Theaterstück „#Freundschaft“ In Lingen gibt es einen Lobgesang auf die Freundschaft

Von Elisabeth Tondera

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Die Leiter als Pferd oder als Fahrrad: Gilla Cremer spielt meisterhaft mit den wenigen Requisiten. Foto:  Elisabeth TonderaDie Leiter als Pferd oder als Fahrrad: Gilla Cremer spielt meisterhaft mit den wenigen Requisiten. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Ein Lobgesang auf die Freundschaft ist das Theaterstück „#Freundschaft“ der Hamburger Kammerspiele. Mit dem Stück ist Gilla Cremer im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe zu Gast gewesen.

In diesem Bühnensolo beleuchtet die Schauspielerin, musikalisch unterstützt von Gerd Bellmann, die unterschiedlichsten Facetten dieser zwischenmenschlichen Beziehung, die oft sogar über die Liebe gestellt wird. Freundschaft ist ein vielschichtiges Thema. Um es umfassend zu beleuchten, geht Gilla Cremer bis in die Antike zurück und zitiert unter anderem Aristoteles. Immer wieder streut sie Zitate bekannter Persönlichkeiten ein: „Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast“ (Albert Einstein) oder „Die Liebe ist aber nur so viel wert, als sie Freundschaft enthält, aus der allein sie sich immer wieder herstellen kann. Mit der Liebe der üblichen Art wird man nur abgespeist, wenn es zur Freundschaft nicht reicht“ (Bertolt Brecht).

Freundschaft von der Schulzeit bis ins Alter

Mit philosophisch-literarischen Gedanken und Songs – „You’ve a Friend“ (Carol King), „With a little help from my Friends“ (The Beatles) – untermalt Gilla Cremer die Geschichte der Freundschaft zwischen der Ich-Erzählerin Ruth, ihrer allerbesten Freundin Niwea, der zweitbesten Freundin Britta und dem zuverlässigen Freund Knut (dessen Existenz Gerd Bellmann musikalisch, mimisch und vielsagend nickend bestätigt). Es ist eine Freundschaft, die von der Schulzeit bis ins Alter fast ein ganzes Leben umfasst und verschiedene Phasen durchläuft.

Lange Freundschaft

Da sind die Schulmädchen, die auch dann zusammenhalten, wenn die anderen sich der Neuen in der Klasse zuwenden, weil diese zwei Ponys hat. Die Vier kurz vor dem Abi auf Borkum, wo sie in Stockbetten schlafen und drei unbeschwerte Wochen genießen, bevor das Leben sie auseinandertreibt. Die runden Geburtstage, bis zu Brittas 60., den sie wieder auf Borkum feiern, doch diesmal ohne Knut und ohne dass Ruth um die tödliche Krankheit ihrer besten Freundin weiß. Hat Freundschaft also Grenzen? Oder war es seitens Niwea der größte Freundschaftsbeweis, denn Ruth hätte ihre Schauspielpläne nicht verwirklicht, hätte sie von der Krankheit erfahren?

Großes Theater

Gilla Cremer erzählt und spielt die Geschichte auf einer fast leeren Bühne. Nur ein Seil und einige Aluleitern dienen ihr als Requisiten, aber wie sie damit umgeht, das ist großes Theater. Mal ist die Leiter ein Pferd, mal ein Fahrrad, dann ist es die Freundin oder ein imaginärer Partner, sie stapelt sie der Größe nach und baut ein Haus, ein Schiff und am Ende die Bahre für ihre tote Freundin. Sie spielt so überzeugend, dass man sich mit ihr und ihren Freundinnen, die sie alle darstellt, an den Schauplätzen der Geschichte glaubt. Die Schauspielerin gestaltet die Figuren mit der ihnen zustehenden Würde, aber auch mit sehr viel Wärme und Humor.

Melancholie und Humor

Die gesamte Inszenierung von Dominik Günther ist durchzogen von Melancholie und verschmitztem Humor. Das gilt auch für die Musik, die auch dann da ist, wenn der Musiker keine Taste berührt. Wenn Gerd Bellmann ein kleines Klavierstück oder Lied anstimmt, lädt er die Atmosphäre auf, und wenn er und Cremer zweistimmig singen, gehen die Herzen der Zuschauer auf, die diesen Abend dankbar genießen. Man hätte den beiden Künstlern ein ausverkauftes Theater gewünscht. Die Standing Ovations waren mehr als verdient.


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