Im mittleren und südlichen Emsland Umfrage im Handwerk: Sorgen trotz gut gefüllter Auftragsbücher

Von Thomas Pertz


Lingen. Gut gefüllte Auftragsbücher, gleichwohl nicht frei von Sorgen: So lässt sich die Stimmungslage des Handwerks im Bereich der Kreishandwerkerschaft Mitte-Süd beschreiben. Dieser umfasst das südliche und mittlere Emsland.

Traditionell startet die Kreishandwerkerschaft am Jahresanfang eine Konjunkturumfrage bei den Mitgliedsbetrieben. Den Fragebogen hatte sie Ende Dezember 2017 verschickt. Rund 800 Unternehmen wurden angeschrieben. Im Gespräch mit der Redaktion erläuterten Hauptgeschäftsführer Horst Hagemann und die beiden Kreishandwerksmeister Andreas Nünemann (Haren) und Georg Kall (Thuine) Einzelheiten des Auswertungsergebnisses.

Wirtschaftlichen Lage positiv

Danach schätzen derzeit fast 82 Prozent der Betriebe ihre wirtschaftliche Lage als gut bzw. sehr gut ein, knapp acht Prozent mehr als vor einem Jahr. Bei 31 Prozent der Unternehmen reicht der Auftragsbestand für einen Zeitraum von über acht Wochen, ein Plus von fast fünf Prozent. 80,6 Prozent der Betriebe schätzen, dass die Auftragslage auch in den nächsten drei Monaten weiter gleich oder besser (10,7) sein wird.74 Prozent, elf Prozent mehr als bei der letzten Umfrage, bejahen die Frage, ob sie auch Lehrlinge einstellen würden. 33 Prozent erklären gleichzeitig, dass sie derzeit allerdings keinen geeigneten Azubi finden würden. Bei der letzten Umfrage war die Zahl ähnlich hoch.

Betriebe finden keine Azubis

Angesichts der Tatsache, dass die Zahl junger Menschen im Emsland und damit möglicher Bewerber um einen Ausbildungsplatz nach Angaben von Hagemann aufgrund des demografischen Wandels in den nächsten Jahren weiter sinken wird, könnte dieses Problem  anwachsen. Ein Hinweis ist die geringere Zahl an abgeschlossenen Ausbildungsverträgen auf etwa 460, ein Minus von acht Prozent.

Kall: Um junge Leute kümmern

In diesem Zusammenhang forderte Kall, dass sich die Betriebe noch stärker als bislang um die jungen Leute kümmern müssten. Darauf verwies auch Nünemann, wie sein Kollege Kall Bauunternehmer. Es gehe um Wertschätzung, da sei auch der Betriebsleiter selbst gefordert. Unter den jungen Leuten spricht sich in den sozialen Netzwerken nach Angaben der Gesprächspartner schnell herum, welcher Betrieb sich kümmert und welcher eher weniger.

Fachkräftemangel wird unterschiedlich gesehen

Verwunderlich auf dem ersten Blick ist der deutliche Rückgang der Unternehmen, die die Frage bejahen, ob ihr Unternehmen von einem Fachkräftemangel betroffen sei. Während vor einem Jahr noch 83 Prozent diese Frage bejahten, antworteten mit Ja nun noch 59 Prozent. Auf die einzelnen Branchen bezogen fällt das Ergebnis der Umfrage aber unterschiedlich aus. So klagen in den Bereichen Elektro und Sanitär, Heizung, Klima (SHK) über 80 Prozent der Betriebe über Fachkräftemangel.

Die Kreishandwerkerschaft sieht in diesen Zahlen einen Hinweis darauf, dass sich die Betriebe mit der Situation arrangieren würden. „Es ist die Erkenntnis, mit dem, was man hat, auszukommen“, sagte Nünemann. Wenn ein Unternehmen beispielsweise keinen Polier bekomme, versuche es, einen eigenen Mitarbeiter entsprechend weiterzuqualifizieren.  

Deutlich zurückgegangen ist laut Umfrage die Bereitschaft zur Ausbildung von Flüchtlingen/Asylbewerbern. Hatten im Vorjahr noch 21 Prozent mit Ja geantwortet, waren es jetzt noch knapp zehn Prozent. Hagemann sprach von einer „Anpassung an die Realität“. Insbesondere fehlende Sprachkenntnisse seien eine Hürde, um eine anspruchsvolle Ausbildung im Handwerk absolvieren zu können. Bei Flüchtlingen komme häufig auch eine mangelnde Bereitschaft zur Ausbildung hinzu. Der Wunsch, über eine ungelernte Tätigkeit schneller Geld zu verdienen, sei größer. Gering Qualifizierte im Handwerk seien aber keine Lösung.

Ist ihr Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen? Konjunkturumfrage 2017/18 der Kreishandwerkerschaft Emsland Mitte-Süd Quelle: Kreishandwerkerschaft Emsland Mitte-Süd • Foto: colourbox.de • Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

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