Nach Gespräch mit Pastor JVA-Insasse „beichtet“ Diebstähle in Lingen

Von Anne Bremenkamp

Mit einem Brecheisen hatte sich der geständige Dieb Zugang zu einem Bahnhofsgebäude gemacht – seine Beute belief sich dort auf acht Euro. Andernorts, wo er auch als Angestellter arbeitete, hatte er mehr Erfolg. Symbolfoto: ColourboxMit einem Brecheisen hatte sich der geständige Dieb Zugang zu einem Bahnhofsgebäude gemacht – seine Beute belief sich dort auf acht Euro. Andernorts, wo er auch als Angestellter arbeitete, hatte er mehr Erfolg. Symbolfoto: Colourbox

Lingen Das Gespräch mit einem Pastor in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Groß-Hesepe hat einen 31-jährigen Insassen dazu bewogen, per Brief der Polizei ihm bis dato nicht angehängte Straftaten zu „beichten“. Nun folgte das Urteil vor dem Amtsgericht Lingen.

Der reuige Mann wurde jetzt vom Schöffengericht des Amtsgerichts Lingen wegen vierfachen besonders schweren Diebstahls sowie unter Einbeziehung eines vorangegangenen Urteils zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung erklärten Rechtsmittelverzicht, das Urteil ist rechtskräftig.

Geld aus Restaurant gestohlen

Nicht nur gegenüber der Polizei, sondern auch im Gerichtssaal zeigte sich der mehrfach einschlägig Vorbestrafte umfassend geständig, im Jahr 2016 in Lingen mehrfach auf Diebestour gegangen zu sein, dabei einen nicht unerheblichen Sachschaden angerichtet und Bargeld in einer Gesamthöhe von rund 3600 Euro entwendet zu haben. So hatte der 31-Jährige als Angestellter eines Gastronomiebetriebs während seiner Arbeitszeit ein Toilettenfester des Restaurants geöffnet, war nach Feierabend dort eingestiegen und hatte eine Geldkassette mit etwa 400 Euro sowie Tageseinnahmen und Trinkgelder in Höhe von etwa 1100 Euro entwendet.

Diebstahl auf Anglermesse

Als Angestellter eines Sicherheitsdienstes hatte der Angeklagte während seiner Nachtschicht auf einer Anglermesse rund 2000 Euro Wechselgeld gestohlen, aus einem aufgebrochenen Fotoautomaten hatte er gut 100 Euro entnommen. Mit einem Brecheisen hatte er sich zudem Zugang zu einem Bahnhofsgebäude verschafft, wo er mit den Schlüsseln aus einem dort befindlichen Schlüsselschrank alle Aufenthaltsräume und Umkleiden geöffnet, letztlich aber nur acht Euro erbeutet hatte.

Psychische Vorerkrankungen

„Mir hat Geld gefehlt, ich habe mir dementsprechend welches verschafft“, sagte der Angeklagte und verwies darauf, dass er seit 15 Jahren spielsüchtig sei. Zudem sei er psychisch krank, leide an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Mittlerweile sei er medikamentös eingestellt. Früher aber habe er sich aufgrund seiner seelischen Erkrankung regelmäßig selbst verletzt, bis er bemerkt habe, dass er diesen Zwang nicht verspüre, wenn er spiele.

„Suchtverlagerung nennen das die Therapeuten“, meinte der 31-Jährige, der von drei begonnenen Spielsucht-Therapien eine abgeschlossen hat, aber nicht mit dem gewünschten Erfolg. Nach seiner Haft möchte er eigenen Angaben zufolge eine weitere Therapie antreten. Zurzeit sitzt er wegen ähnlich gelagerter Diebstahlstaten eine im Juli 2017 vom Amtsgericht Lingen verhängte Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten ab, welche in das jetzt gebildete Gesamtstrafenurteil von zwei Jahren und sechs Monaten mit einbezogen wurde.