Neuregelungen erschweren Kita-Planung „Betreuungsbedarf wird auch im Emsland steigen“

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die meisten Kitas und Krippen im südlichen Emsland sind voll ausgelastet. Die künftige Bedarfsplanung erschweren dabei mehrere gesetzliche Neuregelungen. Symbolfoto: Jens Büttner/dpaDie meisten Kitas und Krippen im südlichen Emsland sind voll ausgelastet. Die künftige Bedarfsplanung erschweren dabei mehrere gesetzliche Neuregelungen. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

Lingen. Der weiter zunehmende Betreuungsbedarf für Kinder unter als auch über drei Jahren wird aufgrund aktueller Neuregelungen immer schwieriger planbar. Dies ergab eine Umfrage in den südemsländischen Orten und der Gemeinde Wietmarschen.

Vor allem die vom Land zum kommenden Kita- und Schuljahr 2018/19 geplante flexiblere Einschulung der zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werdenden Kindergartenkinder könnte laut einer Umfrage unter den Kommunen in der Region zu einem Problem werden.

Vor allem der späte Stichtag bereitet zum Beispiel dem Lengericher Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn Sorge: „Jetzt können die Eltern bis zum 1. Mai entscheiden, ob ein Kind in die Schule wechselt oder noch ein Jahr in der Kita bleibt. Da es bei der Bildung von Gruppen teilweise um einzelne Plätze geht, wird das System Kindergarten damit noch schwerer kalkulierbar.“ Laut Lühn wird dieses Problem noch durch die Tatsache verstärkt, dass im südlichen Emsland „jetzt schon die meisten Krippen und Kindergärten voll ausgelastet sind.“

Sehr später Stichtag

So wünscht sich auch Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen, dass der Stichtag doch noch weiter nach vorne verlegt wird: „Das würde unsere Planungen vereinfachen und Eltern hätten auch früher Sicherheit beim gewünschten Krippen- oder Kita-Platz.“ Die Kommunalverbände hatten sich im Parlament mit der Forderung eines Stichtags 1. Februar aber nicht durchsetzen können.

In Lingen sind die Mitarbeiter vom Familienservicebüro derzeit dabei, die bis zum 15. Februar möglich gewesenen Kita-/Krippenanmeldungen zu bearbeiten. „Nach den Osterferien können wir genauer sagen, ob wir alle Wünsche erfüllen können“, erklärte Horst Flachmann vom Fachdienst Jugendarbeit der Stadt. Immer mehr Eltern würden laut dem Fachmann ihre Kinder auch bei immer mehr Kitas parallel anmelden: „Eine Familie hat ihr Kind auch gleich bei 19 der 25 Kitas in der Stadt angemeldet.“ Zudem gebe es auch in den Gemeinden im südlichen Emsland auch wieder deutlich mehr Nachwuchs als noch wenige Jahre zuvor.

5,1 Millionen Euro in Lingen für laufende Kita-Ausgaben

Derzeit rechnet die Stadt bis 2020 mit einer Anmeldequote von zehn Prozent bei unter einjährigen Kindern, von 60 Prozent bei ein- bis zweijährigen und mit 90 Prozent bei zwei- bis dreijährigen Kindern. Dafür werden in Lingen von 2017 bis 2020 auch rund 6,2 Millionen Euro für Erweiterungen, Neu- und Umbauten eingeplant – 149 Krippen- und 146 Kita-Plätze sollen neu entstehen. 5,1 Millionen Euro wird die Stadt in diesem Jahr nach Angaben des Ersten Stadtrates zudem für den laufenden Betrieb der Kitas ausgeben: „Und der Betreuungsbedarf wird sicher weiter steigen und damit auch die Folgekosten.“ Dabei dürfe laut Altmeppen aber nicht vergessen werden, „dass steigende Geburtenzahlen immer erwünscht waren. Es haben aber viele vielleicht nicht damit gerechnet, dass diese Situation wirklich so zeitnah eintritt“.

Mehr Ganztagsbetreuung?

Im kommenden Kita-Jahr müssen aufgrund der laut Flachmann „sehr hohen Anmeldezahlen“ eventuell auch die Ausweichgruppen weiter betrieben werden: „Reicht das nicht, müssen wir wie im Vorjahr kurzfristig noch zusätzliche Plätze schaffen.“

Die Kita-Planungen weiter erschwert unter anderem auch die ebenfalls ab 2018/19 geltende Gebührenfreiheit für die ersten beiden Kita-Jahre. „Wir gehen davon aus, dass dadurch mehr Kinder für die Ganztagsbetreuung angemeldet werden. Dafür wird auch wieder mehr Personal erforderlich sein. Eventuell müssen auch zusätzliche Schlaf- und Speiseräume geschaffen werden“, erklärte Salzbergens Bürgermeister Andreas Kaiser.



Dazu kommen laut dem Lengericher Verwaltungschef Lühn zum Teil sehr späte Entscheidungen darüber, ob ein besonderer Förderbedarf anerkannt wird: „Dies hat Auswirkungen auf die dann zulässigen Kinderzahlen in den betroffenen Gruppen.“


Der Elternwille bei der Einschulung

Eltern in Niedersachsen sollen bereits zum kommenden Schuljahr 2018/19 deutlich mehr Entscheidungsspielraum beim Einschulungstermin ihrer Kinder erhalten: Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden können künftig den Schulstart ihrer Kinder um ein Jahr hinausschieben.

Der Änderungsantrag zum Schulgesetz von CDU und SPD ist im Kulturausschuss bereits mehrheitlich beschlossen worden – Afd, FDP und Grüne stimmten dagegen.

Stichtag für die Eltern ist der 1. Mai. Zur besseren Planbarkeit für Kitas und Schulen hatten die Kommunalverbände einen früheren Stichtag am 1. Februar gefordert.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN