„Ein Bach-Portrait in 14 Stücken“ Großartiges Orgelwerk in der Lingener Kreuzkirche

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An der Flentrop-Orgel der Kreuzkirche zeichnete Peter Müller sehr eindrucksvoll „Ein Bach-Portrait in 14 Stücken“ Foto: Peter LöningAn der Flentrop-Orgel der Kreuzkirche zeichnete Peter Müller sehr eindrucksvoll „Ein Bach-Portrait in 14 Stücken“ Foto: Peter Löning

Lingen. Der Lingener Kirchenkreiskantor Peter Müller hat sich in seinem jüngsten „Kreuz-Kirchen-Konzert“ eines Zahlenspiels Bachs angenommen und einer Konzeption des Orgelprofessors Christoph Bossert folgend „Ein Bach-Porträt in 14 Stücken“ auf die so klangschöne Flentrop-Orgel der Lingener Kreuzkirche gezeichnet.

„Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“ In dem 22. Vers von Psalm 118 liegt wohl der Grundstein zu umfassenden Studien des Würzburger KMD Bossert zu Zahlenbedeutungen, zu Symmetrien und Korrelationen im kompositorische Schaffen Johann Sebastian Bachs. Bossert fand in der Fuge a-Moll (BWV 865) aus dem Wohltemperierten Klavier eine hier vordergründig verbotene Intervallfolge nämlich beim 22. Themeneinsatz in der 118. Takthälfte. Hierauf fußend entschlüsselte er Zahlenmodelle und Rechenexempel, die Bachs Werken ungeahnte Zusammenhänge und einen unendlich erscheinenden Kosmos an Symmetrien zuschreiben. Bossert findet hier Verbindungen zu Jahreszahlen wie zu Bibelzitaten, eine durchaus spannende Sichtweise, die ohne ausgiebiges Studium wohl nur schwer nachzuvollziehen sein bleibt.

Bosserts „Entdeckungen“

Einleitende Worten Müllers konnten die gedankliche Grundlage der Programmgestaltung nur im Ansatz beleuchten. Auch sein umfangreiches Beiheft zum Programmzettel lässt hier nur an der Oberfläche kratzen. Sollte Bossert mit seinen „Entdeckungen“ auch richtig liegen, so sind seine Berechnungen wiederum sicherlich nur ein Kratzen an der Oberfläche dessen, was in Bachs großartiger Musik verborgen liegt. Lange ist Bachs einmalige Beziehung zu Zahlen und deren Verschlüsselung in seiner Musik bekannt. Sehr viel weiter geht dies, als vielleicht zur gelegentlich zu findenden Tonfolge „b-a-c-h“ in seinen Werken.

Scheinbar bunte Mischung

Wer aber versuchte, dem rund 70 minütigen Programm Peter Müllers mathematisch analytisch zu folgen, wird es schwer gehabt haben. So tendiert der Rezensent eher dahin, diesen großartig erklungenen Orgelwerken mit Lust und Genuss zu folgen, wissend, dass die Mystik und die Gottesverehrung und die seelenheilende Wirkung dieser Musik am Ende doch menschengemachte, sehr große Kunst ist. Auch der Versuch der Entschlüsselung kann Bachs Musik nicht entzaubern.

Im Gegenteil erklang an diesem Abend eine scheinbar bunte Mischung aus verschiedenen Chorälen und Auszügen aus „Das Wohltemperierte Klavier“ (Teil 1) erstaunlich rund und in sich schlüssig. Mitten darinnen die so herrliche, wie berühmte Passacaglia c-Moll. Wie ein fester Zyklus hörte man diesen von Peter Müller hervorragend gespielten Orgelabend.

Die Antwort auf die enge Verbindung der doch so weit in Bachs Werk verstreuten Kompositionen findet sich vielleicht im 23. Vers aus Psalm 118: „Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen.“


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