Tanz- und spielfreudiges Ensemble „Doch lieber Single“: Viel Spaß im Lingener Theater

Von Meike Blunk

Das Thema Paartherapie wurde auf unterschiedlichen Ebenen unter die Lupe genommen und erhielt auch dank pffiger Choreografien und herausragendem Gesang viel Beifall vom Publikum, das zahlreich erschienen war. Foto: Meike BlunkDas Thema Paartherapie wurde auf unterschiedlichen Ebenen unter die Lupe genommen und erhielt auch dank pffiger Choreografien und herausragendem Gesang viel Beifall vom Publikum, das zahlreich erschienen war. Foto: Meike Blunk

Lingen. Im fast ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe hat ein überaus spiel-, sing- und tanzfreudiges fünfköpfiges Ensemble zusammen mit zwei Musikern das Publikum begeistert. Das musikalische Theaterstück „Doch lieber Single“ von Amina Gusner, präsentiert von der Konzertdirektion Euro-Studio Landgraf, sorgte auf humorvolle wie anregende Weise für beste Unterhaltung.

Es geht in dem Stück um zwei Paare, die sich bei dem Therapeuten Dr. Rüdiger Leid (hervorragend von Rüdiger Rudolph gemimt) einer Tanz- und Gesangstherapie unterziehen und dabei so manche Gefühlsstrudel durchlaufen. Die Yoga- Lehrerin Vera und der Fluglotse Wolfgang sind ein Paar, das jedoch allzu oft mit ihren unterschiedlichen Wünschen in Bezug auf Nähe, Transparenz und Kommunikation in der Sprachlosigkeit endet. Hingegen Gabi und Frank sich zu sehr auf ihre dreijährige Tochter und deren Allergien konzentrieren. Dabei verharren sie immer mehr in ihren eingenommenen Rollen.

Individuelle Merkmale

Wunderbar, teilweise klischeehaft skizziert, teilweise mit ausgeprägt individuellen Merkmalen versehen, offenbaren sich peu à peu immer mehr die einzelnen Charaktere. Einige Verhaltensweisen schienen vorhersehbar. Doch, speziell in der zweiten Hälfte, wartete die Dramaturgie gekonnt mit so mancher Wende oder Überraschung auf. Ein ganz besonderer Schachzug dieser so geglückten Inszenierung war der bravourös von den Darstellern gemeisterte Spagat zwischen Gesang, Tanz und Spiel. Mit Songs wie „Männer muss man loben“, „Es geht mir gut, Cheri“, „Out of the Dark“ oder „Parole Parole“, der von Heiko Senst, alias Wolfgang, stimmgewaltig und gefühlsecht dargeboten wurde, bekam die Inszenierung einen Facettenreichtum, der seinesgleichen sucht.

Authentische Spannweite

Der Gitarrist Raphael Beil und Andreas Peschel am Keyboard erwiesen sich im nüchternen Therapieraum des dynamisch agierenden Dr. Leid als soundgebende Goldgrube mit zuverlässigem Warm-up-Charakter. Heike Trinker als Vera, die verzweifelt nach Gefühlsäußerungen von Wolfgang sucht, gab ihrer Rolle in der Tat eine unglaubliche Dichte. Alice von Lindenau verlieh der kognitiv handelnden und zielorientierten Gabi, die allzu gern für Frank spricht, eine authentische Spannweite. Maximilian Nowka warf sich ganz und gar in die nicht ausbalancierten Tiefen des Frank, in die er durch sein Mitgefühl anderen gegenüber allzu oft gerät.

Eine wahre Freude

Senst gab Wolfgang eine raue, in sich zurückgezogene äußere Schale, die er häppchenweise immer mehr entblätterte. Und Rudolf verkörperte den ständig referierenden und inbrünstig agier- enden Dr. Leid mit überschäumendem Temperament und vollkommener Authentizität, dass es eine reine Freude war, sich als Zuschauer dieser besonderen Therapiestunde bzw. des besonderen Theaterabends befinden zu dürfen. Autorin Gusner, die auch Regie führte, war es ein Anliegen, das Thema „Paartherapie“ auf unterschiedlichen Ebenen unter die Lupe zu nehmen, da – laut Programmheft - ihrer Meinung nach, „fast jeder weiß, wie sich festgefahrene Liebe anfühlt“.

Mit lebendig pointierten Dialogen, hochkarätigem Gesang, pfiffigen Choreografien und bekannten Songs spielte das Ensemble sich in die Herzen der Zuschauer, die am Ende gar nicht wieder aufhören wollten mit dem Applaudieren. „Everybody needs somebody to love“ (Rudolf am Saxofon) rundete auch als Zugabe diesen musikalischen Theaterabend ab.