An der Grenze zum Klamauk Tragikomödie Arthur und Claire überzeugt nur teilweise

Von Elisabeth Tondera

Zwei Todeskandidaten in einem Hotel: Szene aus der Tragikomödie „Arthur & Claire“ im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe . Foto: Elisabeth TonderaZwei Todeskandidaten in einem Hotel: Szene aus der Tragikomödie „Arthur & Claire“ im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe . Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Die Tragikomödie „Arthur & Claire“ von Stefan Vögel, eine Produktion der Komödie im Bayerischen Hof, die im Lingener Theater zu sehen war, konnte nur teilweise überzeugen.

Ausgerechnet Lungenkrebs! Dabei hat Arthur nie geraucht und führt als Sportlehrer ein gesundes Leben. Verbittert beschließt er, sein Leben zu beenden, bevor der Krebs sein zerstörerisches Werk fortsetzt.

Letzter Abend in einem Amsterdamer Hotel

Mit der Formulierung seines Abschiedsbriefes in einem Amsterdamer Hotel beginnt die Tragikomödie „Arthur & Claire“. Arthur hat seinen Abgang minutiös geplant. Er ist nach Amsterdam gekommen, wo er sich in einer Sterbeklinik angemeldet hat. Den letzten Abend will er bei gutem Essen und Wein genießen, doch laute Musik aus dem Nachbarzimmer stört ihn so, dass er anklopft, um Ruhe zu fordern. Die junge Frau, die ihm die Tür öffnet, ist gerade dabei, sich mit Schlaftabletten, Strick und Rasierklinge das Leben zu nehmen.

Beide Figuren haben gute Gründe für ihre Entscheidung. Das Leben beider liegt in Trümmern. Claires Mann und Kind sind bei einem von ihr verursachten Autounfall ums Leben gekommen, der todkranke Arthur hat seine Ehe durch Fremdgehen zerstört und seinem Sohn keine freie Entscheidung zugestanden.

Aus dem Tief geholt

Doch gerade diese Ambivalenz ermöglicht es, dass sie sich gegenseitig anvertrauen und aus dem Tief herausholen. Claire lässt sich schnell umstimmen und drängt Arthur eine nächtliche Amsterdamtour auf („Sterben können Sie immer noch, das läuft Ihnen nicht weg!“), die in Arthurs Hotelbett endet. Nun ist es an Claire, Arthur von seinem Vorhaben abzubringen.

Mit Suizidhumor

Dem Stück gelingen einige schöne Momente und teilweise richtig guter Suizidhumor, wenn Arthur sagt, dass er an seinem letzten Abend früh schlafen gehen wolle, weil er „morgen fit sein“ möchte oder: „Ich habe sogar meinen Sterbetermin in die Ferien verlegt, damit in der Schule kein Chaos entsteht.“ Manche Dialoge gehen in die Tiefe und werfen Fragen auf, beispielsweise: Ist Selbstmord feige oder ein Akt der Selbstbestimmung? („Ich werde nicht an Krebs sterben, solang ich meinen freien Willen habe.“) Schließtder freie Wille das Recht ein, sein Leben selbst zu beenden?

Standing Ovations

Auch ist die Inszenierung von Ute Willing leichtfüßig und transparent im wahrsten Sinne des Wortes: Die Hotelzimmer von Arthur und Claire sind nur durch eine imaginäre Wand getrennt (Bühnenbild: Thomas Pekny). Da die Story sich ausschließlich in den beiden Zimmern abspielt, ist eine straffe Handlungsführung möglich.

Robuster Hardy Krüger jr.

Insgesamt ist die Produktion aber nicht sehr überzeugend, was vor allem der Rollenbesetzung anzulasten ist. Hardy Krüger wirkt viel zu robust und vital, um als sterbenskranker, alternder Arthur zu überzeugen, und Eva-Maria Grein von Friedl bringt nicht die nötige Ernsthaftigkeit auf, die Claires Entwicklung von Lebensmüdigkeit zur ausgelassenen Lebensfreude glaubwürdig zu gestalten. Einige Szenen überschreiten außerdem die Grenze zum Klamauk.

Peinliches Ende

Völlig überflüssig und direkt peinlich ist das Ende des Stückes: Arthur ist nach einigen glücklichen Monaten mit Claire gestorben, doch sie hat ein Kind von ihm und besucht mit dem Baby und Arthurs erwachsenem Sohn David (Ricardo Angelini) noch einmal das schicksalhafte Hotelzimmer.

Das Publikum dankte trotzdem mit lang anhaltendem Applaus, zum Teil sogar mit Standing Ovations.