, Hoffnung auf Licht beim fast blinden Vierne und monumentale Symphonik bei Widor: Perlen der Kirchenmusik hatte Baumgartner ausgesucht, wie sie sonst nur in großen Kathedralen zur Aufführung kommt. Das war keine leichte Kost, eher ein schwerer Rotwein, dessen Farbe und Duft noch lange nachwirken.


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