Großer Polizeieinsatz Auch Holocaust-Leugnerin vor Ort: Konzert der rechten Szene in Lingen

Von Wilfried Roggendorf

Die Polizei hatte in Lingen einen größeren Einsatz wegen einer Musikveranstaltung der rechten Szene. Symbolfoto: Michael GründelDie Polizei hatte in Lingen einen größeren Einsatz wegen einer Musikveranstaltung der rechten Szene. Symbolfoto: Michael Gründel

wrog/pm Lingen. Zu einem größeren Polizeieinsatz in Verbindung mit einer Musikveranstaltung der rechten Szene ist es am Samstag , 24. Februar 2018, in Lingen gekommen.

Wie die Polizei mitteilt, habe der Veranstalter unter einem Vorwand einen Fetenraum in einer ehemaligen Gaststätte an der Haselünner Straße angemietet. Unter dem Motto eines „Lieder- und Vortragsabends“ wurden dort etwa 200 Teilnehmer und zwei in der Szene bekannte Rechtsrockbands erwartet. „Wenn der Eigentümer gewusst hätte, um was für eine Veranstaltung es sich wirklich handelt, hätte er das nicht zugesagt“, erklärte ein Polizeisprecher auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Polizei wurde am Samstagmittag auf die Vorbereitungen für die Veranstaltung aufmerksam. „Diese muss nicht angemeldet werden. Das ist im Prinzip nichts anderes als eine sonstige Privatveranstaltung“, sagte der Polizeisprecher.

Spürbarer Abschreckungseffekt

Mit zahlreichen Einsatzkräften kontrollierte sie die An- und Abfahrtswege und sorgte durch die starke Präsenz für einen laut der Mitteilung deutlich spürbaren Abschreckungseffekt. Letztendlich sei lediglich etwa die Hälfte der 200 erwarteten Gäste angereist. Nach Feststellung der Personalien sämtlicher Teilnehmer begann die Veranstaltung gegen 16 Uhr und dauerte bis in die späten Abendstunden. Störungen wurden nicht verzeichnet.

Mediennetzwerk: Naziparolen waren zu hören

Dies sieht ein Sprecher des Mediennetzwerkes „Recherche-Nord“ anders. „Recherche-Nord“ ist nach eigenen Angaben ein Medienprojekt von Journalisten, das die Neonaziszene beobachtet und am Samstag in Lingen vor Ort gewesen sei. „Die Polizei ist gegen 17 Uhr abgezogen. Danach sind noch rund weitere 60 bis 70 Besucher zu der Veranstaltung gekommen, deren Namen nicht erfasst wurden“, erklärte der Sprecher des Medienprojektes. Musik und Naziparolen seien außerhalb der ehemaligen Gaststätte deutlich zu hören gewesen. Zudem sei ein Lingener Neonazi als Veranstaltungsleiter aufgetreten. Die Polizei kommentierte auf Nachfrage diese Angaben nicht.

Haverbeck musste wieder abziehen

Angereist zu dem Konzert war auch Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Die 89-Jährige war vom Landgericht Verden im August 2017 wegen Volksverhetzung zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Erst vor zwei Wochen war Haverbeck mit einem Revisionsantrag dagegen vor dem Oberlandesgericht Celle gescheitert. In Lingen auftreten konnte sie jedoch nicht. Laut „Recherche-Nord“ hätten Polizeibeamte Haverbeck mitgeteilt, dass die Polizei Herford ihr persönliches Erscheinen dort am Samstag um 18 und 21 Uhr angeordnet hätte. Daraufhin sei Haverbeck wieder abgereist. Die Polizei bestätigte auf Nachfrage, dass Haverbeck angereist sei, aber nicht an der Veranstaltung teilgenommen habe.

Im Emsland seltene Veranstaltung

Im Emsland seien Konzerte der rechten Szene äußerst selten, erklärte der Polizeisprecher auf Nachfrage, ohne eine Zahl zu nennen. „ Wenn überhaupt, finden die auf dem Dorf statt, wo kaum jemand davon etwas mitbekommt“, sagte er. Eine solche Veranstaltung in Lingen sei außergewöhnlich.