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Powerfrau mit großem Willen Anastacia beeindruckt in Lingen mit ihrer markanten Stimme

Von Sven Lampe | 18.11.2018, 20:19 Uhr

Anastacia - die Powerfrau mit dem unbändigen Willen, hat am Samstag mit ihrer großartigen Soulstimme in der Emslandarena in Lingen das Publikum beeindruckt.

Nach mehr als 20 Jahren auf den Bühnen der Welt verströmt die US-Amerikanerin, die vor zwei Monaten ihren 50. Geburtstag feiern konnte, dass sie einfach Spaß hat, an dem was sie tut. Es ist keine große Show, die Anstacia, ihre fünfköpfige Band und zwei Tänzerinnen bei der Evolution-Tour auf der Bühne abziehen. Es ist vielmehr der geerdete Auftritt einer Frau, die weiß, was sie will, was sie kann, und der bewusst ist, dass sie viel Glück im Leben gehabt hat, heute überhaupt noch auf der Bühne stehen zu können. Nach den großen Chart-Erfolgen ihrer ersten drei Alben mit Hits wie "I'm Outta Love", "Paid My Dues" und "One Day in Your Life" erkrankte Anastacia zweimal an Brustkrebs und sprang als bekennendes "Survivor Chick", Steh-auf-Mädchen, zweimal dem Tod von der Schippe. Auch in Lingen nutzte sie die Gelegenheit, für ihre Stiftung zu werben, die Frauen Mut machen will und für Früherkennung wirbt.

Dank ans Publikum

Es brauchte eine Weile, bis die 50-Jährige mit der blonden Löwenmähne und den früher oft extravaganten Brillengestellen das überwiegend weibliche Publikum in der Emslandarena aus der Reserve gelockt hatte. Und das war bunt gemischt, reichte von kleinen Dötzen bis zu grauhaarigen Herrschaften im besten Alter, die teils von weither ins Emsland gereist waren, um ihren Star live auf der Bühne zu erleben. Ein großer Teil von ihnen gar zum ersten Mal, wie eine Frage Anastacias an das Publikum zutage brachte. Man nahm es ihr ab, als sie sich für das Interesse bedankte, da ja niemand gezwungen worden sei, sich die Show anzusehen.

Selbstironie

Immer wieder suchte die kleine Frau mit der großen Ausstrahlung den Kontakt zum Publikum, lachte, zwinkerte hier und da in die Menge und flirtete. So wie mit einem jungen Mann namens Dominik aus der ersten Reihe, den sie zu sich an den Bühnenrand holte, sich zu ihm setzte, mit ihm plauderte und verschmitzt harmlos ein Mehr nach der Show anbot. Schön, wie sie die Nummer weiterspielte, als sich herausstellte, dass der Hamburger mit seinem Lebensgefährten angereist war. Schön auch, wie sie sich selber nicht allzu ernst nahm, als sie nach der Einlage vom Boden sitzend wieder aufstand und dabei keine wirklich gute Figur machte.

"Bei einen Popkonzert will ich tanzen"

Die allerdings macht immer noch ihre markante Soul-Stimme, gleich ob bei ihren alten Hits, bei denen das Publikum sofort mitging, oder bei den Nummern ihres neuen Albums. Richtig die Post ab ging in der Emslandarena nicht. Das mag auch daran gelegen haben, dass der Innenraum der Halle komplett bestuhlt war. "Was soll das denn? Bei einem Popkonzert will ich tanzen", hieß es nicht nur einmal im Publikum. So bot sich ein ziemlich uneinheitliches Bild aus denen, die zwischen den Reihen tanzten und denen, die direkt daneben saßen. Leider hatten die Tontechniker den Sound in der Halle nicht ganz im Griff. Zumindest an den Seiten im Parkett kam von der Band streckenweise nur ein basslastiger Soundbrei an, weiter hinten in der Mitte hörte sich das schon ganz anders an. Das mag auch daran gelegen haben, dass auf den Rängen der mit nur rund 2200 Zuschauern gefüllten Arena unverkennbare Lücken herrschten. Aber wie haben wir gelernt, es gibt deutlich Wichtigeres im Leben.