Voxpop aus Ungarn und Freiburg Stimmflut mit Jubiläumsprogramm im Lingener Theater

Von Sebastian Von Melle


Lingen. Zehn Jahre Stimmflut, zwanzig Jahre Viva Voce, zweimal ein Fest im Lingener Theater, das am Freitag restlos ausverkauft war. Wieder hatten die ehemaligen Windsbacher Chorknaben coole Gäste eingeladen, mit denen es so richtig abging. Das war ganz großes Kino der A-cappella-Kunst.

Fool Moon, fünf smarte Jungs aus Budapest, legten vor mit wunderschönen Coversongs: „The way you make me feel“ (Michael Jackson), „It’s probably me“ (Sting), „Got my mind set on you“ (George Harrison) und den beiden Bruno-Mars-Hits „Locked out of heaven“ und „Uptown funk“. Ein witziger Cha-Cha-Cha über ungarische Stadtführer forderte dazu auf, in schlechtem Englisch mitzusingen: „Hello Tourist, on se rait sait“. Der „Folk Song“, der kein Folk Song ist (darauf legte Bariton Barnabás Wodala besonderen Wert), zählte mit komplexer Rhythmik, Top-Harmonien und einem dominant herausstechenden Bass (Miklós Németh) zu den besten Stücken im ersten Teil.

Der Beat ging in die Beine

Musikkabarett und Vox-Pop mit großer Bandbreite boten Unduzo, ein taufrisches Quintett mit Freiburger Wurzeln. Hier gab es für das begeisterte Publikum keine Chance, sich rauszuhalten. Ob bei „Liebes Lied“, beim Impro-Song mit Soundeffekten wie Düsenjet, Feuerwehr, Mastschwein oder Elchgeburt, beim Beatles-Klassiker „Hey Jude“ oder auch bei „Jammerland“: Interaktion war angesagt. Cornelius Mack schlüpfte mit rotem Umhang in die Rolle eines selbstverliebten „Superman“, der jeden Tag die Welt rettet. Beatboxer Julian Knörzer machte seinem Namen alle Ehre mit unheimlichem Zischen und Grollen, Knattern und Peitschen, als er versuchte, ein Liebeslied zu singen und dann ein Schlaflied für sein Kind. Die einzige Frau des Abends, Linda Jesse, sorgte mit ihren Choreografien für orientalischen Duft (Bauchtanz für Männer) und mit ihrem Solo bei „Ich glaub“ für Emotionen: „Ich glaub, dass du glaubst, dass ich weiß, was du fühlst.“ Ausgefeilte Arrangements ließen den Beat in die Beine gehen und den Text nicht mehr aus dem Kopf.

„Autobahn zur Hölle“

Viva Voce präsentierte zusammen mit Neuzugang Matthias Hofmann schon mal Auszüge des Jubiläumsprogramms, das erst in zwei Wochen Premiere hat. Star-Tenor David Lugert kämpfte wie Max Raabe gegen den Hard-Rock-Sound von AC/DCs „Highway to hell“ und kantillierte mit geschwellter Brust „Autobahn zur Hölle“. Bekannte Songs wie „Smalltalk-Checker“ oder „Hallelujah“ wechselten sich ab mit wunderschönen Solo-Nummern wie „Manchmal stell ich mir vor“. Leider war in solch fragilen Momenten mancher Hustenreiz stärker und killte die dichte Atmosphäre, noch bevor sie sich entfalten konnte.

„Reggae-Metal“

Geburtstagskind Rita aus Altenlingen bekam ihre Operette und dazu noch einen Choral und eine Reggae-Metal-Version von „Atemlos“, später sogar ein Ständchen mit tagesaktueller Chronik, nicht schlecht! Die üblichen Potpourris boten wieder jede Menge Lachgas. Unglaublich, wie schnell die Jungs von „Caro mio ben“ über Heinz Erhardt und Felix Mendelssohn-Bartholdy zu Heino wechseln, und alles formvollendet. Das war wirklich „Sand im Getriebe der Verblödungsmaschine“ und sehr unterhaltsam. 

Traditionell stimmten alle Beteiligten ein gemeinsames „Stand by me“ an und freuten sich auf den Valentinstag 2019, denn da kommt die nächste Stimmflut.