Das sagt der Landkreis dazu „Focus“ untersucht Emsland: Produktivität top, Lebensqualität Flop?

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Das Magazin „Focus“ hat die Wirtschaftskraft aller 401 Landkreise in Deutschland verglichen. Während das Emsland sich 2015 beim Vergleich noch unter den Top 100 befand, hat sich der Landkreis 2018 um 100 Plätze verschlechtert. Symbolfoto: dpaDas Magazin „Focus“ hat die Wirtschaftskraft aller 401 Landkreise in Deutschland verglichen. Während das Emsland sich 2015 beim Vergleich noch unter den Top 100 befand, hat sich der Landkreis 2018 um 100 Plätze verschlechtert. Symbolfoto: dpa

Lingen. Das Magazin „Focus“ hat die Wirtschaftskraft aller 401 Landkreise in Deutschland verglichen. Während das Emsland sich 2015 beim Vergleich noch unter den Top 100 befand, hat sich der Landkreis 2018 um 100 Plätze verschlechtert. Was sagt der Landkreis dazu?

Wo lassen sich Firmen nieder und schaffen Jobs? Wo gibt es eine gute Infrastruktur, wo lebt man sicher und wo stehen Umwelt und Landwirtschaft im Einklang? Im Auftrag vom Nachrichtenmagazin Focus hat der Kölner Forscher Wolfgang Steinle mit seinem Team alle 401 Landkreise und Regionen untersuchen lassen. Sieger des Vergleichs ist der Landkreis München. Er erreichte in zwei der fünf Einzelkategorien – Wachstum und Jobs, Firmengründungen, Lebensqualität, Einkommen und Attraktivität sowie Produktivität und Standortkosten – die Spitzenplätze. (Weiterlesen: Stadt und Landkreis Osnabrück verlieren an Attraktivität)

Emsland sackt im Ranking ab

Spitzenreiter im Nordwesten ist der Landkreis Stormarn. Der Kreis, der zur Metropolregion Hamburg gehört, erreichte im Gesamtklassement den 57. Platz. Unter den Top 100 befand sich bei der Untersuchung vor drei Jahren auch der Kreis Emsland. 2015 belegte der Landkreis Platz 98, drei Jahre später sackt er laut dem Ranking um beinahe 100 Plätze ab. Er belegt nun Platz 192 von 401 bewerteten Kreisen und kreisfreien Städten.

In der Kategorie Lebensqualität am schlechtesten

Der Landkreis Emsland punktet bei Produktivität und Standortkosten. In dieser Kategorie, bei der die Frage beantwortet wird, welche Wertschöpfung Angestellte mit ihrer Arbeit erzielen und wie hoch die Steuerbelastung für Betriebe ist – belegt das Emsland Platz 66.

Zwar nicht unter die 100 Besten, dafür aber auf einen sicheren 122. Platz kommt das Emsland in der Kategorie Wachstum und Jobs. Eine prosperierende Wirtschaft sowie ein gutes Arbeitsplatzangebot sind hier laut Focus die zentralen Kennzahlen.

In der Kategorie Firmengründungen landet der Landkreis hingegen nur noch auf Platz 230. Noch deutlicher fällt das Emsland in dem Ranking beim Thema Einkommen und Attraktivität ab. Die Region erreicht nur Platz 271. Bewertet wurden hier die Höhe der Arbeitsentgelte sowie der Haushaltseinkommen als Maßstab für die wirtschaftliche Teilhabe aller am Erfolg der Region.

In der Kategorie Lebensqualität schneidet das Emsland am schlechtesten ab. Hier reicht es nur für den 306. Platz. Untersucht wurde unter anderem die Sicherheit (Straßenkriminalität und Wohnungseinbruchsdiebstahl), Nachwuchskräfte, Gleichbehandlung von Frauen und Männern sowie das Risiko der Altersarmut und die Trinkwasserqualität. (Weiterlesen: Elf Einbrüche in nur einer Woche)

Wurden andere Kriterien als 2015 untersucht?

Eine Erklärung für das schlechte Abschneiden im aktuellen Ranking mag laut Landrat Reinhard Winter darin liegen, dass im Vergleich zu 2015 beim aktuellen Ranking erstmals weitere Kriterien Eingang gefunden haben, die die Unterschiede zu dem vorherigen Ranking verstärkt haben.

„Unter anderem war dies der Bereich des Breitbandausbaus, den der Landkreis Emsland mit Eigenmitteln und Fördergeldern von rund 60 Millionen Euro nun ab Frühjahr umsetzt und der aus diesem Grund keine Berücksichtigung in dieser Studie finden konnte“, sagt der Landrat auf Nachfrage dieser Redaktion.

Nachfragen beim Burda Verlag unbeantwortet

Zwei Nachfragen dieser Redaktion beim Burda Verlag, dem das Focus Magazin gehört, welche Kriterien vor drei Jahren untersucht wurden, blieben bisher unbeantwortet. Auch der Landkreis Emsland hat darauf keine Antwort. Laut Reinhard Winter soll die Studie in den kommenden Tagen ausgewertet werden, „um wirklich belastbare Einschätzungen zum Ranking-Ergebnis treffen zu können“. Dafür fehlten noch die genauen Daten und Kriterien für beide Untersuchungen.

Es gibt auch Positives

Zwar ist laut dem Ranking besonders stark das Emsland abgesackt. Der Landkreis verweist Städte und Landkreise wie Osnabrück und Oldenburg aber immer noch deutlich auf die Plätze. Genau das betont auch Reinhard Winter: „Positiv festzuhalten bleibt aber auch, dass von den insgesamt 45 Landkreisen und Städten in Niedersachsen, die in der Studie aufgeführt sind, der Landkreis Emsland einen guten sechsten Platz einnimmt und der Landkreis sich damit niedersachsenweit weit im oberen Drittel platzieren konnte, was uns sehr freut.“

Stadt Osnabrück verliert an Boden

So kommt die Grafschaft Bentheim in dem Gesamtklassement auf Platz 216. Im Gegensatz zum Emsland schneidet der Kreis gut in der Kategorie Wachstum und Jobs ab und belegt Platz 59. Gut schnitt in dieser Kategorie auch Cloppenburg ab – die Stadt sicherte sich hier Platz 78. Cloppenburg befindet sich im Gesamtranking auf Platz 199. Der Landkreis Leer (Gesamtrang 242) punktet in Sachen Firmengründungen und kommt in dieser Kategorie auf Platz 31.

Die Stadt Osnabrück punktet bei Einkommen und Attraktivität. In dieser Kategorie belegt sie Platz 90 und kommt im Gesamtranking auf Platz 277. Das beste Ergebnis erzielte der Landkreis Osnabrück in der Kategorie Wachstum und Jobs (142). Gesamtrang: 259.


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