Haben Gesellschafter sich bereichert? Vorwürfe gegen emsländisches Landvolk und Data-Tax

In Bürogemeinschaft arbeiten die Vereinigung des emsländischen Landvolks und die Steuerberaqtungsgesellschaft Data-Tax zusammen. Jetzt werden deswegen Vorwürfe erhoben. Foto: Wilfried RoggendorfIn Bürogemeinschaft arbeiten die Vereinigung des emsländischen Landvolks und die Steuerberaqtungsgesellschaft Data-Tax zusammen. Jetzt werden deswegen Vorwürfe erhoben. Foto: Wilfried Roggendorf

Meppen. Der Vereinigung des emsländischen Landvolkes (VEL) wird vorgeworfen, der Steuerberatungsgesellschaft Data-Tax Aufträge zuzuschanzen. Deren Gesellschafter sollen sich auf Kosten der VEL-Mitglieder bereichern. Die VEL weist die Vorwürfe zurück.

Woher stammen die Vorwürfe?

Ende Dezember 2017 veröffentlichte die Hannoversche Allgemeine Zeitung einen Bericht, nachdem zwei Landwirte bei der niedersächsischen Steuerberaterkammer die Einleitung eines Berufsaufsichtsverfahrens gegen die Geschäftsführer der Data-Tax, die zugleich fest angestellte Steuerberater der VEL sind, beantragt haben. Bei den beiden Landwirten handelt es sich nach Informationen unserer Redaktion um Verwandte eines 2017 von der VEL gekündigten Steuerberaters. Dieser Bericht macht seitdem unter den rund 8000 Mitgliedern der VEL die Runde.

Worum geht es bei den Vorwürfen?

Die VEL darf nach dem Steuerberatungsgesetz (StBerG) ihren Mitgliedern Hilfe in Steuersachen leisten. Allerdings umfasst diese Befugnis nicht die Hilfe bei Einkünften aus selbstständiger Arbeit oder Gewerbebetrieben, es sei denn, dass es sich hierbei um Nebeneinkünfte handelt, die üblicherweise bei Landwirten vorkommen (§4 Nr. 8 StBerG). Um ihren Mitgliedern umfassende Beratung anbieten zu können, hat die VEL deshalb 1994 die Steuerberatungsgesellschaft Data-Tax gegründet, die in allen steuerlichen Angelegenheiten beraten darf. Der VEL wird vorgeworfen, Angelegenheiten, in denen sie selbst beraten dürfte, an die Data-Tax zu geben, um deren Umsätze und Erlöse, und damit den Verdienst der Data-Tax-Gesellschafter, zu erhöhen.

Wie sind Data-Tax und VEL verflechtet?

Die Geschäftsführer und Gesellschafter der Data-Tax sind mehrheitlich zugleich bei der VEL als Steuerberater beschäftigt. Die Data-Tax und die VEL unterhalten in den landwirtschaftlichen Buchstellen Aschendorf, Lingen, Meppen und Neuenhaus eine Bürogemeinschaft. Dies bedeutet, dass die Data-Tax auf die mehr als 200 Mitarbeiter der VEL und deren Infrastruktur zugreifen kann. Dafür führt nach Informationen unserer Redaktion die Data-Tax rund 70 Prozent ihrer Umsätze an die VEL ab. Ein Teil des restlichen Umsatzes wird an die Geschäftsführer und Gesellschafter der Data-Tax ausgeschüttet.

Was sagt die VEL zu den Vorwürfen?

Lambert Hurink, Hauptgeschäftsführer der VEL, weist die Vorwürfe zurück. Die VEL versuche, möglichst viele Steuerberatungen selbst durchzuführen. Auf die Data-Tax würde nur verwiesen, wenn eine Beratung durch die VEL laut StBerG nicht zulässig sei. Die Data-Tax biete den Steuerberatern der VEL die Möglichkeit, ihr Einkommen auf ein angemessenes Niveau zu erhöhen. Ohne diese Möglichkeit sei die VEL nicht in der Lage, ihre hochspezialisierten Steuerberater zu halten. Diese würden sonst abwandern oder sich selbstständig machen. Dieses Vorgehen habe sich seit mehr als 20 Jahren bewährt und werde mit dem ehrenamtlichen Vorstand und den Gremien des Landvolks regelmäßig abgestimmt.

Was sagt die Data-Tax zu den Vorwürfen?

Data-Tax-Geschäftsführer Thomas Book betont, dass die Doppelfunktion als Steuerberater bei der VEL und der Data-Tax vom StBerG zugelassen sei. Durch die Bürogemeinschaft mit der VEL gebe es deutliche Synergieeffekte auf der Kostenseite. Die Data-Tax betreue zudem nicht nur Mitglieder der VEL, sondern „eine Vielzahl von Mandanten in allen Rechtsformen und Größen aus allen Branchen“.

Braucht die VEL eine Steuerberatungsgesellschaft wie die Data-Tax?

Zu dieser Frage gibt es unterschiedliche Auffassungen. VEL-Hauptgeschäftsführer Hurink sagt, dass die VEL nur Landwirte mit Flächen zu rein landwirtschaftlichen Einkünften steuerrechtlich beraten dürfe. Sobald ein Landwirt in der gewerblichen Tiermast tätig werde, ein Unternehmen gründe oder beispielsweise eine Fotovoltaikanlage betreibe, dürfe ihn die VEL zu Einkünften hieraus nicht mehr beraten. Daher sei die Data-Tax erforderlich, die ohne Einschränkung beraten dürfe. Gegründet worden sei die Gesellschaft, nachdem andere Steuerberater der VEL vorgeworfen hätten, nach dem StBerG unzulässige Beratungen durchgeführt zu haben.

Dies sieht Stefan Ruppert, Referatsleiter in der Abteilung Recht und Berufsrecht der Bundessteuerberaterkammer, anders. „Bei Einkünften aus selbstständiger Arbeit und aus Gewerbebetrieben darf der angestellte Steuerberater der Vereinigung steuerlich beraten, wenn es sich um Nebeneinkünfte handelt, die normalerweise bei Landwirten vorkommen, wie Einkommen aus gewerblicher Tierhaltung. Dazu können auch die Fotovoltaikanlage auf dem Dach eines Stallgebäudes oder der Betrieb einer Biogasanlage zählen“, erklärt er auf Nachfrage unserer Redaktion.

Wie geht es jetzt weiter?

Die VEL und die Data-Tax werden den Ausgang des bei der niedersächsischen Steuerberaterkammer eingeleiteten Berufsaufsichtsverfahrens gegen ihre Steuerberater abwarten. Mögliche Hinweise der Kammer würden VEL und Data-Tax beachten, erklären Hurink und Book. Sie hoffen auf eine möglichst schnelle Entscheidung der Kammer.


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