40 Jahre Kunstschule Lingen Bilden mit Kunst heißt Schlüsselkompetenzen erwerben

Von Caroline Theiling-Brauhardt


Lingen. Vor genau 40 Jahren, am 14. Februar 1978, hat eine Initiative, zusammengesetzt aus kunstinteressierten Lingener Bürgern, die Malschule, heute Kunstschule im Kunstverein Lingen, gegründet.

Sie war die erste Einrichtung dieser Art in Niedersachsen und damit Vorläufer von heute landesweit 40 Kunstschulen.

„Es war eine mitreißende Aufbruchstimmung in der Stadt zu spüren“, erzählte Heiner Schepers in einem Gespräch mit der Redaktion. „Für mich war das Ziel irgendwann klar, ich wollte eine Kunstschule als Freiraum für kreatives Tun auf der Basis von Kenntnissen über Kunst.“ Schepers ist im kulturellen Leben Lingens eine feste „Institution“ und gehört ebenso wie Christel Grunewaldt-Rohde und Petra Wilken zu den Gründungsmitgliedern, die auch heute noch dabei sind. In den Anfangsjahren hatte die Malschule, wie sie damals noch hieß, Räume in der Hüttenplatzschule. Heute sind Teile der Volkshochschule dort untergebracht. Nach einem Zwischenstopp im Professorenhaus fand man schließlich den endgültigen Standort in der ehemaligen Lateinschule, ebenfalls am Universitätsplatz.

Angebote für alle Altersgruppen

Das Angebot richtete sich von Anfang an an Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene. Dabei wurden alle Altersgruppen, aber auch sogenannte Randgruppen eingeschlossen. Ein besonderer Schwerpunkt wurde beispielsweise in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen gesetzt. Das setzt sich heute noch in offenen Programmen fort, wie den Kreativ-Freitagen, an denen Kinder mit und ohne Migrationshintergrund in Begleitung von Eltern, Großeltern oder anderen Begleitern an einem kostenlosen Angebot teilnehmen können. „Dieses Projekt wird sehr gut angenommen,“ berichtet Annette Sievers, aktuelle Leiterin der Kunstschule. Hier würden auch Kinder, deren Eltern sich einen Kurs nicht leisten können, niedrigschwellig an Kunst herangeführt.

Viele Kooperationspartner

Das Gleiche gelte auch für Grundschulen. Durch den zunehmenden Ganztagsunterricht bleibe nur noch wenig Zeit für Hobbys in den Nachmittagsstunden. Daher begrüßt Sievers die Möglichkeit, Projekte in Kooperation mit Schulen durchzuführen. „So erreichen wir Kinder, die sonst vielleicht nicht den Weg zur Kunstschule gefunden hätten.“ Darüber hinaus arbeitet die Kunstschule mit weiteren Institutionen wie dem Christophorus-Werk, dem Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ), dem Bonifatius-Hospital und erstmals auch mit dem Psychologischen Beratungszentrum zusammen. „Natürlich sind wir auch eng vernetzt mit den anderen Kunstschulen der Region,“ ergänzt Annette Sievers.

Mehrere Standorte

Im Laufe der Jahre hat sich das Angebot Kunstschule deutlich vergrößert. Waren es 1978 in der damaligen Malschule insgesamt sechs Kurse, mit denen man an den Start ging, steigerte sich die Zahl 1980 bereits auf 18. Weitere zehn Jahre später, 1990, waren es 52 Kurse mit 531 Teilnehmern pro Semester, davon etwa ein Drittel Erwachsene. Die aktuellsten Zahlen liegen für 2016 vor. Demnach gab es 74 Kurse mit insgesamt 4.477 Teilnahmen – davon 2.632 Kinder und 1.845 Jugendliche und Erwachsene. Doch nicht nur die Teilnehmer wurden mehr, auch die Veranstaltungsorte. Neben dem Standort in der alten Lateinschule werden Kurse auch in Baccum, Spelle und Emsbüren angeboten.

Ästhetische Bildung für die Kleinsten

Ästhetische Bildung für die Kleinsten war von Beginn an ein großes Anliegen. Anders als in vielen anderen Kunstschulen begann die Förderung bei Kindern ab zwei Jahren. Heute fühlt sich das Team uns durch wissenschaftliche Untersuchungen und Fördermaßnahmen bestätigt. Viele Institutionen sind seither diesem Beispiel gefolgt. Inzwischen werden regelmäßig Fachkräfte zur Ästhetischen Bildung in der Kunstschule qualifiziert, ein Angebot, das Annette Sievers sehr am Herzen liegt: Ihrer Meinung nach wird die Ästhetische Frühförderung zunehmend wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung. „Schauen wir einmal in die Wirtschaft – jedes Start-Up-Unternehmen braucht doch Kreativität“, sieht auch Schepers die Schule auf dem richtigen Weg.