25 Jahre Gleichstellungsbüro Lingen „Trockenblumen“ bieten Kabarett mit Nachdenkpotenzial

Von Elisabeth Tondera

Hilde (Marcia Golgowsky) und Ayse (Lilay Huser) auf dem Weg nach Hamburg. Foto. Elisabeth TonderaHilde (Marcia Golgowsky) und Ayse (Lilay Huser) auf dem Weg nach Hamburg. Foto. Elisabeth Tondera

to Lingen. Zum 25-jährigen Jubiläum des Gleichstellungsbüros Lingen gab es Trockenblumen im Theater. Damit sind nicht getrocknete Pflanzen gemeint, sondern das deutsch-türkische Kabarett „Die Trockenblumen“ mit Marcia Golgowsky und Lilay Huser in „Best of verflixte sieben“.

Zwei Frauen jenseits der Lebensmitte begegnen einander im steckengebliebenen Fahrstuhl. Es ist der Beginn einer wunderbaren und recht ungewöhnlichen Freundschaft. Ungewöhnlich, denn Hilde Ronsberger ist gebürtige Wuppertalerin und Ayse Horozoglu eine aus der Türkei zugezogene.Freundschaften zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sind auch heute nicht selbstverständlich, und beide Frauen treten sogar nach vielen Jahren immer noch in diverse Fettnäpfchen.

Unterschiedliche Kulturen

Die unterschiedlichen kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Prägungen lassen sich nicht so einfach ablegen. Zündstoff gibt es genug, ob es um Verhütung, sexuelle Aufklärung der Enkelin, die Verlobung von Ayses Tochter oder die sexuelle Orientierung der Söhne geht. Da aber beide offen und tolerant sind, schaffen sie es, die Unterschiede als Bereicherung zu sehen und daraus etwas Neues und Unerwartetes zu kreieren.

Aufgedreht und wenig damenhaft

Sympathisch, manchmal aufgedreht und wenig damenhaft holen die ungleichen Freundinnen aus dem Leben, was für sie drin ist. Weder die eine noch die andere ist ein Kind von Traurigkeit. Beide Frauen lassen nichts anbrennen. Hilde, eine bodenständige Wuppertalerin, tröstet sich nach ihrer Scheidung mit wechselnden Beziehungen und kümmert sich um ihren fast 40-jährigen Sohn, dem die mütterliche Fürsorge sehr lästig ist. Ayse, Witwe und eine sechsfache Mutter, trinkt gerne ein Gläschen (oder zwei) Hochprozentigen (nur die Kinder dürfen es nicht erfahren). Beide machen sich auf den Weg nach Hamburg, weil sie schon immer mal auf die Reeperbahn wollten, und sie nehmen an einer Castingshow in Istanbul teil.

Geschichte einer Freundschaft

In „Best of verflixte sieben“ lassen Marcia Golgowsky und Lilay Huser die siebenjährige Geschichte der „Trockenblumen“ Revue passieren und erzählen die Geschichte der Freundschaft der beiden älteren Damen noch einmal von Anfang an. Mit viel Wortwitz und herrlicher Situationskomik spielen sie Szenen aus dem Alltag von Hilde und Ayse und lassen dabei kein Klischee und Vorurteil aus. Das steigert sich bis ins Absurde hinein, wenn beispielsweise Ayse mit blonder Mähne und im Glitzerkostüm als Diva auftritt oder eine Peepshow in langen Unterhosen darbietet (wunderbare Körperbeherrschung). Ihre Mischung aus Alltagsstory, Kabarett und Lebensphilosophie würzen die Schauspielerinnen mit Liedern, in denen sie manche Befindlichkeit und kulturelle Eigenart zum Ausdruck bringen.

Mit dem Auftritt der „Trockenblumen“ bescherte das Gleichstellungsbüro dem überwiegend weiblichen Publikum einen unterhaltsamen Vormittag mit Nachdenkpotenzial.