„Der Geizige“ von Molière Beeindruckende Premiere im Lingener Marionettentheater

Von Elisabeth Tondera

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Prachtvolles Bühnenbild mit liebevollen Details und ausdrucksstarke Figuren: Szene aus der neuen Produktion des Lingener Marionettentheaters „Der Geizige“. Foto: Elisabeth TonderaPrachtvolles Bühnenbild mit liebevollen Details und ausdrucksstarke Figuren: Szene aus der neuen Produktion des Lingener Marionettentheaters „Der Geizige“. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Michael Sänger hat die Fans seines Marionettentheaters bereits mit vier klassischen Puppenspielen, drei Opern und Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ erfreut. Nun hat er eine der klassischen Komödien schlechthin, „Der Geizige“ von Molière, auf die Miniaturbühne des Lingener Marionettentheaters gebracht.

Geld ist für den geizigen Witwer Harpagon das einzige, was zählt auf der Welt. Alle seine Gedanken drehen sich ums Geld, krankhaft misstrauisch wacht er über seinen Reichtum. Jeden in seiner Umgebung verdächtigt er, ein Dieb zu sein, sogar seine Kinder. Er spart, wo er nur kann: Er lässt den Wein mit Wasser verdünnen, der Koch soll als Festessen sättigende Gerichte auf den Tisch bringen, die möglichst wenig kosten (Bohneneintopf), die Pferde bekommen kein Futter. Sein krankhafter Geiz ist für alle in seiner Umgebung nicht nur unangenehm, sondern gefährlich.

Kampf um Mammon und Eros

Dem Geld opfert er sogar das Glück seiner Kinder, die er profitabel verheiraten will. Seine Tochter Élise, die in den jungen Valère verliebt ist, soll den vermögenden Anselme heiraten, seinem Sohn Cléanthe wird eine ältere Witwe zugedacht. Dabei hat Cléanthe schon ein Auge auf die schöne, aber besitzlose Mariane geworfen. Der Konflikt wird dadurch verschärft, dass Harpagon zum Rivalen seines Sohnes wird. Ein Kampf um Mammon und Eros beginnt.

Prächtige Kulissen

Molière, der Erfinder der Charakterkomödie hat unverwechselbare Figuren-Typen geschaffen, Paraderollen für Schauspieler. Kann ein Theaterstück, das von der Kunst des Schauspiels lebt, mit winzigen Marionetten funktionieren, die ohne Mimik auskommen und deren Bewegungen eingeschränkt sind? Es kann, und wie. Sänger erbringt den Beweis, indem er die Komödie bestechend charmant und entlarvend komisch vor prächtigen Kulissen inszeniert. Es ist alles da, was Molières bissige Satire auf die menschliche Raffgier ausmacht: die wirkungsvolle Figurenkonstellation, die turbulent-komische Konfliktsituation, die charakterlichen Absonderlichkeiten der Figuren, farcenhafte Elemente.

Perspektivische Weite

Wie bei allen Produktionen Michael Sängers sind die Zuschauer von den prachtvollen Bühnenbildern (Michael Sänger, Christian Forsting und Jan Yzer) fasziniert. Ihr Blick verliert sich in der perspektivischen Weite des prachtvollen Gartens und den Räumen mit unzähligen liebevollen Details: Eine Madonnenfigur an der Wand, eine Spindel, ein Bett mit aufgetürmten Kissen in einer Schlafkammer. Auch die Marionetten von Dagmar Hagel sind wie immer eine Augenweide.

Doch bei all den optischen Reizen gerät der Inhalt nicht in den Hintergrund. Sänger hat den Text stark gekürzt und ausdrucksstarke Sprecher eingesetzt, die das Typische der Charaktere und die bitterböse Komik des Stückes zum Ausdruck bringen - beispielhaft sei Volker Heinrichs zu nennen, der mit seiner Stimme die Figur Harpagon so lebendig erscheinen lässt, dass man ihre Mimik zu sehen glaubt.

Farbenfrohes Spiel

Die Inszenierung fordert von Laurenz Bäthke, Ulrike Bredenbröker, Brigitte Koring und Frauke Kröger ein hohes Maß an Präzision bei der Führung der Puppen. Vervollständigt wird das lebendige, farbenfrohe Spiel durch beeindruckende Tontechnik und Beleuchtung (Moritz Bäcker und Christian Forsting). Für das Publikum ist auch die neunte Produktion von Michael Sänger ein Hochgenuss.


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