Zeit verbringen in Liebeslingen Aleardi und die Phonauten rocken das Theater

Von Sebastian Von Melle


Lingen. Die Männer im gut gefüllten Theater an der Wilhelmshöhe mussten bei der 26. Benefizveranstaltung des Fonds für Krebskranke Lingen stark sein, denn ihre Frauen lagen nur einem zu Füßen: Pasquale Aleardi, dem Schauspieler („Kommissar Dupin“) und Gesangstalent.

Zusammen mit den „Phonauten“ Marc „Mary“ Leymann und Jörg „Spike“ Hamers performte er seine aus Soul, Pop und Funk gemischte „Antidepressionsmusik“ so charmant, dass der Veranstalter fast in den Hintergrund geriet. Die Vorsitzende Tina Scharrenbroich und ihr Stellvertreter Manfred Möheken konnten stolz sein auf dieses wunderbare Event.

Gut gelauntes Augenzwinkern

Beide begrüßten ebenso charmant viele Ehrenamtliche und Unterstützer, deren größtes Glück darin besteht, Erkrankten in ihrer Not neue Perspektiven zu eröffnen. Geehrt wurden Nadine Berning und Cornelia Schulz für ihr freiwilliges Engagement im Präventionsprogramm „Mamma Care“ zur Brustkrebs-Früherkennung. Erwähnt wurden auch Handruper Grundschüler, die ihre Klassenkasse für den Fonds geplündert hatten. Der Schirmherr, Oberbürgermeister Dieter Krone, warb um großzügige Fütterung der Sparschweine im Foyer und bezeichnete Aleardi, den Schweizer mit italo-griechischen Wurzeln, als Tausendsassa und Frauenschwarm, dessen deutsch getextete Eigenkompositionen eine charmante Doppelbödigkeit offenbarten: „Gut gelauntes Augenzwinkern veredelt den tiefsinnigen Blick auf Zwischenmenschlichkeiten“, so Krone.

Bodypercussion und Nasenflöten

„So toll sind wir noch nie angekündigt worden“, konterte die von Aleardi so genannte „bösartige Mary“ alias Marc Leymann. Was der OB alles gesagt habe, wüssten sie selber noch nicht. Gut gelaunt moderierten alle drei Künstler ihr Programm und brachten einen guten Song nach dem anderen. „Ich bin Retro, und das ist gut so“, ein hintersinniger Appell, auch mal offline zu sein. Aus dem Retro-Recorder kamen die ersten Takte von „Why did you do it“, und mit viel Bodypercussion und Nasenflöten-Soli konnte jeder der „drei Verrückten“ mal so richtig zeigen, wie verrückt sie wirklich sind. Nasenflöten? Die seien das Antidepressivum schlechthin, so Aleardi. „Mit der Nase wird die Luft geblasen und mit dem Mund der Ton geformt. Wenn man das hinkriegt, ist man einfach glücklich!“

Witzig und intelligent

Der wegen seiner dunklen Haarpracht auch „Black Beauty“ genannte Schöne suchte immer wieder die Nähe zum Publikum, besonders zu Katharina in der ersten Reihe. „Da musst du rangeh’n, die musst du dir anseh’n“, und das Besondere war, dass hier ein prominenter Schauspieler sich von einer ganz neuen Seite zeigte, und das auf eine witzige Art, die stets intelligent blieb. Sehr schön auch die Funk-Nummer „Weil ich fliegen kann“ oder der Song über „Maurizio Marquez, er kriegt sie alle“. Aus dem Film „Für Emma und ewig“ stammte die berührende Ballade „Ein bisschen für immer“. Ja, mit Pasquale Aleardi ließ sich auch gut schwelgen.

Musikalisches Talent und Entertainment

Der in über 80 Film- und Fernsehproduktionen erfolgreiche und spätestens seit seinem Engagement am New Yorker Broadway im Musical „Chicago“ als Sänger gefeierte Star setzte sein musikalisches Talent auch in Szene bei so starken Songs wie „Illusionen“, „Auf’m Weg“ oder „Braun wie James“, einer Hommage auf den Godfather of Soul, James Brown („Sex Machine“).

„Liebes Lingen“

Entertainment boten die Phonauten mit dem Männer-WG-Quiz („Wo fühlt sich der Mann am wohlsten?“), der bei Pasquale sehr ausgeprägten Schauspielerkrankheit „Kinski-Tourette“, bei Sagrotan-Werbesprüchen oder bei einem perfekt synchronisierten Auszug aus „Dschungelbuch“. Dabei stand immer die Interaktion mit den begeisterungsfähigen Emsländern im Vordergund, was seinen Höhepunkt fand in dem Bekenntnis: „Liebes Lingen, hier möcht‘ ich meine Zeit verbringen.“ Mary meinte trocken, das klinge wie ein Gedicht von Ringelnatz.

Autogramme und groovige Songs

Zeit verbrachten Künstler, Fans und Freunde des Fonds für Krebskranke noch reichlich im Foyer, wo Nasenflöten und Autogramme verteilt wurden und das Geschwister-Duo Helena Lerch und Manuel Hagen groovige Songs präsentierten. Auch hier überzeugten die Phonauten durch ihre sympathische Nahbarkeit und Frische. Und fast sah es so aus, als habe Dieter Krone bereits den nächsten Auftritt in „Liebeslingen“ vereinbart.