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26.02.2018, 18:00 Uhr

Auf Kosten der Pflegequalität?

Kommentar von Thomas Pertz

Das Alloheim in Lingen. Foto: Wilfried RoggendorfDas Alloheim in Lingen. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Im Alloheim in Lingen läuft nicht alles so problemlos, wie es das Unternehmen glauben machen will, meint der Kommentator.

Die Alloheim-Gruppe ist schon häufiger wegen der Zustände in ihren Pflegeeinrichtungen in die Kritik geraten. Die Vorwürfe ähneln sich: Die Steigerung des Profits, heißt es, geht auf Kosten der Pflegequalität. Nun auch in Lingen?

Das Unternehmen selbst betont, dass alles in seinem Haus im Emsauenpark in bester pflegerischer Ordnung sei. Angehörige von alten Menschen berichten vom kompletten Gegenteil.

Dass die Heimaufsicht der Stadt Lingen im Alloheim kurzfristig eine Sprechstunde eingerichtet hat, weist darauf hin, dass in der Pflegeeinrichtung offenbar längst nicht alles so problemlos läuft, wie es das Unternehmen glauben machen will. Eine solche Sprechstunde ist nämlich nicht die Regel in Pflegeeinrichtungen.

Die Note „sehr gut“ des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen von Dezember 2017 für das Alloheim im Emsauenpark sollte man als Qualitätsmaßstab nicht überbewerten. Die meisten Noten des MDK über Pflegeheime liegen bundesweit zwischen „sehr gut“ und „gut“. Wenn dem tatsächlich so wäre, dann würde es gar keine „Pflege-Krise“ in Deutschland geben. Der „Pflege-TÜV“ steht deshalb wegen seiner fehlenden Aussagekraft schon seit Längerem in der Kritik.

Der Wahrheitsfindung für das Alloheim in Lingen kann es deshalb nur förderlich sein, wenn die Heimaufsicht der Stadt gut informiert wird. Von weiteren Angehörigen zum Beispiel, die über ihre Beobachtungen berichten.

Und die Fachkräfte? Sie haben diesen anspruchsvollen, hilfsbedürftigen Menschen zugewandten Beruf mit ganz anderen Erwartungen ergriffen, als es die Pflegerealität häufig widerspiegelt. Es bleibt zu hoffen, dass sie in diesem Zwiespalt nicht resignieren.


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