Passanten sprangen zur Seite Mit Auto durch Lingener Fußgängerzone gerast: Muss Mann in die Psychiatrie?

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Vor dem Landgericht Osnabrück findet derzeit ein Sicherungsverfahren gegen einen Mann aus Bielefeld statt, der Ende November 2016 Passanten in Lingen während des Weihnachtsmarktes gefährdet haben soll. Symbolfoto: Ludger JungeblutVor dem Landgericht Osnabrück findet derzeit ein Sicherungsverfahren gegen einen Mann aus Bielefeld statt, der Ende November 2016 Passanten in Lingen während des Weihnachtsmarktes gefährdet haben soll. Symbolfoto: Ludger Jungeblut

Osnabrück. Die unbefristete Unterbringung in die Psychiatrie erwartet möglicherweise einen 32-jährigen Mann aus Bielefeld, der Ende November 2016 mit einem kurz zuvor gestohlenen Fahrzeug mit erheblicher Geschwindigkeit die Fußgängerzone Richtung Weihnachtsmarkt in Lingen befahren hatte.

Einige Passanten hatten sich nur mit einem Sprung zur Seite vor Verletzungen schützen können. Der Mann leidet unter einer Psychose und ist vorbestraft. Es hatte damit begonnen, dass der Angeklagte an einem kalt-feuchten Abend Ende November nur mit einer kurzen Sporthose bekleidet und ohne Schuhe in der Großen Straße in Lingen aufgetaucht war.

Pizzabote leicht verletzt

In Höhe des Hauses mit der Nummer 13 hatte ein Pizza-Bote zu dieser Zeit seinen Wagen mit laufendem Motor und geöffneten Kofferraumdeckel abgestellt, um Essen auszuliefern. Mit einem Mal war der mit der kurzen Hose bekleidete Mann ins Auto eingestiegen und wollte losfahren. Das hatte der Pizza-Bote zu verhindern gesucht, indem er die Fahrertür geöffnet und sich auf den Türschweller gestellt hatte, woraufhin der Dieb aber Gas gegeben hatte. Nach wenigen Metern und steigender Geschwindigkeit war der Bote aber abgesprungen, wobei er sich leicht verletzt hatte.

Passanten sprangen zur Seite

Daraufhin beschleunigte der Autodieb das Fahrzeug und fuhr in Richtung Weihnachtsmarkt gefahren. Vor ihm laufende Passanten hatten sich nur mit einem Sprung zur Seite in Sicherheit bringen können. Der Dieb war weitergefahren und hatte das Auto dann ein Stück weiter abgestellt. Dann hatte er an einer Haustür geklingelt und die dortigen Bewohner nach einer langen Hose für sich gefragt. Kurze Zeit später war er von der Polizei festgenommen worden.

Sicherungsverfahren

Das Landgericht Osnabrück verhandelt jetzt in einem Sicherungsverfahren gegen ihn. Dieses ist eine eher seltene Art eines Verfahrens und wird angewandt, wenn ein normales Strafverfahren wegen Schuldunfähigkeit des Angeklagten nicht geführt werden kann.

Schon mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie

Der 32-jährige Bielefelder leidet vermutlich unter einer schweren Psychose. Der Mann hat bereits mehrere Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen hinter sich und bedarf permanenter Medikation. Zum Zeitpunkt des Vorfalls in Lingen, der sich während eines Besuchs in der Emsstadt ereignete, hatte er diese Medikamente eigenmächtig abgesetzt gehabt.

Schon mehrfach Kontakt mit der Justiz

Wie im Verfahren deutlich wurde, hat er bereits einige Male Kontakt mit der Justiz. So hatte er nach einem Streit mit einem Taxifahrer in Lübeck diesen angegriffen und sein Fahrzeug demoliert. Zum Vorfall in Lingen erklärte er, er habe das Auto „stehlen und anschließend verkaufen wollen“. Heute sei er wieder richtig mit Medikamenten eingestellt und könne sich über den Diebstahl „selbst nur wundern“.

Verfahren wird fortgesetzt

Das Verfahren vor dem Landgericht wird fortgesetzt, wobei noch weitere Zeugen gehört werden. Besonderes Augenmerk wird das Gericht auf den Bericht des Sachverständigen richten, der den Angeklagten untersucht hat. Nicht zuletzt davon wird abhängen, ob der 32-Jährige zwangsweise in einer Psychiatrieeinrichtung untergebracht werden wird.

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