Konzert im Bonifatius-Hospital Lingen Hybrid-Orgel bietet ungeahnte klangliche Möglichkeiten

Von Peter Löning

Von Rheinberger bis zu Elgar zeigte Joachim Diedrichs Ernstes und Heiteres auf der neuen Hybrid-Orgel im Bonifatius-Hospital. Foto:Peter LöningVon Rheinberger bis zu Elgar zeigte Joachim Diedrichs Ernstes und Heiteres auf der neuen Hybrid-Orgel im Bonifatius-Hospital. Foto:Peter Löning

Lingen. Für die Nummer zwei in der Reihe von Orgelkonzerten an der neuen Hybrid-Orgel trat am vergangenen Sonntag Kirchenmusikdirektor Joachim Diedrichs an den Spieltisch in der Kapelle im Lingener Bonifatius-Hospital.

Mit einem Reigen aus ernsten und heiteren Werken begeisterte er dabei sein Publikum für die ungeahnten Klangwelten, welche sich der Orgel entlocken lassen. Dabei wurde sehr schnell deutlich, wie sehr unterschiedlich bedienbar sich dieses erstaunliche Instrument zeigt.

Ging es im vorherigen Konzert mit Peter Müller eher darum, vier recht unterschiedliche Charakteristiken – es sind hier vier Orgeln vereint - zu separieren und vorzustellen, so ging es für Joachim Diedrichs eher um die Vielseitigkeit und die ungeahnten klanglichen Möglichkeiten, die jenes beinahe handliche Instrument zu bieten hat.

Große Orgelliteratur

Es ließe sich hierauf durchaus große Orgelliteratur realisieren. Versuchte man solche an „normalen“ Orgeln in solch kleinen Kapellen, erklängen diese eher wie Karikaturen ihrer selbst. So erläuterte Diedrichs eingangs und fügte an: „Sie bekommen heute satten Orgelklang“.

Er eröffnete sein Programm in großer Überzeugungskraft mit Josef Reinbergers großartiger 4. Orgelsonate „Tonus peregrinus“. Das Werk, wie geschaffen, die Orgel in ihrem verblüffend großen Ambitus, wie auch ihrer voluminösen Klanglichkeit vorzustellen, birgt in sich ein Intermezzo mit betörend schöner Melodie. Man ist versucht, Joachim Diedrichs hier experimentierfreudig auf fantasievoller Klangsuche zu finden.

In ungezähmter Spielfreude schlossen sich Präludium und Fuge (BWV 531) von Johann Sebastian Bach an sowie sehr reizend „Der Kuckuck“ von Louis-Claude Daquin.

Möglichkeiten der Orgel ausgereizt

Facettenreich in tiefer Romantik und einigem Ausmaß erklang „Morceau de Concert“ von Felix Alexandre Guilmant. Sehr bereichernd reflektieren hier interessante Variationen über ein zunächst schlichtes Thema. Erneut Anlass, für Diedrichs, die Möglichkeiten der Orgel eindrücklich auszureizen.

Heiteres am Karnevalswochenende

Mit Cuthbert Harris‘ Caprice überraschte Diedrichs mit einem deutlichen Schritt in Richtung salonhafter Tanzmusik. Immerhin, in Anbetracht des Karneval-Wochenendes, war ja Heiteres versprochen. So gab es überaus köstlich „The Entertainer“ von Scott Joplin. Vielleicht konnte man etwas ins Stolpern geraten ob dieser Programmwahl, aber mit Freuden gespielt, ließ es sich auch ebenso genießen. Folgerichtig beendete Jochen Diedrichs dann auch mit dem „March No. 1“ aus „Pomp and Circumstance“ von Edward Elgar, ein heiter rührender, wie erhebender Abschluss eines sehr bereichernden Konzertes.

Nächstes Konzert am 4. März

Joachim Diedrichs zeigte die neue Hybrid-Orgel in sehr anderem Licht, als es dies Peter Müller tat. Das erzeugt einige Neugier auf die Konzerte, welche in dieser außerordentlich gut frequentierten Reihe folgen werden. Es wird hier noch einiges zu entdecken geben. Das nächste Konzert wird von Regionalkantor Balthasar Baumgartner bestritten und findet am 4. März um 15 Uhr statt.