Pointen zum Nachdenken Özgür Cebe beeindruckt im Lingener Professorenhaus

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Özgür Cebe auf der Bühne des Professorenhauses in Lingen. Foto: Sebastian von MelleÖzgür Cebe auf der Bühne des Professorenhauses in Lingen. Foto: Sebastian von Melle

  Lingen. Wenn man ein Miteinander möchte, muss man auch miteinander leben. Diese Erkenntnis zog sich durch den Auftritt des Stand-up-Comedian Özgür Cebe im Lingener Professorenhaus, wo Könner der großartigen Kleinkunstszene sich regelmäßig ein Stelldichein geben. Nun also „der Deutsche im Körper eines Ausländers“, und dessen Programm „Born in the BRD“ kam richtig gut an.

Geboren in Bielefeld, aufgewachsen in Bonn, hat Cebe aufgrund familiärer Wurzeln drei Feinde in seinem Inneren: den Armenier, der sich immer rasieren will, den Türken, der gerne Schnurrbart trägt, und den Kurden, der den beiden kein Rasiermesser anvertrauen möchte. Der türkische Teil in ihm hat es momentan besonders schwer, und Cebe nahm kein Blatt vor den Mund, als er zum Beispiel Erdogans Reisewarnung für Deutschland kommentierte: „Leider gibt es jetzt im Februar keine türkischen Touristen mehr in Lingen.“

Genetische Vielfalt

Mit Blick auf die Fremdenfeindlichkeit, die laut Cebe dort am höchsten ist, wo es die wenigsten Fremden gibt, verwies er auf Afrika als Kontinent mit der größten genetischen Vielfalt: „Adam war vermutlich schwarz, ist aber als Weißer berühmt geworden.“ Offensichtlich gehe der Verlust der Pigmente mit dem der Intelligenz einher, denn der typische „Extrem-Mist“, vor allem in Ostdeutschland, dessen Dialekt Cebe perfekt parodierte, sei weiß.

Klamauk und Cannabis

Natürlich gab es auch Klamauk, teils unter der Gürtellinie, teils darüber. „Moses hat das Meer geteilt. Jesus hat das Brot geteilt. Mohammed hat in das geteilte Brot den Döner reingetan und gesagt: Iss Lamm! So ist der Islam entstanden.“ Religionsunterricht kann lustig sein. Cebes Analysen wirkten messerscharf und intellektuell plausibel, obwohl er sicher etwas geraucht hatte, denn die Cannabis-Legalisierung war ein weiteres Hauptthema seines Vortrags. Zur Überraschung des Publikums führte der Kabarettist die eigene Heilung einer Krebserkrankung auf die Hanftherapie zurück. Wer wollte ihm widersprechen?

Kritik an Parallelgesellschaften

Seine Kritik an Parallelgesellschaften traf auf die Toleranz der Zuhörer wie Magdi, einem seit 30 Jahren in Lingen lebenden Ägypter. Der erzählte von seiner katholischen Frau und dem evangelischen Sohn und meinte, es gebe keine schlechte Religion, aber schlechte Menschen. Cebe setzte noch eins drauf: „Ich bin muslimisch, meine Frau katholisch, und ich habe bei der Taufe unserer Tochter die Taufkerze gehalten.“

Gedicht über den Glauben

Der Waldorfschüler Özgür konnte zwar seinen Namen wegen der Strichelchen im Ü nicht tanzen und hatte angeblich auch schon Stress bei der Wohnungssuche. Aber Currywurst isst er gerne, denn die sei ja beschnitten und daher für Muslime unbedenklich. Am Ende seines mit Schlager-Medleys garnierten Monologs entließ Cebe die Gäste des Studioprogramms mit einem nachdenklichen Gedicht über den Glauben. Bemerkenswert!


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