Artistik auf höchstem Niveau Chinesischer Nationalcircus lässt Lingener Publikum staunen

Von Meike Blunk


Lingen. Zum wiederholten Male beglückte der Chinesische Nationalcircus am 13. Februar 2018 wieder die Zuschauer im Theater an der Wilhelmshöhe und versetzte sie mit ihrem neuen Programm „Hongkong Hotel“ ins Staunen. Noch vor Beginn der spektakulären Show durften die acht Gewinner eines Preisausschreibens hinter die Kulissen dieses innovativen wie auch mit Traditionen verbundenen Circus schauen.

Raoul Schoregge, seit 17 Jahren Produzent und künstlerischer Leiter dieses Unternehmens, schenkte den Gästen Einblicke in die Philosophie und Struktur des spartenübergreifenden Circus‘, dessen Ensemble aus zwölf Ausnahmeartisten besteht. „Ein chinesischer Akrobat macht keinen Handstand. Er ist der Handstand!“ Damit brachte Schoregge auf den Punkt, dass es ihnen ausschließlich um die gelebte Einheit von Körper, Geist und Seele geht.

1000 Zirkusgruppen

Circus ist seit mehr als 2000 Jahren ein fester kultureller Bestandteil in China, mit desen Artistik Grenzen überwunden und Inhalte präsentiert werden. Die Akrobatik, so Schoregge, dient der Unterhaltung. Darüber hinaus wollten die Menschen damit den Göttern gefallen. Etwa 1000 Zirkusgruppen gibt es in China, deren Mitglieder alle eine zehnjährige Internatsausbildung hinter sich haben. Im Alter von sechs oder sieben Jahren findet die Aufnahme statt. Daran schließt sich die zehn- bis fünfzehn-jährige Phase an, in der die Artisten ihr Können präsentieren. Anschließend treten die meisten von ihnen in die Fußstapfen ihrer Lehrer, agieren als Choreograf oder Kostümbildner. Artisten genießen in China ein hohes Ansehen. Schoregge, dem die große Leidenschaft der einzelnen Disziplinen gegenüber anzumerken ist (er selbst agiert als Akrobat und Clown), ist es ein großes Anliegen, mittels des Circus‘ eine Brücke zwischen den Kulturen darzustellen.

Grandhotel in Hongkong

Mit ihrem neuen Programm „Hongkong Hotel – Die Welt zu Gast im Reich der Mitte“ entführen sie die Zuschauer in die vielfältigen Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten der Menschen, die in einem Grandhotel in Hongkong untergekommen sind. Ein Hotel wird zu einem Ort, in dem „Freibeuter, Traumtänzer und Visionäre“ auf engem Raum eine Gemeinschaft bilden und so zum Abbild des Lebens werden. Menschen begegnen sich und gehen wieder auseinander. Zwischendrin bemühen sich Angestellte, wie der versierte Pianist oder Portiers, um das Wohl ihrer Gäste. Andere sorgen ungewollt für Verwirrung, so wie ein Portier, der mit seiner Sicht auf die Dinge einiges durcheinanderbringt. Djohannes Diacoyannis lebt die Rolle des Clowns und macht wie nebenbei Artistik auf höchstem Niveau.

Pointierte Zirkuspräzision

Anmutige Artistinnen, vollziehen mit ihren schlangenähnlichen Körpern hochkarätige Akrobatik. Vasen werden durch die Luft gewirbelt und auf der Stirn aufgefangen, Stühle werden in luftiger Höhe gestapelt, auf ihnen einarmige Handstände präsentiert, sodass den Zuschauern der Atem stockte. Pointierte Zirkuspräzision, in Verbindung mit einer innovativ theatralen Umsetzung stehen im Programm „Hongkong Hotel“ für eine besondere Vielseitigkeit und Offenheit, die beispielhaft für unser Leben sein könnte. Die Zuschauer dankten den Artisten für ihre einzigartige Show mit viel Applaus.