Mutter und Tochter aus Eifersucht geschlagen? 20-Jährige vor dem Jugendschöffengericht Lingen

Von Anne Bremenkamp

Bei einem Fortsetzungstermin will das Jugendschöffengericht den Prozess gegen eine 20-Jährige noch einen Zeugen befragen. Symbolfoto: dpaBei einem Fortsetzungstermin will das Jugendschöffengericht den Prozess gegen eine 20-Jährige noch einen Zeugen befragen. Symbolfoto: dpa

Lingen   Überzogene Eifersucht hat vermutlich eine 20-jährige Frau vor das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Lingen gebracht, wo sie derzeit wegen zweifacher Körperverletzung sowie wegen Beleidigung angeklagt ist.

Der jungen Frau wird vorgeworfen, im Mai 2017 vor einer Asylunterkunft in Lingen eine damals 17-Jährige geschlagen und ihr einen Fausthieb versetzt zu haben, weil sie eine Beziehung des Mädchens zu ihrem Ex-Freund vermutete. Als die Mutter des mutmaßlichen Opfers eingreifen und die Kontrahentinnen trennen wollte, soll die Angeklagte auch diese mit Schlägen traktiert und dabei in Richtung der Tochter gerufen haben: „Ich töte deine Mutter!“ Die Mutter soll schließlich zu Boden gegangen sein. Der damalige Freund der Angeklagten, mit dem sich diese unmittelbar vor dem Vorfall noch gestritten hatte, soll die tätliche Auseinandersetzung zwischen den Frauen schließlich beendet haben.

Beleidigungen via Facebook

Laut Anklageschrift soll die 20-Jährige zudem einen Tag nach dem ersten Vorfall eine andere vermeintlich Geliebte ihres damaligen Freundes per Sprachnachrichten über Facebook übel beschimpft haben. Die Geschädigte stellte Strafanzeige.

Die Angeklagte bestritt, der Tochter einen Faustschlag verpasst zu haben. Sie behauptete, die Tochter sei zuerst auf sie losgegangen und dann sei es zu einer Rangelei gekommen. Als die Mutter eingeschritten sei, habe sie ihr an den Haaren gezogen, dementierte die 20-Jährige auch, die Mutter angegangen zu sein.

Diffuse Angaben

Zu dem Beleidigungsvorwurf machte die Angeklagte keine Angaben. Mutter und Tochter als mutmaßliche Opfer der Schlägerei machten in ihren Aussagen wenig detaillierte und diffuse Angaben, sprachen aber von Schlägen, die sie von der 20-Jährigen erhalten hätten. Die Mutter verwies auf einen vor Jahren erlittenen Schlaganfall und dadurch bedingte Erinnerungslücken. Die heute 18-jährige Tochter betonte: „Sie dachte, ich hätte mit ihrem Mann Kontakt, das war aber eine andere Frau.“ Ihre Mutter habe sie schon immer gewarnt, keinen Kontakt zur Angeklagten zu halten, da sie extrem eifersüchtig sei, schnell ausraste und immer Probleme mache. Die Zeugin gab zudem an, dass die Angeklagte nach dem Übergriff ein Glas zerbrochen und sich mit den Scherben in den Arm geritzt habe.

Fortsetzungstermin

Nach Verlesung des aufgezeichneten Sprachprotokolls der Beleidigungsäußerungen via Facebook unter einem anonymen Account-Namen sprach der Vorsitzende Richter von „charakterlich unterstem Niveau“ des Verfassers. „Wir haben hier heute alles Mögliche gehört, nur nicht die Wahrheit“, stimmten Gericht und Staatsanwaltschaft überein, die Verhandlung fortzusetzen. Gegen einen unentschuldigt nicht erschienenen Zeugen erließ das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft 150 Euro Ordnungsgeld, ersatzweise drei Tage Haft. Als unbeteiligter Beobachter der tätlichen Streiterei soll er im Fortsetzungstermin noch gehört werden.