Exzellente Inszenierung „Öffentliches Eigentum“ im Lingener Theater

Von Elisabeth Tondera

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Der prominente Moderator Geoffrey (Rainer Hunold) und sein Pressesprecher Larry (Ulrich Gebauer) im Stück „Öffentliches Eigentum“. Foto: Elisabeth TonderaDer prominente Moderator Geoffrey (Rainer Hunold) und sein Pressesprecher Larry (Ulrich Gebauer) im Stück „Öffentliches Eigentum“. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Es geht zur Sache in dem zeitkritischen Stück „Öffentliches Eigentum“ von Sam Peter Jackson, das als eine Produktion des Schlossparktheaters Berlin in Lingen zu Gast war.

Die wenigen Zuschauer im Theater erlebten eine hervorragend inszenierte und exzellent besetzte schmutzige Geschichte um Verletzung der Persönlichkeitsrechte, öffentliches Interesse an Prominenz, Sensationsgier der Medien, Homosexualität, zerstörtes Vertrauen, Neid und Missgunst.

Von Paparazzi verfolgt

Der berühmte und beliebte Nachrichtensprecher Geoffrey Hammond hat ein gewaltiges Problem. Eigentlich sind es viele Probleme: Sein neues Buch ist von sämtlichen Kritikern verrissen worden, seine Ehe besteht nur noch auf dem Papier und auch die Leidenschaft zu seinem Beruf ist längst verflogen. Doch all das verblasst angesichts der Gefahr totaler Zerstörung seines Lebens, die ihm von der sensationsgierigen Medienmeute droht: Geoffrey, der neben seiner Ehe ein Verhältnis zu einem Mann hat, ist beim Sex mit einem minderjährigen Jungen erwischt worden und wird von Paparazzi verfolgt. Seine einzige Hoffnung ist sein gewiefter Pressesprecher Larry de Vries, den Geoffrey allerdings bereits gefeuert hat. Nun ist er ihm völlig ausgeliefert, und Larry nutzt seine Chance. Der 16-jährige Jamie, der unbedingt berühmt werden möchte, egal wie, wird dabei von beiden älteren Männern für ihre Zwecke missbraucht.

Brisanter und aktueller Stoff

Der Stoff ist hochbrisant und hochaktuell. Spätestens seit dem tragischen Tod von Lady Di ist das Problem der fehlenden Privatheit prominenter Persönlichkeiten bewusst geworden. In Deutschland war es der Fall Edathy, der vor Augen geführt hat, wie schnell ein Mensch öffentlich vernichtet werden kann. Angesichts der #MeToo-Debatte kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Geld, Macht und Berühmtheit lassen Menschen glauben, sie seien unangreifbar und könnten sich über die Moralgesetze hinwegsetzen. Geoffrey ist im Grunde ein sympathischer Mensch, fassungslos der öffentlichen Treibjagd ausgesetzt. Doch er ist auch ein Täter. Zwar ist es Jamie, der ihn anspricht und quasi verführt, aber als verantwortungsvoller Erwachsener hätte Geoffrey der Versuchung widerstehen müssen.

Mit Satire und Sprachwitz

Jackson verarbeitet diese konfliktgeladenen Themen als bitterböse Satire mit Sprachwitz voller sarkastischer Pointen, Situationskomik und hintergründigem Ernst, den die zum Teil sehr derbe Sprache sogar noch hervorhebt. Michael Bogdanov inszeniert das Stück als gute Unterhaltung auf hohem Niveau. Geschickte Bühnenbildlösung von Stephan von Wedel ermöglicht umbaufreies Bespielen verschiedener Orte. Videoeinspielungen setzen besondere Akzente, u.a. erscheinen auf dem großen Bildschirm zwei Medienexperten (Dieter Hallervorden und Hape Kerkeling, der wegen seiner Homosexualität auch üble Erfahrungen mit den Medien gemacht hat), die den Fall Geoffrey Hammon diskutieren.

Hochkarätige Schauspieler

Hinzukommt eine glückliche Hand bei der Besetzung der Rollen. Drei hochkarätige Schauspieler treffen aufeinander und gestalten ihre Charaktere glaubhaft und pointiert. Rainer Hunold ist als der von der Medienmeute verfolgte Moderator ein erfolgsverwöhnter, eitler, aber auch verletzlicher Mensch, während Ulrich Gebauer einen schmierigen, skrupellosen Pressesprecher gibt. Fulminant auch der 27-jährige Florian Appelius, dem man den 16-jährigen Stricher sofort abnimmt. Kräftiger, lang anhaltender Applaus.


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