Festakt im Theater 25 Jahre Gleichstellungsbüro in Lingen

Von Elisabeth Tondera

Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lingen Angelika Roelofs und Oberbürgermeister Dieter Krone feierten mit vielen Gästen das 25-jährige Jubiläum des Gleichstellungsbüros. Foto: Elisabeth TonderaGleichstellungsbeauftragte der Stadt Lingen Angelika Roelofs und Oberbürgermeister Dieter Krone feierten mit vielen Gästen das 25-jährige Jubiläum des Gleichstellungsbüros. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Mit Frauenkabarett und einem Festakt im Theater feierte die Stadt Lingen 25 Jahre Gleichstellungsbüro. Viele, vor allem weibliche Gäste waren der Einladung gefolgt. Die Gleichstellungsbeauftragte Angelika Roelofs und Oberbürgermeister Dieter Krone nahmen das Jubiläum zum Anlass, die 25 Jahre Revue passieren zu lassen, aber auch, um zu fragen: Ist Gleichstellungsarbeit nicht längst überholt?

Laut Grundgesetz ist die Sache seit 1949 klar. Im Artikel 2, Absatz 2 ist zu lesen: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Doch die Praxis sieht immer noch anders aus. Angelika Roelofs wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass bezahlte und unbezahlte Arbeit, beruflich attraktive Positionen, Einkommen, Einfluss und Macht immer noch nicht annähernd gleich verteilt sind. Sie machte auf Widersprüche in der Gleichstellungspolitik aufmerksam: „So ist das Problem der weiblichen Altersarmut bekannt, es werden aber gleichzeitig Minijobs gefördert. Frauen sollen erwerbstätig sein, gleichzeitig wird die Hausfrauenehe durch das Ehegattensplitting subventioniert.“ Sie forderte eine grundsätzliche Veränderung von sozialer Infrastruktur, Betriebskultur, Arbeitszeitgestaltung sowie den Abbau traditioneller Rollenstereotypen: „Wir müssen aufhören, typisch männliche und typisch weibliche Lebensentwürfe zu fördern. Wir brauchen beides: Berufstätige Mütter in Führungspositionen und engagierte Väter in der Familienarbeit.“

Dank an Angelika Roelofs

Angelika Roelofs leitet das Gleichstellungsbüro seit dessen Anfängen. Oberbürgermeister Krone erinnerte daran, dass die Stadt Lingen bereits fünf Jahre zuvor mit Elvira Tallen eine ehrenamtliche Frauenbeauftragte hatte. Als 1993 das Frauenbeauftragtengesetz in Kraft trat (Kommunen über 10.000 Einwohner mussten eine hauptamtliche Frauenbeauftragte einstellen), war das Lingener Frauenbüro bereits ein halbes Jahr vorher mit Gaby Jahnke und Angelika Roelofs besetzt. „Damit sollte auch ein Signal gesetzt werden und einer damals langjährigen Forderung nach mehr Teilzeitstellen auch in verantwortlichen Positionen zum Durchbruch zu verhelfen. Dieses vorbildliche Arbeitsmodell des Frauenbüros in Lingen blieb landesweit eine Rarität“, betonte Krone. Er machte auf die Informationsveranstaltungen und Beratungen, auf die vielen Projekte und Aktionen des Gleichstellungsbüros, wie Girls Day oder One Billion Rising aufmerksam. Dabei dankte er Angelika Roelofs für ihr 25-jähriges intensives Engagement: „Sie haben viele Veränderungen erfolgreich eingefordert und zahlreiche Impulse gegeben. Viele Ideen und Anregungen haben Sie von Ratsuchenden aufgenommen und umgesetzt.“

In 25 Jahren viel erreicht

Auch Roelofs stellte fest, dass dank der Gleichstellungsarbeit in den 25 Jahren viel erreicht wurde. „In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für die Ungleichheit in den Geschlechterverhältnissen gewachsen und ebenso die Erkenntnis über die Strukturen und Mechanismen, die sie aufrechterhalten“, sagte sie und zeigte sich zufrieden darüber, dass es gelungen sei, die Gleichstellungspolitik aus der Schmuddelecke der angeblich frustrierten Emanzen zu befreien und sie zu einem anerkannten Dienstleistungsinstrument zu machen.