Zeugnisvergabe in Niedersachsen Kritik des Kreiselternrates: Gespräch über Noten als „Pokerrunde“

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nur einzelne Grundschulen arbeiten ohne Zensuren. Schade, findet das Marc Hofstee vom Kreiselternrat. Foto: Julia MauschNur einzelne Grundschulen arbeiten ohne Zensuren. Schade, findet das Marc Hofstee vom Kreiselternrat. Foto: Julia Mausch 

Lingen. An diesem Mittwoch erhalten die Schüler in Niedersachsen ihre Halbjahreszeugnisse. Nur einzelne Grundschulen arbeiten komplett ohne Zensuren. Schade, findet Marc Hofstee vom Kreiselternrat.

Schon seit Längerem bekommen in Niedersachsen Schüler in der ersten und zweiten Klasse keine Schulnoten, sondern Zeugnisse in Berichtsform. Im Juni 2016 hat Kultusministerin Frauke Heiligenstadt es den Grundschulen mit einem Erlass freigestellt, per Konferenzbeschluss zu entscheiden, ob sie auch in der dritten und vierten Klasse auf Schulnoten verzichten wollen. Marc Hofstee, der kürzlich erneut für zwei Jahre in den Kreiselternrat im Emsland gewählt wurde, bezeichnet den Konferenzbeschluss als „gute Idee“. „Ein Kind mit einer Zahl zu beurteilen wird keinem Kind gerecht“, sagt der Emsbürener, der selbst Vater von acht Kindern ist. (Weiterlesen: Was man über die Vergabe der Zeugnisse wissen muss)

Nicht nur Lernergebnis wird beleuchtet

Eine Zahl ist in den Augen von Hofstee absolut und lasse keinen Spielraum zu. Berichtszeugnisse seien eine gute Möglichkeit, Kinder mit individuellem Förderbedarf mitzunehmen. Marc Hofstee ist sich bewusst, dass Berichtszeugnisse für Lehrkräfte Mehrarbeit sind, jedoch wird im Gegensatz zu Notenzeugnissen in den Berichten auch der Lernprozess beleuchtet und nicht nur das Ergebnis.

Gespräche mit Lehrern sind Pokerrunde

Eine ausschließliche Leistungsbewertung in Berichtsform stößt bei etlichen Lehrern, Eltern und Politikern auf Kritik. In ihren Augen sind Lernentwicklungsgespräche neben der Notenvergabe ausreichend. Gerade die Lernentwicklungsgespräche kurz vor der Zeugnisvergabe sieht Hofstee kritisch. Er bezeichnet sie als „Pokerrunde: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass oftmals Eltern diese Gespräche nur dazu nutzen, um mit Lehrern über die Note zu verhandeln.“

Immer weniger Auszubildende im Handwerk

Das Ziel der Eltern: bestmögliche Noten für das eigene Kind, um so die Laufbahn für das Gymnasium, das Abitur und womöglich das Studium zu ermöglichen. Marc Hofstee sieht den Trend zum Abitur und Studium kritisch, ebenso der Zentralverband des Deutschen Handwerks, der immer weniger Nachwuchs verzeichnet. Seit Beginn dieses Jahrzehnts ist die Zahl der jährlich neu eingestellten Auszubildenden um mehr als 70.000 zurückgegangen. „Es ist schade, dass der Meister geringer geschätzt wird als ein Studium“, sagt Hofstee.

Schüler auf das Leben vorbereiten

Schülern müssten alternative Ausbildungswege aufgezeigt werden. Genauso müssten sie besser auf das Leben nach der Schule vorbereitet werden. Der Emsbürener bezieht sich auf den Twitter-Post einer Schülerin aus Köln aus dem Jahr 2015, der es in seinen Augen auf den Punkt bringt. Sie schrieb damals: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ In den sozialen Netzwerken erhielt sie eine sehr große Zustimmung.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN