zuletzt aktualisiert vor

Angeklagter schlägt Vollzugsbeamten Paar soll in Lingen Geld mit Aids-Spritze erpresst haben

Von Konstantin Stumpe

Wegen schwerer räuberischer Erpressung mussten sich nun ein 25-Jähriger und seine 30-jährige Lebenspartnerin aus Lingen vor derm Landgericht Osnabrück verantworten. Sie sollen unter anderem Geld und Wertgegenstände mit vorhalten einer Spritze erpresst haben. Foto: Colourbox.comWegen schwerer räuberischer Erpressung mussten sich nun ein 25-Jähriger und seine 30-jährige Lebenspartnerin aus Lingen vor derm Landgericht Osnabrück verantworten. Sie sollen unter anderem Geld und Wertgegenstände mit vorhalten einer Spritze erpresst haben. Foto: Colourbox.com

Lingen/Osnabrück. Eine Frau hält einen Radfahrer an und fragt ihn nach der Uhrzeit. Da schnellt ein Mann hervor, presst dem Radler eine Spritze an den Arm und verlangt nach Geld und Wertgegenständen. Er sagt, die Spritze beinhalte Aids-Erreger, wenn er nicht alles hergebe, werde er infiziert. Dieser Fall soll sich im Sommer 2017 in Lingen ereignet haben.

Wegen schwerer räuberischer Erpressung mussten sich nun ein 25-Jähriger, derzeit inhaftiert in der JVA Meppen, und seine 30-jährige Lebenspartnerin, derzeit inhaftiert in der JVA Vechta, vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Sie sollen unter anderem Geld und Wertgegenstände erpresst haben, indem sie drohten mit einer Aids infizierten Spritze zuzustechen.

Erpressung mit Aids-Spritze

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, zwischen dem 29. Juli und 29. August 2017 in Lingen mehrere Straftaten verübt zu haben. In einem Fall am 29. Juli sowie in drei weiteren Fällen am 29. August sollen die beiden Fußgänger beziehungsweise Radfahrer angehalten und von ihnen Geld und Wertgegenstände erpresst haben. Beide sollen dabei Spritzen mit einer roten Flüssigkeit in der Hand gehalten haben. Der Angeklagte habe zudem gesagt: „Da ist Aids drin. Wenn du dich nicht infizieren willst, gib uns alles was du hast!“ Teils waren die Versuche erfolgreich, teils blieb es bei der versuchten Erpressung. Die beiden erbeuteten nur einen geringen Geldbetrag. 

Eine Untersuchung der Spritzen hatte ergeben, dass es sich bei der Flüssigkeit zwar um das Blut des Angeklagten handelte, er jedoch nicht an Aids erkrankt ist. 

Hehlerei

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft den beiden vor, aus einer Tankstelle in Lingen Alkoholika, sowie mindestens ein Fahrrad und eine Handtasche samt Handy geklaut zu haben. Letzters sollen sie weiterverkauft haben. 

Unter Einfluss von Betäubungsmitteln

Stellvertretend für die Angeklagten bezog die Verteidigung Stellung zu den Vorwürfen. Demnach hätten beide zu den Tatzeiten jeweils unter dem Einfluss von Methadon und Alkohol gestanden. Ersteres bekämen sie durch eine ärztliche Verordnung als Ersatzmittel für Heroin. Daher könnten sich beide nur noch gedämpft an die Taten erinnern, räumten diese jedoch im Großen und Ganzen so wie vorgetragen ein. Die Verteidigung hob tatmildernd hervor, dass die Angeklagten bewusst keine weiteren körperlichen Angriffe unternommen hätten, als die Opfer erklärten, dass sie kein Geld dabei hatten beziehungsweise ihre Wertgegenstände nicht aushändigen wollten. Die Zeugenaussagen deckten sich weitestgehend mit dem Vortrag der  Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Fluchtgefahr

Festgenommen wurden die beiden schließlich laut Aussage eines Polizeibeamten am 29. August. Als ein Beamter gerade eine der Straftaten vor Ort aufnahm, sei die Meldung einer weiteren Tat eingegangen. Auf dem Weg zu dem Tatort seien ihm und seinem Kollegen die mutmaßlichen Täter über den Weg gelaufen. Da die Frau der Polizei bereits bekannt gewesen sei, nahmen die Beamten die mutmaßlichen Täter fest. Laut Staatsanwaltschaft bestand Fluchtgefahr, woraufhin die beiden in getrennte Haft genommen wurden.

Angeklagter rastet aus

Die lange Zeit der räumlichen Trennung war den Angeklagten anzusehen. Während der Verhandlungen flüsterten sie miteinander und hielten einander die Hand. Weil seitens der Anklage die Befürchtung einer Täterabsprache bestand, setzte das Gericht die beiden auseinander. Trotz mehrfacher Verwarnungen der Justizvollzugsbeamten ließen die beiden nicht voneinander ab. Daraufhin zog einer der Beamten den Stuhl des Angeklagten ein Stück zur Seite. Daraufhin schlug dieser dem Beamten seinen Ellbogen in den Unterleib und traktierte ihn mit wüsten Beschimpfungen.

Die Beamten sahen sich gezwungen, den Angeklagten auf dem Boden zu fixieren und ihm Handfesseln anzulegen. Mit einem medizinischen Gutachten und einer weiteren Zeugenaussage wurde die Verhandlung am Dienstag fortgesetzt. Ein weiterrer Verhandlungstag ist für den 6. März angesetzt.