Kunst im LWH in Lingen Das erwartet Besucher in der neuen Ausstellung „Angeschaut“

Von Margrit Lehmkuhl-Wiese

Ein Schauender, der auch angeschaut wird. Ein gelungenes Entree zur aktuellen Ausstellung im Ludwig Windthorst Haus, eröffnet von Dr. Michel Reitemeyer (links) und dem Künstler Pater Tobias Zimmermann SJ. Foto: Margrit Lehmkuhl-WieseEin Schauender, der auch angeschaut wird. Ein gelungenes Entree zur aktuellen Ausstellung im Ludwig Windthorst Haus, eröffnet von Dr. Michel Reitemeyer (links) und dem Künstler Pater Tobias Zimmermann SJ. Foto: Margrit Lehmkuhl-Wiese

Lingen. Ein Augenblick, das bedeutet nicht nur kurzes Innehalten und Sammlung des inneren Auges, sondern auch ein Blick auf visuelle Erscheinungen der Welt. Ein „Augenblick“ steht auch im Eingangsbereich des Ludwig-Windthorst Hauses (LWH) und ist Hinweis auf die Ausstellung „Angeschaut – Betrachtungen zur Bibel“ des Theologen und Künstlers Tobias Zimmermann SJ.

Der Farbdruck zeigt den Propheten Jeremias mit einem beobachteten Blick auf seine Umgebung, durchdrungen von Schrift, die Reflektion und Gedankenfülle ausdrücken. Das fordert die Besucher heraus, den ausgestellten Bildern, in der Regel Zeichnungen, aber auch Malerei sowie großformatige Drucke, aufmerksame „Augenblicke“ zu schenken. „Tobias Zimmermann ist ein Künstler, der Jesuit geworden ist, sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigt hat und während seiner Exerzitien Lebensspuren, die wach geworden sind, mit Zeichenstift und Pinsel zu Papier gebracht hat“ erläuterte Dr. Michael Reitemeyer, Leiter des Ludwig-Windhorst- Hauses in Lingen, zur Eröffnung der Ausstellung mit Bildern, die zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt werden und stellte ihn daneben auch als Rektor des Canisius-Kollegs Berlin und Dozent in der Lehrerfortbildung vor.

Visuelle Umsetzung

Der Künstler erklärte in seiner Vorstellung die Faszination für einen Zugang zur Bibel als Tor für persönliche Begegnungen und visuelle Umsetzungen und nutze sie als Buch voller Geschichten. Es handle sich dort um Biografien konkreter Menschen und sie seien damit voller Bilder, auch wenn die Form erst einmal das Wort sei, sagte er zur Einführung. Er hole bei seiner Begegnung mit dem biblischen Wort die Bilder aus dem Keller des Unterbewusstseins, frage sich, was der Mensch in der Welt sei und wie man werde, wie man sei. Bibelworte als unzensierte Bildwerdung aus dem Unterbewusstsein, für ihn der Resonanzboden des eigenen Lebens, umgesetzt in Visuelles.

Unzensierte Bildwerdung

Überprüft an den ausgestellten Bildern zeigt sich die Ausdrucksfindung eines Menschen. Sie spielen mit dem Overflow an vermeintlich bekannten Geschichten aus der Heiligen Schrift und öffnen Räume des bildnerischen Erlebens, die wir so aus dem großen Repertoire christlicher Motive in Zeichnung und Malerei noch nicht gesehen haben. Zimmermann genießt es, die Schwelle zu etwas Neuem zu überschreiten und ungewöhnliche Kombinationen mit ausdrucksstarkem Strich zum Betrachter sprechen zu lassen. „Einfach zulassen, was aus biblischen Geschichten in meinem Kopf entsteht“, erläutert er die Arbeitsweise und empfindet den daraus entstehenden Workflow als Gebet.

Eigenständige Umsetzungen

So entstehen eigenständige Umsetzungen und Interpretationen der Stoffe, parallele Handlungen, Überraschungen für die Betrachter und eine Art Kommentar aus dem Jetzt. Er weicht dem Abstrakten zugunsten der Realität aus, arbeitet figurativ und nutzt die Mittel der Zeichnung und Farbe ausdrucksstark aus. So zeigt sich starke Präsenz und formale Spannung in den Arbeiten. „Die Bilder sind ja wirklich expressiv“, meinten erstaunte Besucher in der Diskussion mit dem Künstler beim Gang durch die Ausstellung. Die hier gezeigten Bilder seien Teil und Blitzlicht eines sich ständig fortsetzenden Dialogs mit dem biblischen Wort, erläutert Zimmermann.

„Sie zeigen sicher viel von mir, sind aber hoffentlich viel mehr, nämlich für den einen oder anderen auch Türen zu eigener Anschauung und Betrachtung.“

Die Ausstellung ist noch bis 4. April 2018 zu sehen.