Beide Täter drogenabhängig Puppenstube aus Lingener Boni geklaut: Ein Dieb muss in Jugendknast

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Ein Diebstahl zuviel: Mit einem Mittäter stahl ein 19-Jähriger eine Puppenstube aus dem Bonifatius-Hospital in Lingen, nun muss er ins Jugendgefängnis. Foto: Ludger JungeblutEin Diebstahl zuviel: Mit einem Mittäter stahl ein 19-Jähriger eine Puppenstube aus dem Bonifatius-Hospital in Lingen, nun muss er ins Jugendgefängnis. Foto: Ludger Jungeblut

Lingen. Eine aus dem Bonifatius-Hospital in Lingen gestohlene Puppenstube hat im Fokus eines Verfahrens vor dem Jugendschöffengericht in Lingen gegen zwei 18 und 19 Jahre alte Angeklagte gestanden.

Während beide wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in zwei Fällen verurteilt wurden, wurde der Jüngere zudem wegen versuchter Nötigung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen. Der 18-Jährige erhielt eine Jugendstrafe auf Bewährung.

Sein ein Jahr älterer Kompagnon hingegen muss ins Jugendgefängnis, wo er an der Lösung seines Drogenproblems sowie einer Ausbildung arbeiten kann. Das Jugendschöffengericht sprach gegen den 19-jährigen  unter Einbeziehung zweier Vorstrafen eine Jugendstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung aus. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Den einschlägig vorbestraften und hartdrogenabhängigen jungen Männern wurde zur Last gelegt, 2016 eine handgefertigte Puppenstube, die einen historischen Kaufmannsladen in ihren hölzernen Wänden birgt, nebst Einrichtung und Figuren von einer im Lingener Bonifatius-Hospital aufgestellten Vitrine entwendet zu haben. In der Anklageschrift war der Wert der Puppenstube auf rund 700 Euro beziffert worden. In seiner Aussage relativierte der technische Leiter des Bonifatius-Hospitals diese Summe jetzt aber auf maximal 150 Euro.

Während der 18-jährige Angeklagte seine Schuld sofort einräumte, dementierte der 19-Jährige seine Mittäterschaft in diesem Fall. Er war aber derjenige, der die Puppenstube später im Online-Auktionshaus Ebay zum Kauf anbot. Die Festnahme beider jungen Männer war bei der am Bahnhof verabredeten Übergabe des Puppenhauses an die nur vermeintlich Kaufinteressenten von Polizei und Staatsanwaltschaft erfolgt.

Noch in der Verhandlung räumte der Ältere ein, 2017 mit dem auch in dieser Sache  geständigen 18-Jährigen zwei DVDs, einen USB-Stick und Süßigkeiten aus einem Lingener Verbrauchermarkt entwendet zu haben. Der 18-Jährige gab zudem zu, sich einem Ladendetektiv widersetzt und ihm eine Schürfwunde am Handgelenk zugefügt zu haben bei dem Versuch zu flüchten, was ein Kunde verhinderte.

Beide Angeklagte haben bisher keinen Schulabschluss und sind wegen ihrer Heroin-Abhängigkeit in einem Methadon-Programm. Dem 19-Jährigen, dessen aus Russland stammenden Eltern ihn vor Kurzem allein in Deutschland zurückgelassen haben, fehle nach Aussage seines Bewährungshelfers jedes Ziel in seinem Leben.

Über den 18-Jährigen konnte die Jugendgerichtshilfe hingegen berichten, dass er voraussichtlich im April einen qualifizierten Hauptschulabschluss erwerben werde und sich im direkten Anschluss daran in einen stationären Drogenentzug begeben wolle. Beides ist Teil der Bewährungsauflagen, die zudem die Ableistung von 80 Stunden gemeinnütziger Dienste vorsieht.


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