Überprüfung nach Brand in London Wie sicher ist es im „Fast“-Hochhaus am Lingener Herrenkamp?

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Seit dem Grenfell-Tower-Brand in London im Jahr 2017, bei dem mehr als 70 Menschen ums Leben kamen, wird über den Brandschutz von Hochhäusern diskutiert. Zwar ist das Wohngebäude am Herrenkamp kein Hochhaus, dennoch muss auch hier etwas getan werden. Foto: Julia MauschSeit dem Grenfell-Tower-Brand in London im Jahr 2017, bei dem mehr als 70 Menschen ums Leben kamen, wird über den Brandschutz von Hochhäusern diskutiert. Zwar ist das Wohngebäude am Herrenkamp kein Hochhaus, dennoch muss auch hier etwas getan werden. Foto: Julia Mausch

Lingen. Seit dem Grenfell-Tower-Brand in London im Jahr 2017, bei dem mehr als 70 Menschen ums Leben kamen, wird über den Brandschutz von Hochhäusern diskutiert. Zwar ist das Wohngebäude am Herrenkamp kein Hochhaus, dennoch muss auch hier etwas getan werden.

Gebäude, deren Fußbodenoberkante im höchsten Raum 22 Meter übersteigt, fallen laut Niedersächsischer Bauordnung unter den Begriff Hochhaus. Zwar ist das Wohngebäude am Herrenkamp nur etwa 20 Meter hoch, dennoch ist es das zweithöchste Wohngebäude in Lingen.

Stadt: Keine Gefahr für Bewohner

Insgesamt 48 Wohnungen sind in dem 1966 gebauten Objekt auf acht Etagen verteilt. Zahlreiche Sanierungsarbeiten fanden in den vergangenen Jahren statt, doch wie sich im Sommer 2017 zeigte, waren sie in Sachen Brandschutz nicht ausreichend. Im August wurde das Emslandhochhaus am Langschmidtsweg in Lingen, genauestens unter die Lupe genommen. Beim insgesamt 36,5 Meter hohen Emslandhochhaus wurde festgestellt, dass brennbares Dämmmaterial verbaut worden ist. Eine Gefahr für die Bewohner besteht laut Stadtverwaltung aufgrund der Massiv-Bauweise aber nicht. (Weiterlesen: Brennbare Dämmung in Emslandhochhaus in Lingen verbaut)

Entflammbares Material?

Auch am Herrenkamp wurde im Rahmen der Sanierung der Laubengänge womöglich brennbares Dämmaterial verwendet. Verbaut 1998, als die Familie Veer, der das Gebäude gehört, einen Architekten beauftragt hatte, dort Sanierungsarbeiten vorzunehmen.

Laufende Überwachung

Nun muss der Brandschutz modifiziert werden, sagt Dieter Frerich, Leiter Fachdienst Bauordnung und Denkmalpflege. Frerich und sein Team überprüfen regelmäßig bauliche Anlagen wie Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime, Schulen, Jugendtreffs, Campingplätze und eben Hochhäuser oder andere Sonderbauten. Gesetzlich sei eine laufende Überwachung bei all dieser Gebäude nicht vorgeschrieben, in Lingen sei dies Standard und sinnvoll, betont Frerich.

Was muss alles gemacht werden?

Bauherren, die uneinsichtig sind, Maßnahmen direkt umzusetzen, gibt es laut Frerich immer wieder. Jedoch stünden viele Bauherren den Überprüfungen positiv gegenüber – wie Tobias Veer. „Brandschutz hat höchste Priorität“, sagt Veer. Nach der Brandschau im Sommer wurde ein Brandschutzkonzept erstellt, wobei man auch zur Erkenntnis kam, dass das verbaute Dämmmaterial in den Laubengängen so nicht zulässig ist. Tobias Veer, Inhaber des Gebäudes, wusste laut seiner Aussage davon nichts. Verschiedene Maßnahmen wurden bereits ergriffen, beispielsweise Brandschutztüren im Keller verbaut oder vernetzte Rauchwarnmelder angebracht.

Feuerwehrübung in Gebäude

Das Laubengang-Problem ist noch nicht gelöst. Ebenso müssen zeitnah noch Öffnungen zur Optimierung der Rauchableitung im Treppenhaus eingebaut werden, damit im Fall der Fälle Rauch schnell abziehen kann. Verbotszeichen und Hinweisschilder müssen noch angebracht werden, die eine Symbolik besitzen, die international verständlich ist, sowie eine Brandschutzordnung erstellt werden, die die Bewohner anweist, wie sie sich in einem Brandfall verhalten müssen. Dass das Verhalten bisher schon klappt, wurde bei einer Brandschutzübung im August 2017 deutlich. Damals rückte die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter an den Herrenkamp aus.

30 Meter ist die Leiterlänge, die Rettungshöhe beträgt etwa 23 Meter. Problemlos gelangten die Feuerwehrleute bis zum obersten Stockwerk. Bei der Übung wurde aber auch deutlich, dass die Aufstellfläche für das Feuerwehrfahrzeug nicht ausreicht. Damit das Fahrzeug im Ernstfall nicht absackt, wurde die Aufstellfläche nicht nur befestigt, auch vergrößert.


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