Wäsche, Massagen, kurze Arbeitszeit Preis für Lingener Steuerkanzlei: Darum sind die Mitarbeiter glücklich

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Alexander und Sandra Reichenberger (vorne), Sebastian Behne und Ludgerus Hölscher (von links) von der Lingener Steuerkanzlei Reichenberger und Partner wurden für ihr Engagement bei der Gestaltung guter und attraktiver Arbeitsplätze ausgezeichnet. Foto: Julia MauschAlexander und Sandra Reichenberger (vorne), Sebastian Behne und Ludgerus Hölscher (von links) von der Lingener Steuerkanzlei Reichenberger und Partner wurden für ihr Engagement bei der Gestaltung guter und attraktiver Arbeitsplätze ausgezeichnet. Foto: Julia Mausch

Lingen. Ist das Personal glücklich, laufen die Geschäfte besser. Die Steuerkanzlei Reichenberger aus Lingen lässt sich einiges einfallen, um ihre Beschäftigten bei Laune zu halten – sei es mit Reinigungsservice, flexiblen Arbeitszeiten oder Massageeinheiten.

Als eines von 16 Unternehmen aus Niedersachsen und Bremen ist die Lingener Steuerkanzlei Reichenberger und Partner nun für ihr Engagement bei der Gestaltung guter und attraktiver Arbeitsplätze von der „Great Place to Work-Initiative“ ausgezeichnet worden.

„Cool, hier zu arbeiten“

12.000 Beschäftigte aus 52 Unternehmen hatten die Attraktivität ihres Arbeitgebers beurteilt – und das Urteil für die Steuerkanzlei aus Lingen fiel dabei gut aus. Sie landeten auf dem sechsten Platz in der Kategorie der Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten. Die insgesamt 30 Mitarbeiter der vor zehn Jahren gegründeten Kanzlei in Lingen fühlen sich pudelwohl – oder wie sie auf der Internetseite zitiert werden: Sie finden es „cool, hier zu arbeiten“. (Weiterlesen: Wie flexibel lässt es sich im Emsland arbeiten?)

Symbolfoto: dpa

Herabsetzung der Kernarbeitszeit

Dafür tun Alexander Reichenberger und seine Ehefrau und Geschäftspartnerin Sandra einiges. 2016 kam die Idee auf, ihren Angestellten jeden Monat ein kleines Geschenk zu machen. Nichts Materielles, sondern eine Art „Arbeitserleichterung“. Die radikalste Veränderung war die Herabsetzung der Kernarbeitszeit. Zwischen 9 und 12.30 Uhr müssen die Mitarbeiter im Büro sein. Danach sind die Mitarbeiter selbst in der Verantwortung, ihre Aufgaben zu erledigen, ob vom Büro oder einem anderen Ort aus, sprich Homeoffice. Zusätzlich gab es Gehaltserhöhungen, die sich nach Qualität, Engagement und Effektivität staffeln.

Kindergeburtstage und Krankheitsfälle

Die Variante, von Zuhause aus zu arbeiten, können die Angestellten zwei Mal die Woche ganztägig in Anspruch nehmen. Gerade Frauen und Männer mit Kindern profitierten davon, sagt Sandra Reichenberger. Seien es Geburtstage oder Krankheitsfälle – oft genug hätten ihre Angestellten sie damals darum gebeten, eher das Büro verlassen zu können, erinnert sich Sandra Reichenberger. Möglich war das damals zwar schon, heute ist es noch einfacher. Die Steuerberaterin: „Dann wird die Arbeit eben abends nachgeholt, wenn das Kind im Bett ist.“

Symbolfoto: dpa

Reinigungsservice für Wäsche

Die Wäsche neben der Arbeit machen? Kein Problem. Zusätzlich gibt es seit 2016 in der Steuerkanzlei einen Reinigungsdienst. Ein Mal die Woche kommt ein Reinigungsservice, holt Blusen und Anzüge ab und bringt sie gebügelt und gewaschen wieder zurück. Zeitersparnis gibt es laut Reichenberger auch beim Frühstück. Das muss nicht mehr zubereitet werden, in der Kanzlei gibt es kostenlos Müsli und Obst zum Frühstück. Insgesamt zwölf Maßnahmen wurden 2016 umgesetzt, die sich ausgezahlt haben. Bereits im vergangenen Jahr erhielt die Steuerkanzlei von der „Great Place to Work-Initiative“ eine Auszeichnung.

Fitnessraum und Ruheraum

Nun folgte die zweite Urkunde für neu umgesetzte Maßnahmen. Laut Sandra Reichenberger stand dieses Mal das Thema „Gesundheit“ im Fokus. Neue Bürostühle wurden angeschafft und im vergangenen Jahr im Keller des Bürogebäudes am Fiskediek wurde ein Fitnessraum eingerichtet. Ein Personalcoach kommt wöchentlich und dann „trainieren Chefs und Angestellte zusammen“, sagt Reichenberger. Das Pendant dazu ist gleich nebenan – ein Ruheraum. (Weiterlesen: Pendlerzug der Zukunft mit Schlafsesseln und Fitnessbereich)

Symbolfoto: dpa

Vertrauensperson zur Seite

Und falls der Schuh drückt, steht den Mitarbeitern als vierte Maßnahme eine Vertrauensperson zur Seite. Bei privaten und beruflichen Problemen. Doch von Problemen will Reichenberger eigentlich nicht sprechen: „Für mich sind Probleme keine Probleme, sondern Dinge, denen ich mich stellen will.“ Das Beratungsangebot selbst habe sie auch schon in Anspruch genommen, als man in einer Konferenz mit den Partnern nicht auf einen Nenner gekommen war.

Flache Hierarchie-Ebene

Mittlerweile gibt es flache Hierarchie-Ebenen, weil man zu der Erkenntnis gekommen sei, das eine „Team-Intelligenz“ deutlich effektiver ist. Laut Sandra Reichenberger ist es deswegen auch so wichtig, zu erfahren, was Mitarbeiter stört oder was sie sich wünschen. Ein Hilfsmittel ist dabei ein Wettbewerb wie von der „Great Place to Work-Initiative“ – dort bewerten schließlich Mitarbeiter anonymisiert ihr Unternehmen.


Auszeichnung „Great Place to Work“

Der Great Place to Work Wettbewerb „Beste Arbeitgeber in Niedersachsen-Bremen“ fand bereits zum fünften Mal statt. Ziel der 2013 ins Leben gerufenen Initiative ist es, die Arbeitgeber der Region bei der Entwicklung einer zukunftsorientierten Arbeitsplatzkultur zu fördern. Vorausgegangen waren Mitarbeiterbefragungen sowie eine Befragung des Managements zu förderlichen Maßnahmen der Personalarbeit. Es gab rund 60 Einzelfragen zu Vertrauen, Führungsqualität, Anerkennung und Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten, Gesundheitsförderung oder auch Work-Life-Balance.

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