Ist das Petzen oder Hilfe holen? Verein Zartbitter führt Präventionstheater in Lingen auf

Von Nina Hoegen


nvh Lingen. Im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe hat der Verein Zartbitter aus Köln das Präventationstheatersück „Ganz schön blöd!“ aufgeführt. Insgesamt werden rund 950 Grundschüler aus Lingen und dem Altkreis Lingen das Theaterstück besuchen.

Der Kölner Verein Zartbitter ist eine Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen. Mit dem Theaterstück „Ganz schön blöd!“ erhalten die Kinder Tipps gegen Angstmache, Erpressung und Belästigung.

Ist das Petzen oder Hilfe holen?

In dem Theaterstück ging es um das Mädchen Tine (Alexe Limbach) und um Teugel (Charalampos Lavassas). Teugel, halb Engel und halb Teufel, machte seine 18. Schutzengelprüfung und sollte Tine beschützen, obwohl er noch gar nicht richtig wusste, wie so etwas funktionierte. Das Stück spielte in Tines Kinderzimmer, das noch voll mit Umzugskartons stand. Sie war gerade mit ihren Eltern umgezogen und hatte ein bisschen Angst vor der neuen Schule. Denn in ihrer alten Schule wurde Tine von Mitschülern geärgert. Sie hatten ihr das Pausenbrot geklaut oder in den Schulranzen gespuckt. Um die Kinder für solche Situationen zu sensibilisieren, spielten die Schauspieler mit den Schülern im Publikum das Quiz: „Ist das Petzen oder Hilfe holen?“. Sie beschrieben verschiedene Situationen: „Ein Mitschüler bohrt in der Nase und du sagst es dem Lehrer. Ist das Petzen oder Hilfe holen?“ oder „In der Wasserrutsche im Schwimmbad rutscht ein Mann ganz nah hinter dir und berührt dich. Danach erzählst du dem Bademeister, was der Mann getan hat. Ist das Petzen oder Hilfe holen?“

In schwierigen Situationen nicht verstecken

Tine und Teugel freundeten sich im Laufe des Theaterstücks an. Tine telefonierte mit ihrer Freundin Jenny und erfuhr, dass deren Bruder heimlich Fotos von den beiden gemacht hatte, als sie dabei waren, sich umzuziehen. Der Bruder wollte die Fotos ins Internet stellen und erpresste Tine, nichts davon ihren Eltern zu erzählen. Als Teugel davon erfuhr, half er Tine und bestand somit seine Schutzengelprüfung. Tine lernte von Teugel, dass sie sich in schwierigen Situationen nicht verstecken muss, sondern Hilfe holen sollte.

“Blöde Gefühle“ und „blöde Geheimnisse“ nicht für sich behalten

Nach dem Stück haben sich Limbach und Lavassas mit den Kindern unterhalten. Sie erklärten unter anderem, dass niemand ohne Erlaubnis fotografiert werden dürfe und dass vor allem niemand ohne Erlaubnis die Fotos in Internet stellen dürfe. Die Grundschüler erzählten, dass sie es „ganz schön blöd“ fanden, dass jemand Tine in den Schulranzen gespuckt und sie heimlich fotografiert hat. Gut gefallen hatte den Kindern hingegen, dass das Theaterstück lustig war und dass Teugel Tine geholfen hat. Zum Schluss ermutigte Limbach die Kinder, immer zu einem Erwachsenen zu gehen, wenn sie ein „blödes Gefühl“ oder ein „blödes Geheimnis“ haben. Falls ihnen nicht geglaubt werde, sollten die Kinder zu jemand anderem gehen, so lange bis ihnen ein Erwachsener glauben würde. Auch die Polizei Emsland/Grafschaft Bentheim und die Beratungsstelle Logos wurden als Anlaufstelle vorgestellt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene könnten sich an sie wenden, wenn sie ein blödes Gefühl haben oder etwas Schlimmes passiert ist.