„Pariser Flair“ im Lingener Theater Exkurs durch das Leben von Edith Piaf mit Schwächen

Von Elisabeth Tondera

Jenny Schäuffelen (links) und Marie Giroux gestaltetenim Theater das Programm „Madame Piaf – Enttarnung einer Diva“. Foto: Elisabeth TonderaJenny Schäuffelen (links) und Marie Giroux gestaltetenim Theater das Programm „Madame Piaf – Enttarnung einer Diva“. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Die Karriere der Königin des Chansons begann auf der Straße. Edith Gassion, die als Edith Piaf Weltruhm erlangte, ist zur Legende geworden. Die Sängerin Marie Giroux und die Pianistin Jenny Schäuffelen werfen in ihrem Programm „Madame Piaf – Enttarnung einer Diva“ einen ungewohnten Blick auf die Künstlerin, der der märchenhafte Aufstieg kein persönliches Glück gebracht hat.

Eigentlich gestaltet das Ensemble „Pariser Flair“ dieses Programm als Trio. Doch ihr Auftritt im knapp halb besetzten Lingener Theater war mit einigen Hindernissen verbunden. Die Cellistin spielte in Berlin, ihre Vertretung lag mit hohem Fieber im Bett. Jenny Schäuffelen entschuldigte beim Publikum das Fehlen der dritten Musikerin und erzählte, dass auf dem Weg ins Theater ihr Akkordeon aus dem Taxi gefallen war. Das Team des Theaters konnte ihr aber ein neues Instrument verschaffen, sodass die Künstlerinnen ihr Programm spielen konnten.

Anekdotenausdem Leben

„Mein ganzes Leben gleicht einem beinahe unglaublichen Roman“, schrieb Edith Piaf in ihren Memoiren. Männer spielten darin eine besondere Rolle, und darauf stützt sich das Programm von Giroux und Schäuffelen. Mit 14 Männern hat der „Spatz von Paris“ länger zusammengelebt, mit Dutzenden soll sie kurze Affären gehabt haben, oft waren es nur One-Night-Stands. Marie Giroux klärt das Publikum auf, dass dieser Begriff eigentlich aus dem Theater stammt. Damit ist eine einmalige Aufführung gemeint. „Somit habe ich mit Ihnen einen One-Night-Stand“, scherzt die Sängerin.

Nette Anekdoten

In diesem Stil gestalten Giraux und Schäuffelen, die übergangslos zwischen dem Flügel und Akkordeon wechselt, ihr Programm. Charmant, locker und humorvoll erzählen sie von den vielen Beziehungen Edith Piafs. Sie teilen ihre Männer in acht Kategorien ein, beispielsweise solche, die sie gefördert haben und solche, die Piaf gefördert hat, die jungen Liebhaber, aber auch Männer, die sie nicht bekommen hat. Es sind nette Anekdoten, die das Tragische im Leben des Stars nicht berühren.

Die Seele singt nicht

Die Französin Marie Giroux singt mit ihrer ausgebildeten Opernstimme einige der wunderbaren Chansons von Edith Piaf („Padam Padam“, „La vie en rose“, „Non je ne regrette rien“ oder „Milord“). Doch die Stimmbildung steht ihr in diesem Fall im Wege. Giroux singt schön, doch sie wirkt dabei unbeteiligt und schafft es nicht, mit ihrer Stimme zu berühren. „Meine Chansons, das bin ich, das ist mein Fleisch, mein Blut, mein Kopf, mein Herz, meine Seele“, schrieb Piaf. Ihr Freund, der Dichter Jean Cocteau, drückte es noch deutlicher aus: „Jedes Mal, wenn sie singt, meint man, sie risse sich endgültig die Seele aus dem Leib.“

Bei Marie Giroux singt die Seele nicht.