„Lieber schön“ im Lingener Theater Klischees mit großer Spielfreude präsentiert

Von Meike Blunk

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Lingen. Im voll besetzten Theater an der Wilhelmshöhe lieferte sich ein hochkarätiges vierköpfiges Ensemble des Theaters „Komödie am Kurfürstendamm“ mit den beiden Zugpferden Oliver Mommsen und Roman Knizka in der bissigen Beziehungsgeschichte „Lieber schön“ des US-amerikanischen Autors Neil Labute temporeiche Schlagabtausche und erntete dafür am Ende lang andauernden Applaus.

Labute schuf eine Geschichte, in der die Paare Greg und Steph (Oliver Mommsen und Tanja Wedhorn) sowie Kent und Carly (Roman Knizka und Nicola Ransom) recht klischeehaft, geschlechtsspezifischen Mustern folgen, mit denen er sie dann in die Sackgasse geraten lässt.

Normal = Hässlich?

Greg und Kent sind Kollegen in einer Firma, die Mikro-Chips herstellt. Sie haben stets dieselben Schichten und in ihrer Freizeit spielen sie gemeinsam Baseball. Darüber hinaus sind auch ihre Partnerinnen miteinander befreundet. Steph ist jedoch gekränkt, als sie von Carly hört, dass Greg zu Kent gesagt habe, dass er Stephs Aussehen nur normal fände, wohingegen er Kents Begeisterung über die attraktive neue Kollegin, deren Gesichtszüge Kent perfekt fände, absolut teilen könne. Steph setzt das Wort „normal“ mit „hässlich“ gleich und fühlt sich durch Gregs Äußerung sehr verletzt. Daraufhin stellt sie ihn mit vulgären Kraftausdrücken zur Rede. Greg kommt dabei kaum zu Wort, reitet sich aber mit den wenigen Worten immer tiefer rein. Er möchte, dass sie wieder ihren Alltag leben können. Doch Steph ist es ernst.

Jede Menge Kraftausdrücke

Dabei hat der Autor jedoch in der Anzahl der Steph in den Mund gelegten Kraftausdrücke reichlich übertrieben. Weniger wäre da mehr gewesen. So musste Wedhorn, die die Rolle meisterhaft verkörperte, in der ersten Szene in ständigen Wiederholungen beleidigende Kraftausdrücke gebrauchen, die Stephs Verletzung spürbar machen sollten, was Wedhorn jedoch schon durch ihre authentische Haltung gelungen war.

Facettenreichtum

Regisseur Folke Braband vertraute dem Facettenreichtum und der Spielfreude seines Ensembles, das bravourös miteinander agierte und im Detail auch die unausgesprochenen und teilweise widersprüchlichen Empfindungen transportierte. Dabei machte Braband mit einer schiefen Spielebene auf der Bühne (Bühnenausstattung von Tom Presing) sichtbar, dass die beiden Paare sich, aufgrund von stereotyper Rollen- und Denkmuster in einer Schieflage befinden.

Kent als Freund von Barbie

Kent, ein überzeugter Macho gibt alles, um diesem Bild zu entsprechen und er gefällt sich richtig gut in seiner Rolle, da sie ihm eine vermeintliche Stärke zu geben scheint. Doch Kent`s Stärke basiert auf Lebenslügen und falschen Wertigkeiten.

Gefühle ernst nehmen

Bei Steph reift der Wunsch nach Veränderung der nach Äußerlichkeiten definierten Lebenskonzepte. Sie nimmt ihre verletzten Gefühle ernst und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. Greg stellt sich peu à peu immer mehr der neuen Situation. Dabei setzt er sich zunehmend auch selbstkritisch mit seinem Verhalten auseinander, was ihn zum Sympathieträger des Stücks werden lässt. Desweiteren beginnt er auch, die Freundschaft zu Kent infrage zu stellen, der seiner Affäre zu der jungen Kollegin immer mehr Raum gibt.

Wunsch nach Veränderung

Als Carly schwanger ist, wird das Wissen um die Affäre Kents für Greg zunehmend unangenehmer und er gibt ihr einen Wink. Steph geht konsequent den Weg ihrer gewählten Veränderung und auch den Weg der bewussten Verarbeitung ihrer vergangenen Beziehung mit Greg weiter. Das löst auch bei ihm neue Wahrnehmungsmomente aus. Nach anfänglicher Orientierungslosigkeit macht sich mehr und mehr der Wunsch nach Veränderung in ihm breit.

Mit kraftvoller Präsenz gespielt

Alle vier Schauspieler, die durch vielfältige Film- und Fernseharbeiten eine große Beliebtheit erlangt haben, spielten mit einer kraftvollen Präsenz und Authentizität und gaben damit dem Stück den richtigen Biss. Das Publikum war begeistert.


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