Freitagsläuten vor Ostern Lingener Kirchen erinnern an die Sterbestunde Jesu

Von Sebastian Von Melle

Diese und andere Glocken in Lingen werden beim Freitagsläuten zu hören sein: die „Rex gloriae“ im Turm der Kirche Maria Königin. Foto: Sebastian von MelleDiese und andere Glocken in Lingen werden beim Freitagsläuten zu hören sein: die „Rex gloriae“ im Turm der Kirche Maria Königin. Foto: Sebastian von Melle

  Lingen.  Im Liturgieausschuss des gemeinsamen Pfarrgemeinderates von Maria Königin und St. Marien, Biene wurde die Initiative ergriffen, den alten Brauch des Freitagsläutens zunächst befristet für die Wochen vor Ostern im Bereich der Stadt Lingen einzuführen. In der ökumenischen Konferenz der Lingener Pastorinnen und Pastoren fand das Projekt die Unterstützung aller Konfessionen.

Pfarrer Jens Brandebusemeyer erläuterte dies in einem Brief an die katholischen und evangelischen Gemeinden: „Glocken gibt es seit über 5000 Jahren. Ihr Klang schwingt weit über die Dächer hinaus und macht die sichtbare Präsenz der Kirche auch akustisch wahrnehmbar. Die Einheit der Christen in versöhnter Verschiedenheit drückt sich darin besonders klangvoll aus.“ Das Läuten zum Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu Christi habe in manchen Regionen eine lange Tradition, so Brandebusemeyer. „In Zeiten, wo das Wissen um unsere christlichen Wurzeln abnimmt, möchten wir ein Zeichen setzen, das der Erinnerung und Vergewisserung dient.“

„Katholische“ Glocken schweigen am Karfreitag

Die Lingener Kirchen werden also in den Wochen vor Ostern freitags um 15 Uhr sieben Minuten lang die jeweils größte Glocke läuten als eindringliche Erinnerung an die Sterbestunde Jesu. Im Turm der evangelisch-reformierten Kirche, dessen Untergeschoss aus dem 13. Jahrhundert das älteste Mauerwerk Lingens haben dürfte, läutet mit der bronzenen Marienglocke aus dem Jahr 1457 auch der älteste Klangkörper der Innenstadt, und zwar in einem satten Cis. Die jüngsten Glocken sind ebenfalls „evangelisch“: das Geläut der lutherischen Kreuzkirche wurde erst 2013 erworben. Am Karfreitag kehren Katholiken und Protestanten zu ihren unterschiedlichen Traditionen zurück. „Katholische“ Glocken schweigen vom Gloria am Gründonnerstag bis zur Feier der Osternacht.

„Hellhörig werden“

Jens Brandebusemeyer: „Wir hoffen, dass das ökumenische Freitagsläuten in der vorösterlichen Zeit eine gute Erfahrung unseres gemeinsamen Glaubens sein wird und dass die Menschen in unserer Stadt hellhörig werden auf das, was wir in den kommenden Wochen feiern: den Hinübergang des Herrn vom Tod zum Leben.“