Weg ist das Ziel Schwede ist mit Fahrrad-Taxi in Lingen unterwegs

Unterwegs durch Europa: Carl Wachtmeister aus Schweden. Am Wochenende war er auch in Lingen mit seinem Fahrrad-Taxi unterwegs, bevor er sich am Montag auf den Weg nach Nordhorn machte. Foto: Thomas PertzUnterwegs durch Europa: Carl Wachtmeister aus Schweden. Am Wochenende war er auch in Lingen mit seinem Fahrrad-Taxi unterwegs, bevor er sich am Montag auf den Weg nach Nordhorn machte. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Der Weg ist derzeit sein Ziel, irgendwo mal zu bleiben sein Wunsch: Der Schwede Carl Wachtmeister ist mit seinem Fahrrad-Taxi quer durch Europa unterwegs. Vergangenes Wochenende war der 53-Jährige mit seiner Rikscha auch in Lingen, bevor er am Montag Richtung Nordhorn weiterfuhr.

„Wachtmeister“, das klingt ziemlich Deutsch. Der Schwede, der aus Uppsala kommt, schmunzelt und berichtet am Montag bei einem Besuch der Redaktion in sehr gutem Deutsch von seinen Vorfahren, die aus diesem Land kommen. Die Sprache habe er aber in erster Linie durch einen längeren Aufenthalt in Österreich gelernt.

Aufenthalt im Korczak-Haus

Wachtmeister kommt beruflich aus der Landwirtschaft. Sein Großvater hatte, wie der 53-Jährige erzählt, in Schweden einen Bauernhof. „Ein kleiner Bauernhof mit Bäckerei, das wäre mein Traum“, sagt er bei einem dampfend heißen Kaffee. Die Kälte in diesen Tagen, wenn er mit seinem Rad auf den Straßen unterwegs ist, setzt ihm zu. Froh war der Schwede, dass er während seines Aufenthaltes in Lingen im Korczak-Haus des SKM an der Rheiner Straße übernachten konnte. „Die Leute da waren sehr freundlich zu mir, wie überhaupt die Bürger in Lingen, mit denen ich gesprochen habe“.

Pro Minute einen Euro

Auch dort hatte er seinen Taxidienst auf zwei Rädern angeboten – drei Euro beim Start und dann pro Minute einen Euro. „Arbeiten und schwitzen für mein tägliches Brot“, nennt er das. Viele Touren waren es nicht, mit denen er sich etwas dazuverdienen konnte, aber ein paar Euro eben schon. Zum Beispiel von der Innenstadt zum Linus-Schwimmbad. Die Gespräche in der Rikscha unterwegs empfindet der Schwede als sehr bereichernd. Ein Bürger habe mit ihm viel über die Politik in Deutschland gesprochen und ihn anschließend zum Kaffee eingeladen.

Zeichen für den Umweltschutz

Auch er selbst und sein ungewöhnliches Verkehrsmittel sind bei solchen Fahrten natürlich Thema der Gespräche. Dass er mit seiner umweltschonenden Art der Fortbewegung auch ein Zeichen für den Umweltschutz setzen will, sagt er dann. „Wir können bis zum Mond fahren, sollten uns aber viel mehr um unsere Erde kümmern“, meint der Schwede. Tibet, wo er nach eigenen Angaben ein Hilfsprojekt organisiert hat, und dessen weltliches und geistliches Oberhaupt, der Dalai Lama, beschäftigen ihn ebenfalls. Er sei ein evangelischer Christ, sagt er. Jeder sei aber verantwortlich, entrechteten Menschen zu helfen.

Start im schwedischen Uppsala

Im November 2017 war Carl Wachtmeister von Uppsala aus aufgebrochen. In Dänemark kaufte er sich das Fahrrad, das er zu einem Fahrradtaxi umbaute. Unterwegs verdiente er sich etwas durch den Job auf zwei Rädern, bis das Geld für die Fähre nach Deutschland reichte. Weihnachten in Hamburg, Silvester und Neujahr in Bremen, nun das Emsland und die Grafschaft – so lauten die nächsten Etappen. Weiter soll es dann gehen nach Paris. Und dann Richtung Süden, wo es wärmer ist und wo er hofft, einen Gelegenheitsjob zu finden.

Einsame Form der „Freiheit“

Der 53-Jährige schwingt sich auf den Sattel der Rikscha und fährt Richtung Konrad Adenauer-Ring. Eine eigene Familie hat er nicht, zu einer Schwester in Schweden besteht loser Kontakt. Ob er von manchen Gästen beneidet werde, weil er sich niemandem unterordnen müsse und frei sei in seinem Handeln? Diese Form der „Freiheit“ macht nach seinen Worten sehr einsam. „Mein größter Wunsch ist es, wieder ein normales Leben zu führen“, sagt Wachtmeister.

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