„Amazing Shadows“ in Lingen Akrobatische Leistung überzeugt – Story mit zu viel Kitsch

Von Elisabeth Tondera

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„Amazing Shadows“ im Theater: Erstaunliche Schattenbilder gestalteten die Künstler der Performancegruppe „The Silhouettes“. Foto: Elisabeth Tondera„Amazing Shadows“ im Theater: Erstaunliche Schattenbilder gestalteten die Künstler der Performancegruppe „The Silhouettes“. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Der Titel täuscht nicht: „Amazing Shadows“ ist wirklich erstaunlich. Das Schattentheater beziehungsweise die Schattentanztheatershow, die das Ensemble „The Silhouettes“ im gut besuchten Lingener Theater präsentierte, ist faszinierend, großartig, umwerfend.

Zumindest, was die tänzerisch-akrobatische und darstellerische Leistung der Akteure und die von ihnen erzeugten Schattenbilder angeht. Die US-Performancegruppe unter der Regie von Lynne Waggoner-Patton hat es 2016 bei der Fernsehshow „America’s Got Talent“ bis ins Finale geschafft und ist zurzeit auf Deutschlandtournee.

Klare Schattenbilder

Das aus dem Fernen Osten stammende Schattentheater war bis in die 1980er Jahre Figurentheater. Auch nach der Erfindung der Glühbirne musste der Spieler die in der Regel flache Figur eng am Schattenschirm führen, um eine scharfe Schattenkontur zu erzeugen. Erst seit punktförmige Lichtquellen verwendet werden, ist es möglich, klare Schattenbilder unabhängig von der Entfernung des Objektes zur Leinwand zu erzeugen.

Bilder wechseln in Sekundenschnelle

Wie die Künstler aus den USA es schaffen, mit der Silhouette ihrer eigenen Körper präzise Schattenbilder zu erschaffen, grenzt an Zauberei. Sie erscheinen nicht nur als menschliche Figuren, sondern kreieren mit ihren Körpern Tiere und Pflanzen, Buchstaben und Symbole, Gebäude und sogar ganze Landschaften. Die Bilder wechseln in Sekundenschnelle und gehen teilweise fast übergangslos ineinander über.

Besondere Note

Dabei bekommen die Zuschauer jedes Mal mit, wie die Akteure sich zu einer Figur, einem Baum, einem Pferd, Hund, Kamel oder zu einem Boot vereinen und anschließend wieder lösen. Dies macht den Entstehungsprozess der Schatten sichtbar, ohne die Illusion zu zerstören. Die gespielte Geschichte, ergänzt durch Videoprojektionen, atmosphärisch passende Musik und wenige Requisiten bekommt dadurch eine ganz besondere Note.

Märchenhafte Geschichte

Erzählt wird die märchenhafte Geschichte von John und Amilie, die seit ihrer Kindheit Freunde und später Liebende sind. Sie gehen gemeinsam auf eine Weltreise, danach trennen sich ihre Wege. Während John einsam über die Weltmeere segelt, macht Amilie Karriere in Hollywood und am Broadway, gerät dabei in üble Abhängigkeiten (diese Bilder ließen an die aktuelle #MeToo-Debatte denken). Da kehrt John gerade rechtzeitig zurück und rettet sie. Die Liebe entflammt neu, beide heiraten, machen eine Deutschlandreise, ein Baby kündigt sich an. Vor dem Happy End gibt es noch eine weitere dramatische Entwicklung: John wird durch einen Unfall gelähmt, lässt jahrelang niemanden an sich heran, bis sein Kind ihn wieder ins Leben zurückholt.

Überflüssiger „Zuckerguss“ am Ende

Gegen Ende erreicht die Geschichte ein Herz-Schmerz-Kitsch-Niveau, das jede „Traumschiff“- oder Rosamunde Pilcher-Episode in den Schatten stellt. Untermalt von sentimentaler Musik fliegen immer wieder pastellfarbige Herzen über die Leinwand, rührselige Szenen drücken auf Tränendüsen. Schade, denn das, was die Künstler tänzerisch, akrobatisch und darstellerisch leisten, ist grandios. Auch die einzelnen Episoden der Geschichte bieten schöne, anrührende, bewegende und auch humorvolle Momente. Der „Zuckerguss“ wäre nicht nötig gewesen.


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