Akademieabend Bernhard Vogel in Lingen: Wollte immer nah an den Menschen sein

Von Johannes Franke

Begegnung im LWH: (von links) Christopher Beckmann, René Kollai, Stefan Gehrold, Bernhard Vogel, Hermann Kues und Michael Reitemeyer. Foto: Johannes FrankeBegegnung im LWH: (von links) Christopher Beckmann, René Kollai, Stefan Gehrold, Bernhard Vogel, Hermann Kues und Michael Reitemeyer. Foto: Johannes Franke

Lingen. Der CDU-Politiker Bernhard Vogel wollte immer nahe bei den Menschen sein. Das hat der 85-Jährige in einer Veranstaltung im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen unterstrichen.

Im Rahmen eines Akademieabends stellte Christopher Beckmann ein Buch über Vogel vor. Der Titel lautet: „Klares Ziel und langer Atem. Bernhard Vogel – Brückenbauer zwischen Ost und West.“

Bernhard Vogel sei eine absolute Ausnahmeerscheinung, bemerkte René Kollai, stellvertretender Leiter des LWH.

Brückenbauer zwischen Ost und West

Es war ihm eine besondere Freude, den früheren Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen zu begrüßen. Mit dabei war auch Stefan Gehrold von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS.) Aspekte des politischen Wirkens des CDU-Politikers stellte der Buchautor Beckmann vor. Das Vorwort beschreibt Vogel als den Brückenbauer zwischen Ost und West, denn der vertrat stets die Meinung: „Die Spaltung Deutschlands ist unnatürlich.“ Vogel habe immer an die Wiedervereinigung geglaubt. 28 Jahre danach kenne mittlerweile eine ganze Generation die Alltagsrealität zweier deutscher Staaten nur noch aus Medien und Geschichtsbüchern.

Es bedurfte visionärer Menschen

„Die Jahrzehnte der Trennung waren jedoch nicht folgenlos geblieben, und so bedurfte es immer wieder visionärer Menschen, die das Zusammenwachsen vor und auch nach 1989 ermöglichen und fördern wollten“, heißt es im Flyer der gemeinsamen KAS und LWH-Veranstaltung. Nicht allen bekannt ist Vogel als langjähriges Mitglied und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Auch als Außenpolitiker aktiv

Und auch der Außenpolitiker Vogel spielte eine beachtliche Rolle. Auf die unterschiedlichen Stationen dieses politischen Lebensweges, die deutschland- und ostpolitischen Umbrüche seit den 1960er Jahren sowie auf die Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten vor und nach der Wiedervereinigung, wies Christopher Beckmann, Zeithistoriker im Dienste der KAS, hin. Vogel habe sich beharrlich für den Ausbau kultureller, zwischenmenschlicher und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Deutschen in Ost und West eingesetzt. Nach 1990 habe er als Ministerpräsident von Thüringen unmittelbar daran mitgewirkt, „die Folgen der deutschen Teilung zu lindern, Brücken wieder neu aufzubauen und neue Perspektiven in einem vereinten Deutschland zu schaffen“, ist zu lesen.

„Freiheit und Einheit gehörten für Vogel untrennbar zusammen“

Freiheit und Einheit gehörten für ihn immer untrennbar zusammen. Aus dem faktenreichen Buch ging Beckmann näher auf das Kapitel „Neue Wege vatikanischer Außenpolitik“ ein und verwies vor allem auf den Konflikt mit dem Vatikan in der Frage, wie die Kirche mit dem geteilten Deutschland umgehen solle. Die anschließende Podiumsdiskussion war eine besondere Stunde deutscher und europäischer zeitgeschichtlicher sowie gegenwärtiger Betrachtung aufgrund zielgerichteter Fragen der Moderatoren und des Publikums. Hermann Kues dankte vor allem Bernhard Vogel und fasste zusammen: „Wir haben heute Abend eine Persönlichkeit kennengelernt, die Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten ganz entscheidend mitgeprägt hat.“

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