Gelungenes Debüt Lulzim Bucaliu dirigiert Lingener Neujahrskonzert



Lingen. Wie lange wünscht man sich in Lingen ein gutes neues Jahr? Bis zum Radetzky-Marsch als obligatorische Zugabe beim Neujahrskonzert des Lingener Kammerorchesters. Auch unter der Leitung seines neuen Dirigenten machte dieser Pflichttermin im ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe allenthalben große Freude.

Lulzim Bucaliu liebte den Taktstock zunächst mehr als das Mikrofon. Etwas zurückhaltend moderierte er sein eigenes Debüt als Mann am Pult, nachdem der langjährige Leiter Olaf Nießing ins Ausland gegangen war. Das Dirigat des gelernten Klarinettisten aber ließ nichts zu wünschen übrig. Mit Verve und großer Souveränität hielt er den Klangkörper zusammen und ließ sich auch durch vereinzelte Wackler in Rhythmus oder Intonation nicht aus der Ruhe bringen.

„Mit dem Ostwind“

Das Programm verband Altbekanntes und auch schlummernde Perlen der osteuropäischen Orchestermusik und verhieß eine frische Brise „mit dem Ostwind“, so das Motto. Angststücke gab es nicht, alles war dem Niveau des seit über 50 Jahren etablierten Lingener Kammerorchesters angemessen. Tschaikowski setzte den Rahmen mit dem „Danse Hongroise“ aus „Schwanensee“ zu Beginn und dem „Trepak“ aus „Der Nussknacker“ am Ende. Dazwischen Bartóks „Rumänische Volkstänze“, authentische Bauernmusik, frei von Sentimentalität und überflüssigem Geschnörkel. Auch die Romantik hatte Platz mit Dvoráks „Slawischen“ und Brahms‘ „Ungarischen Tänzen“. Johann Strauß (Sohn) war vertreten mit seiner „Schnell-Polka“ und dem großartigen, leider nicht mehr ganz konzentriert interpretierten „Kaiserwalzer“ als erste Zugabe.

Ausgezeichnete Tänze

Apropos Walzer: Bei diesem Neujahrskonzert hatte die Tanzgalerie Lorenz wesentlichen Anteil an der Lebendigkeit der Aufführung. Sowohl Svetlana Lorenz‘ Showgruppe (elf junge Frauen und immerhin fünf junge Männer) als auch Caroline Lemm, genannt „Laetizia“, und ihre Damen des Ensembles „Harizza“ tanzten zu einzelnen Orchesterstücken formvollendet, anmutig und wunderbar kostümiert, sodass sich die Sinneseindrücke für Auge und Ohr hervorragend ergänzten. Vittorio Montis „Csárdás“ wurde solistisch von Felix Hammer auf seiner Geige und Laetizia auf ihren Beinen ausgezeichnet präsentiert.

Kammerorchester auf dem Höhepunkt

Bei Dvoráks „Slawischem Tanz“ op. 72,7 entwickelte sich eine Furiosität, dass Lulzim Bucaliu feststellen musste, das Kammerorchester befände sich jetzt auf seinem Höhepunkt. Am Schluss bestand er seine Feuertaufe mit einer frei improvisierten, sympathischen Moderation, in der er bekannte, sich im siebten Himmel zu wähnen, denn die Rolle des Dirigenten fühle sich gut an. Wir wünschen dem Lingener Kammerorchester und der Tanzgalerie Lorenz ein gutes neues Jahr und gratulieren zu dieser gelungenen Kooperation.


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