Bei möglichem Reaktorunfall Niederländer kritisieren Katastrophenpläne im Emsland

Von dpa

Jodtabletten werden im Bereich des Kernkraftwerkes Emsland in Lingen nicht präventiv verteilt. Foto: Sven LampeJodtabletten werden im Bereich des Kernkraftwerkes Emsland in Lingen nicht präventiv verteilt. Foto: Sven Lampe

Den Haag/Lingen. Die Niederlande, Belgien und Deutschland müssen ihre Zusammenarbeit für den Fall eines Reaktorunfalls nach Ansicht niederländischer Sicherheitsexperten verbessern.

Die Länder müssten ihre Katastrophenpläne besser abstimmen und die Bürger besser informieren, teilte der niederländische Untersuchungsrat zu Sicherheitsfragen am Mittwoch in Den Haag mit. Das Gremium stellte die Ergebnisse einer umfangreichen Studie vor, die anlässlich schwerer Sicherheitsmängel bei zwei belgischen Kernkraftwerken im Grenzgebiet in Auftrag gegeben worden war.

„Unterschiedliche Maßnahmen“

„Der Untersuchungsrat stellt fest, dass die Zusammenarbeit auf Papier zum Teil geregelt ist, aber wahrscheinlich nicht gut verlaufen wird, wenn tatsächlich ein Nuklearunglück geschieht“, heißt es in dem Bericht. So ergriffen etwa alle drei Länder unterschiedliche Maßnahmen, um Bürger vor Strahlungen zu schützen.

Niederländer verteilten Jodtabletten

Dies zeigte sich vor zwei Jahren auch im Umkreis des Atomkraftwerks Emsland in Lingen. Die Niederlande entschieden, Jodtabletten an Anlieger zu verteilen. 100 Kilometer um das Kraftwerk bei Lingen sollten junge Leute bis 18 und Schwangere vorsorglich mit den Tabletten versorgt werden. 2015 waren bereits Tabletten an rund 7000 Anlieger bis 40 Jahren im Umkreis bis 25 Kilometer verteilt worden. Die Tabletten sollen nach einem Atomunfall verhindern, dass der Körper radioaktives Jod aufnimmt. In Niedersachsen werden Tabletten derzeit grundsätzlich bei den Katastrophenschutzbehörden und in zwei Zentrallagern bereit gehalten, erklärte das Innenministerium. Im Bedarfsfall werden die Tabletten verteilt. Eine präventive Verteilung an die Anrainer gibt es nicht.