Ungewöhnliche Bestellungen Nachgefragt: Wie läuft der Abholservice von Rewe in Lingen?

Von Julia Mausch

Haben im September 2017 den Abholservice im Rewe in Laxten eingeführt (von links): Dennis Krasniqi (Marktleiter Rewe Darme), Stefan Vogt-Telahr (Marktleiter Rewe Laxten) und Jan Niklas Böing, Assistent des Marktleiters. Foto: Julia MauschHaben im September 2017 den Abholservice im Rewe in Laxten eingeführt (von links): Dennis Krasniqi (Marktleiter Rewe Darme), Stefan Vogt-Telahr (Marktleiter Rewe Laxten) und Jan Niklas Böing, Assistent des Marktleiters. Foto: Julia Mausch

Lingen. Im Rewe an der Josefstraße in Lingen hat sich im vergangenen Jahr ein Leerstand aufgetan als einer der Mieter, ein Friseur, aus dem Einkaufsmarkt auszog. Was mit der Fläche machen, fragte sich Inhaber Stefan Vogt-Telahr. Seine Idee: einen Abholservice für die Kunden schaffen.

Die Eingangstür links vom Supermarkteingang geht auf, eine Frau mittleren Alters kommt mit einem Einkaufskorb raus, verstaut ihn im Kofferraum und fährt weg. Es sind keine zwei Minuten vergangen, da hat sie den einstigen Friseurladen verlassen. Haare werden dort längst nicht mehr geschnitten, stattdessen Lebensmittel in Einkaufskörbe verpackt.

Vom Friseurladen nichts mehr übrig

Der einstige Friseurladen ist mittlerweile eine Mischung aus Lager- und Verkaufsraum und die Anlaufstelle für all diejenigen, die den neuen Rewe-Abholservice an der Josefstraße in Lingen nutzen. Statt selbst mit dem Einkaufswagen zwischen den Regalen zu kreuzen, kann man an der Josefstraße einkaufen lassen. Bestellt wird online auf der Internetseite oder über die der App, abgeholt am gleichen Tag oder in einem beliebigen Zeitraum. Dafür gibt es eigens zwei Parkplätze, bezahlt wird an einer separaten Kasse. Kein großes Lager, keine Roboter, die durch die Gänge rauschen und vollautomatisch die Bestellung zusammenstellen. Alles läuft – abgesehen von der digitalen Bestellung – ganz traditionell ab.

Drei neue Mitarbeiter

Seit dem 15. September 2017 gibt es das Angebot und es war eigentlich eine Notlösung. Inhaber Stefan Vogt-Telahr hatte Probleme, einen Nachmieter für den Friseur zu finden. „Wir haben im Rewe-Markt alles, von Kiosk über Bäcker“, sagt der Geschäftsmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Es gab Gespräche mit seinen Kollegen von Rewe und die Idee entstand, einen Abholservice für die Kunden einzurichten.

Stefan Vogt-Telahr hat zusätzlich zu seinen insgesamt 70 Mitarbeitern drei weitere Mini-Jobber eingestellt, in der nächsten Zeit sollen weitere hinzukommen. Geht eine Bestellung im Rewe-Markt ein, öffnet sich am Desktop ein Fenster „Neue Bestellung eingegangen!“ Die Bestellung wird auf ein sogenanntes MDE-Gerät – eine Art mobiler Scanner – automatisch übertragen.

Statt selbst mit dem Einkaufswagen zwischen den Regalen zu kreuzen, kann man in dem an der Josefstraße einkaufen lassen. Geordert wird online auf der Internetseite oder der App, abgeholt am gleichen Tag oder einem beliebigen Zeitraum. Foto: Rewe

Grünabfälle für das Haustier

Die Mitarbeiter flitzen los, verstauen die Ware in Körben und und bringen sie in den Lagerraum. Die Produkte werden aussortiert, entweder sie bleiben im Korb oder werden in den dortigen Kühlschränken bis zur Abholung verstaut. „Die Kühlkette wird nicht unterbrochen“, betont Jan Niklas Böing, Assistent des Marktleiters. Es gebe sogar extra Thermo-Boxen.

Auch spezielle Wünsche können bei der Bestellung angegeben werden. Böing: „Häufig wird nach Grünabfällen für das Haustier gefragt.“ Wenn das gewünschte Produkt nicht im Sortiment ist, listet das Gerät einen gleichwertigen Ersatzartikel auf. Will der Kunde diesen bei der Lieferung nicht haben, wird der Artikel automatisch wieder von der Rechnung genommen.

24 Bestellungen in der Woche

Eine Stornierung kam bisher noch nicht vor. Die Kunden waren mit den Ersatzprodukten zufrieden, sagt Stefan Vogt-Telahr. Seiner Erfahrung nach seien die Kunden des Abholservice allgemein entspannter, als die im Markt. Ihn wundert das nicht: Die größten Kundengruppen unter den Stammkunden seien Familien, denen der Einkauf mit Kindern sonst zu stressig ist, oder Menschen, die viel arbeiten und deshalb kaum Zeit zum Einkaufen hätten. Zunehmend beliebter werde der Online-Lebensmitteleinkauf bei Älteren, die nicht mehr lange Wege laufen können.

Kunde bestellt Schokoriegel

Gleich zwölf Bestellungen flatterten am ersten Tag ein, als der Service angeboten wurde. Am darauffolgenden Tag waren es 14. Mittlerweile sind es im Durchschnitt 24 Bestellungen in der Woche. Montag bis Mittwoch sind eher schwächere Tage, ab Donnerstag steigern sich die Eingänge an Bestellungen. Freitag ist dann durchgehend der stärkste Tag.

Das erste Mal ist der Bestellservice für Kunden umsonst, danach fällt je Bestellung eine Service-Gebühr von zwei Euro an. Einen Lingener störte die Gebühr anscheinend nicht, erinnert sich der Markt-Leiter an einen Fall, als ein junger Mann bei seinem Mitarbeiter einen Schokoriegel orderte. Der Wunsch wurde erfüllt, die zwei Euro musste er dennoch bezahlen.

Bestellwert: mehr als 65 Euro

Die Bestellung des jungen Mannes ist die Ausnahme. Laut Vogt-Telahr rechnet sich das Online-Geschäft für Rewe. In der Regel liegt der Bestellwert der Kunden laut Marktleiter bei 65 Euro und aufwärts. Bezahlt wird bar, mit EC- oder Kreditkarte, danach kann der Einkauf im Kofferraum verstaut werden und der Heimweg angetreten werden.


Rewe baut Lager für Online-Geschäft

In Köln baut Rewe Digital für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag ein „Food Fulfillment Center 2.0“. Ein computergesteuertes Lager für Lebensmittel, die für den Online-Handel bestimmt sind. Ende 2018 soll es nach einjähriger Bauzeit fertig werden und eine Fläche von zweieinhalb Fußballfeldern abdecken. Die Hallen umfassen einen Raum wie rund 250 Einfamilienhäuser. In ihnen gibt es nach einem neuen Konzept die unterschiedlichsten Klimazonen für mehr als 20 000 verschiedene Produkte. Mitarbeiter für die Kommissionierung der Bestellungen– wie es im Rewe in Lingen noch gehandhabt wird – legen 12 bis 15 Kilometer pro Schicht zu Fuß zurück. Im neuen Center ist es umgekehrt: Hier kommen laut Rewe die Produkte per automatisierter Shuttle-Technologie zum Kommissionierer.