Projekt von Schülern BBS Agrar und Soziales in Lingen will Schule ohne Rassismus werden

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Die Schüler (von links) Ann-Christin Jacobs, Thomas Over und Esther Lindenberg möchten, dass die Berufsbildenden Schulen Agrar und Soziales in Lingen zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden. Foto: Wilfried RoggendorfDie Schüler (von links) Ann-Christin Jacobs, Thomas Over und Esther Lindenberg möchten, dass die Berufsbildenden Schulen Agrar und Soziales in Lingen zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Die Klasse 12.2 des beruflichen Gymnasiums Gesundheit und Soziales an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Agrar und Soziales Lingen möchte, dass ihre Schule mit dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet wird. Der Weg dorthin ist weit.

Die beiden 18-jährigen Schülerinnen Esther Lindenberg und Ann-Christin Jacobs sowie ihr ein Jahr jüngerer Klassenkamerad Thomas Over hoffen, dass die Auszeichnung noch vor den Sommerferien 2018 verliehen wird. Die drei gehören einer von neun Projektgruppen an, die die Klasse gebildet hat, um dieses Ziel zu erreichen. „Unsere Aufgabe ist es, die Arbeiten der anderen Gruppen zu koordinieren, die für den 12. und 13. März geplanten Projekttage, bei denen die anderen Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren, zu organisieren und Sponsoren zu suchen“, erklärt Lindenberg.

Selbstverpflichtung unterschreiben

Schon in ihren Facharbeiten im vergangenen Jahr haben die Schüler sich theoretisch mit dem Thema Rassismus beschäftigt. „Die Auszeichnung zu organisieren, ist jetzt der praktische Teil“, sagt Jacobs. Dazu seien nicht nur die Projekttage Pflicht. „70 Prozent der Schüler, Lehrer und Mitarbeiter müssen unterschreiben, dass sie sich den Zielen einer ‚Schule ohne Rassismus‘ verpflichtet fühlen“, erläutert Jacobs. Rassismus überwinden, bei Fällen von Rassismus einzuschreiten und einmal im Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchzuführen, sind Inhalt der Selbstverpflichtung. „Die Projekttage im März wollen wir mit Plakaten, Filmen und anderen Präsentationsformen nutzen, um alle an der Schule auf das Thema aufmerksam zu machen“, sagt Over, der glaubt, dass dann spätestens drei Wochen nach den Osterferien die erforderliche Anzahl an Unterschriften auch erreicht sein wird.

Rassismus Bestandteil der Gesellschaft

Lindenberg findet das Thema Rassismus aktuell und wichtig: „Rassismus ist allgegenwärtiger Bestandteil der Gesellschaft, auch wenn man das oft nicht mitbekommt.“ Er sei nicht immer absichtlich. „Rassismus kann auch mal durch einen dummen Spruch entstehen.“ Over ist überzeugt, dass es auch an den BBS, bedingt durch die hohe Zahl an Flüchtlingen, die dort unterrichtet werden, jedenfalls Vorurteile gegen sie gibt.

Zehn Prozent der Schüler haben Migrationshintergrund

Von den rund 3000 Schülern, die am gemeinsamen Standort der BBS Agrar und Soziales sowie Technik und Gestaltung unterrichtet werden, haben knapp zehn Prozent einen Migrationshintergrund. „Auf dem Schulhof fällt es schon auf, wenn die in Gruppen zusammenstehen“, bestätigt Schulleiterin Petra Niewiera. Schulsozialpädagogin Katharina Thomas pflichtet Over bei: „Rassismus ist ein ländliches Phänomen. Oft hört man: ‚Ich bin ja kein Rassist, aber ...‘ Das gibt es auch bei uns an der Schule.“

Die Schüler haben unter den Flüchtlingen an der Schule eine Fragebogenaktion durchgeführt. „Dabei ist herausgekommen, dass viele schon einen Beruf oder eine Ausbildung haben“, sagt Jacobs. So gebe es einen Afghanen, der in seinem Heimatland Grafikdesigner gewesen sei. „Der gestaltet uns jetzt Flyer für unser Projekt“, erklärt die Schülerin.

Comedian Fabian Köster soll Pate werden

Seit Anfang November investieren die Schüler der Klasse 12.2 zwei Unterrichtsstunden wöchentlich in das Projekt. „Jetzt in der heißen Phase kommen noch zwei bis drei Stunden wöchentlich in der Freizeit dazu“, beschreibt Jacobs das Engagement der Schüler. Dazu gehört auch die Suche nach Sponsoren und Paten“, erläutert Lehrerin Annika Beitz, die das Projekt betreut. Neben einer Gruppe Lingener Bands haben die Schüler auch bei einem Prominenten als Paten angefragt: Comedian Fabian Köster, unter anderem bekannt aus der „ZDF-heute-Show“.


„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Bei „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ handelt es sich um ein 1995 bundesweit gestartetes Projekt. Es bietet Schülern die Möglichkeit, sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt an ihrer Schule zu wenden. Der Titel ist kein Preis und keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit, sondern eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft. Eine Schule, die den Titel trägt, ist Teil eines Netzwerkes, an dem sich aktuell deutschlandweit 2622 Schulen beteiligen. In Lingen sind bislang das Gymnasium Georgianum und die BBS Technik und Gestaltung Teil des Netzwerkes. Die Schulen müssen jährlich über die von ihnen durchgeführten Projekte berichten. Solange sie den Nachweis erbringen, Projekte zum Thema organisiert zu haben, dürfen sie den einmal verliehenen Titel tragen.

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