Taten im Mai und August 2017 Jugendhaft für bewaffnete Überfälle in Lingen und Haselünne

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Die Angestellte einer Spielothek bedrohte der 21-Jährige mit einem Küchenmesser – Beute machte er nicht. Symbolfoto: Carola AlgeDie Angestellte einer Spielothek bedrohte der 21-Jährige mit einem Küchenmesser – Beute machte er nicht. Symbolfoto: Carola Alge

Lingen. Wegen bewaffneter Überfälle in Lingen und Haselünne muss ein 21-jähriger Mann eine dreijährige Jugendhaftstrafe verbüßen.

Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Lingen verurteilte ihn wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung und vollendeter schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie unter Einbeziehung vorangegangener Entscheidungen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte hat voll umfänglich eingeräumt, in einer Mainacht 2017 am Haselünner See von zwei jugendlichen Spaziergängern im Beisein derer Freundinnen unter Vorhalt eines etwa 30 Zentimeter langen Schraubendrehers  die Herausgabe von Bargeld verlangt zu haben. Die beiden Geschädigten händigten ihm zusammen insgesamt etwa 35 Euro aus. Beim drohenden Fuchteln mit dem Schraubendreher hatte der 21-Jährige einem der Opfer eine Kratzwunde am Arm zugefügt.

Reichlich Schnaps

Er habe bereits vor der Tat reichlich Schnaps getrunken, sagte der mehrfach vorbestrafte und bereits im Jugendvollzug einsitzende  Angeklagte aus. Im Anschluss habe er mit dem erbeuteten Geld an einer Tankstelle noch mehr Alkohol für sich und seine Freunde gekauft. Einer dieser Freunde war wegen Beihilfe mitangeklagt, der 24-jährige wurde aber letztlich aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Spielothek in Lingen überfallen

Ebenfalls gestand der 21-Jährige, in einer Augustnacht 2017 in Lingen maskiert und mit einem Küchenmesser mit 30 Zentimeter Klingenlänge bewaffnet die Angestellte einer Spielothek zum Öffnen der Kasse sowie ihrer eigenen Handtasche gezwungen zu haben, um Bargeld zu erbeuten. Nachdem sich sowohl in der Kasse als auch in der Geldbörsen nur einige Cent-Stücke befunden hatten, flüchtete der Mann ohne Beute.

„Ich schäme mich, ich war in einer schlimmen Lebenssituation. Ich wusste einfach nicht mehr, wie ich sonst an Geld kommen sollte“, entschuldigte sich der 21-Jährige bei der jungen Spielothek-Angestellten und verwies auf seine damalige Obdachlosigkeit sowie Drogenprobleme.

17-Jähriger wegen Beihilfe mitangeklagt

Ein in dieser Sache wegen Beihilfe mitangeklagter 17-jähriger, der gegen versprochene Bezahlung zuvor in der  Spielothek nachgeschaut haben soll, ob „die Luft rein“ ist, erschien erst 45 Minuten nach Verhandlungsbeginn. Da war das Verfahren gegen ihn schon auf Antrag der Staatsanwaltschaft abgetrennt worden, für ihn wird ein neuer Verhandlungstermin anberaumt.

Schädliche Neigungen

Die Jugendgerichtshilfe bejahte Reifeverzögerung sowie schädliche Neigungen beim angeklagten 21-Jährigen. Sie berichtete, dass der Angeklagte aus problembehafteten Verhältnissen schon früh in einer unstrukturierten Jugendszene von Drogenkonsumenten und Schulschwänzern sowie bei Alkohol und Marihuana Halt und Orientierung gesucht habe. Verschiedene Jugendhilfemaßnahmen in dem Bemühen um eine Perspektive für den 21-Jährigen seien erfolglos geblieben. Im Jugendvollzug aber zeige er sich jetzt sehr motiviert, einen Schulabschluss nachzuholen und eine berufliche Qualifikation für ein gelingendes Leben zu erlangen.


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