Lesung mit Jan Weiler Viele Lingener Eltern erkennen ihre „Pubertiere“

Von Meike Blunk

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Lesung im Lingener Theater mit Jan Weiler über seine „Pubertiere“. Foto: Meike BlunkLesung im Lingener Theater mit Jan Weiler über seine „Pubertiere“. Foto: Meike Blunk

Lingen . Einladend wirkte der kleine, schwarz bedeckte Tisch auf der großen Bühne des Theaters an der Wilhelmshöhe, als die Besucher den Saal betraten, um wenig später den Erfolgsschriftsteller und Journalisten Jan Weiler zu erleben.

Dieser war gekommen, um aus seinem dritten Band der Pubertier-Saga „Und ewig schläft das Pubertier“ zu lesen. Normalerweise finden Lesungen in Bibliotheken oder Buchhandlungen statt. Doch Weilers Kolumnen und Romane scheinen sowohl etwas Magisches als auch auch Magnetisierendes an sich zu haben, sodass es für seine Lesungen großer Veranstaltungsräume bedarf. Der in Düsseldorf geborene und in Oberbayern lebende Autor erfuhr 2003 mit der Geschichte „Maria, ihm schmeckt`s nicht“ seinen Durchbruch. 2009 folgte der daraus resultierende Kinofilm und zwei Jahre später bekam er den „Ernst-Hoferichter-Preis“ ausgehändigt. Seit 2014 sorgen die amüsanten Anekdoten um das „Pubertier“ für vielseitige (auch verfilmte) Unterhaltung.

Mit Herz und Verstand

Weiler schreibt mit Herz und Verstand und seine Geschichten scheinen dem wahren Leben entsprungen zu sein. Eine sensible und ins Detail gehende Wahrnehmung liegt seinem Stil zugrunde, den er mit einer Prise Fantasie und künstlerischem Geschick zu würzen versteht. Humorvoll, kurzweilig und sehr unterhaltend fasst er in den Pubertier-Bänden in Worte, was die meisten Eltern mit ihren pubertierenden Kindern erleben. Weilers eigene und mittlerweile fast erwachsenen Kinder haben vielleicht ungewollt zu der einen oder anderen Anekdote dieser fiktiven Familie beigetragen, die aus der achtzehnjährigen Carla, dem fünfzehnjährigen Nick, der Mutter Sarah und dem erzählenden Vaters besteht.

Sinn- und Lebenskrise

Der Wiedererkennungswert der „Pubertiere“ und ihrer Eltern macht den Reiz dieser Geschichten aus. Weiler eröffnete den zweieinhalbstündigen Abend mit den Worten: „Ich bin seit Sonntag in einer Sinn-und Lebenskrise.“ Auch ohne diesen spannungsreichen Einstieg hätte er als versierter und ausdrucksstarker Vorleser und Ich-Erzähler mit seiner warmen und ausbalancierten Stimme das Publikum von Anfang an hinter sich gehabt. Doch so schuf er augenblicklich, ohne damit zu kokettieren, eine Sympathiefläche.

Nebenerwerbs-Wissenschaftler

Der Grund seiner Krise ist eine beiläufige Äußerung Nicks, der der Meinung ist, dass ein wahrer Schriftsteller so wie Günter Grass auszusehen habe. Weilers Schlussfolgerung blieb unausgesprochen, füllte aber spürbar den Saal. Daher nennt Weiler sich gern auch „Nebenerwerbs-Wissenschaftler von Pubertieren“. „Obwohl ich eigentlich doch Schriftsteller bin.“

Eine gewisse Stille

Weiler erläuterte, dass er das Schreiben möge und eine gewisse Stille dafür nötig sei. Daher habe ihm Sarah einen Raum im Keller zugewiesen. Hingegen er als Forscher die direkte Nähe der Pubertiere brauche, um die unterschiedlichen Phasen dieser mitzubekommen. Während Carla ihn in ihrer Genderphase darüber aufklärte dass es nicht Mann- sondern Frauschaft heiße, durchlebte Nick allmorgendlich die Phase, in der er merkwürdige Symptome hatte, die ihm einen Gang zur Schule als unmöglich erscheinen ließen

Konfliktpotenziale

Weiler stellt Alltäglichkeiten, die gewisse Konfliktpotenziale in sich bergen, in den Mittelpunkt und sorgt mit seiner humorvollen Betrachtung auf diese Weise für große Unterhaltung.

Dabei stieg er in den direkten Kontakt zum Publikum, das sich mit einem herzlichem Applaus bei ihm bedankte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN