Leidenschaft und Sinnlichkeit Tonkünstler-Konzert in der Trinitatiskirche Lingen

Von Sebastian von Melle

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Lingen. Der Deutsche Tonkünstler-Verband (DTKV) nimmt als Berufsverband für Berufsmusiker deren Interessen wahr. Dazu gehören auch Konzerte auf hohem Niveau. Eins davon konnten 55 Interessierte wieder einmal in der mit zahlreichen Kerzen erleuchteten Lingener Trinitatiskirche erleben.

Fünf Mitglieder des DTKV-Bezirksverbandes Osnabrück/Emsland teilten sich den Abend auf, wobei die 1. Vorsitzende, Julia Habiger-Prause (Klavier) den Löwenanteil zu bewältigen hatte, wirkte sie doch in 14 von 17 Stücken mit. Als zuverlässige Begleiterin war sie sowohl in Kunstlied und Operette unentbehrlich als auch als Teil eines Klaviertrios. Der jungen Pianistin war anzumerken, wie zielstrebig sie ans Werk geht, um gute Werbung für ihren Verband zu machen und gleichzeitig schöne Töne zu produzieren.

Sanft gespielt, flott moderiert

Den Beginn machte der Lingener Gitarrist Peter Löning mit Leo Brouwers „Un Dia de Noviembre“. Das 1968 auf Kuba entstandene Werk begann erstaunlich sanft und kämpfte elegant gegen die trockene Akustik. Im weiteren Verlauf präsentierte der Trini-Nachbar mit den spanischen „VI Variations sur la Folies d’Espagne“ des italienischen Komponisten Mauro Giuliani auf seiner französischen Doppelloch-Guitare von 1810 ein wahrhaft internationales Stück mit allen Raffinessen dieser Zeit. Löning verstand es, seine Auswahl mit flott moderierten Hinweisen dem Publikum nahe zu bringen. Später erklangen die Quatre Pièces Brèves des Schweizers Frank Martin, eine reizvolle Mischung aus Zwölftonmusik und klassischer Tonalität.

Beglückend warmes Timbre

In zwei großen Blöcken beglückte die Sopranistin Sigrid Heidemann mit ihrem klaren, warmen Timbre. Von Schuberts „Winterreise“ über „Erstes Grün“ und Mailieder bei Schumann bis zu rauschenden Frühlingsszenen verschiedener Operetten ließ sie das Eis unaufhörlich schmelzen. Sehr eindrucksvoll das elegische „Im wunderschönen Monat Mai“ mit seinem abrupten Ende. Walter Jurmanns Evergreen „Veronika, der Lenz ist da“ ließ die Füße wippen und war für viele sicher die Glücksformel schlechthin.

Klaviertrio mit Tangos vom Feinsten

Es galt aber noch, einen drauf zu setzen, und das taten Dorothea Sack (Violine), Sandra Denby (Violoncello) und Julia Habiger-Prause (Klavier) mit vier Tangos vom Feinsten, zwei vor dem Rioja in der Pause, zwei am Schluss. Mit zarten Wendungen und großem Pathos, filigranen Koloraturen zur Melodie in doppelten Notenwerten beeindruckte „Por una cabeza“ von Carlos Gardel, bekannt aus „Schindlers Liste“, „Der Duft der Frauen“ und „True Lies“. Leidenschaft pur zeigte sich in Astor Piazzollas „Frühling“, und schöne Soloelemente unterstrichen die Sinnlichkeit in Peter Ludwigs „Tango E“.

Anders als die Kerzen hielten Künstler und Publikum locker durch bis zum Schluss, sodass man gespannt sein darf, womit sich der DTKV beim nächsten Konzert in der Trinitatiskirche vorstellen wird.


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